Weihnachten 2009

29 Aug

Hier ein kleiner Ausschnitt aus meinem Weihnachtsleben:

Habe gerade ein Buch ueber die Anziehungskraft des Geldes gelesen. Jetzt weiss ich auch, weshalb ich noch zu nix gekommen bin. Man muss erst einen kleinen Haufen haben, dann kommt der Rest von ganz alleine. Habe es noch nicht geschafft, den kleinen Haufen anzusammeln, der den Rest attraktiv findet. Und Henry ist erst in dem Stadium, dass ich ihm erklaeren muss, dass man das Geld, das aus der Maschine (Geldautomat) kommt, erst mal verdienen und auf der Bank einzahlen muss! Ist fuer Kinder schwer zu verstehen, wenn die immer nur sehen, wie das Geld da raus kommt und nicht wie es da rein kommt….

Endlich bin ich hier mal zur Ruhe gekommen nach diesem hektischen Jahr und habe wieder Zeit zum philosophieren. Meine beiden homestay-girls aus Japan und Korea sind abgereist und jetzt erleben wir so tolle Sachen wie auf dem Sofa sitzen, Fernseh schauen, mit Drinks auf der Terasse sitzen, zum Abendessen grillen, die alte Katze „Mimi“ observieren (nicht die Katze grillen – of course!), oder am Strand im heissen Sand sitzen und Buecher ueber Wealth und Freiheit lesen, waehrend Henry mit seinem Bodyboard nach Australien schwimmt. Fuer mehr Spannung zeigt Henry uns an seinem neuen mini-laptop, was er schon alles kann (wie Musik downloaden, skypen mit seinem Freund etc.) und wenn ich es vor Spannung nicht mehr aushalten kann, setze ich mich an den Computer und mache die Buchfuehrung, mit der ich schon seit zweieinhalb Monaten im Rueckstand bin, um auszurechnen, wieviel Mehrwertstseuer ich ans hochheilige Finanzamt bezahlen darf (manchen Dingen kann man einfach nicht entkommen im Leben…).

Die tollen Geschenke, habe ich mir dieses Jahr (wie immer) selbst gekauft und das Geld (aus dem Automat) in Gartenmoebel investiert, damit ich mit meiner Flasche Baileys (die ich von Santa zu Weihnachten bekommen habe) koeniglich auf der Terrasse thronen kann! Die Katze findet die Moebel auch toll und wenn ich nicht auf meinem Thorn sitze, dann regiert die koenigliche Hoheit von Katze dort. Und naechstes Jahr bekommt dieses exzentrische Biest von mir eine goldene Krone! Sie findet auch den Weihnachtsbaum aus China toll, den ich in der Garage wieder gefunden habe und den wir fuer sie im Wohnzimmer aufgebaut und geschmueckt haben.

Da der Baum vom letzten Jahr (den ich um die Welt und den brasilianischen Regenwald zu retten, mit Wurzel gekauft hatte, um ihn dann jedes Jahr zu nutzen) aus unerklaerlichen Gruenden vertrocknet ist (technisch gesehen koennte es die Folge von Wassermangel sein), war die Chinesische Edeltanne aus dem Warehouse fuer dieses Jahr gut genug. Und wenn man sich ueberlegt, wie hunderte von kleinen Chinesen jede einzelne Plastiknadel in feinster Handarbeit drankkleben, ist es in gewisser Weise schon ein Kunstwerk, das man fuer spaetere Generationen erhalten muss… Jedefalls schaerft sich meine ueberdimensionale (ausgestreckt ca. 1.05m) schwarze Homestay-Katze nun jeden Abend daran die Krallen und ich muss in letzter Sekunde vom Sofa aufspringen um den Baum vor dem grossen Fall zu retten. Das wuerde ein Familiendrama erster Klasse ausloesen, da Bernd und Henry dieses Jahr die antiken silbernen Glaskugeln vom Uropa drangehaengt haben. (Diplomatischerweise hatte ich diese fuer die letzten 10 Jahre tief in einem Karton vergraben und in der Garage versteckt). Wie man sieht, gehen alte Deutsche Tradition und „Trautes Heim – Glueck allein“ hier Hand in Hand. Mimi ist das sch… egal und sie ignoriert saemtliche Warnungen. So sitze ich also friedlich und weihnachtlich erfuellt vorm Fernseher mit einem Auge auf die Sendung ueber die alten Agypter, mit dem anderen Auge auf die alte Katze unterm Baum, deren Vorfahren wahrscheinlich auch schon an die Pyramiden gepinkelt haben, und von Zeit zu Zeit springe ich auf wie ein Kamikaze Krieger mit Samurai Schwert, um in letzter Sekunde die Katastrophe zu verhindern!

Henry, den Santa Claus mit seinem neuen Laptop nun voll in die Future gebeamt hat, kommt alle zwei Stunden aus seinem Techno-Labor geschossen (was bis zum 24.12. sein Kinderzimmer war) und erklaert mir seine neuesten Errungenschaften aus Cyberspace. Dann wird der Drucker wie von Geisterhand ueber Infrarot gesteuert und ich soll mir nun Skype installieren, damit ich mich mal richtig mit meinem Sohn unterhalten und ihn dabei ueber Computer-Kamera sehen kann. Wobei ich lieber die gute alte Methode anwende, die Kinderzimmertuere aufreisse und ihm meine Meinung sage – von Angesicht zu Angesicht! Das fehlt mir noch, dass ich jetzt in voller Montur, geminkt und mit hair-do vor dem Computer sitzen soll, falls mich jemand anskyped! Nein danke! Es gibt technische Errungenschaften, die muss ich nicht haben und ich liebe es, unfrisiert, mit verschmiertem Make-up und in meinem alten Nachthemd, das mein Mann als “Sack” bezeichnet, vor dem Computer zu sitzen. Ausserdem kann man beim Schreiben noch verbessern, was man geschrieben hat, wenn ein Wort erstmal die Lippen verlassen hat, ist es fuer alle Zeit zu spaet und wie man ja weiss, kann ein Wort Kriege ausloesen!

Aber Technik hat auch seine Vorteile. Wenn ich meinen Zehnjaehrigen jetzt zum Dinner rufe, habe ich all diese neuen modernen options: ich kann ihm ein e-mail schicken (mit Photo vom Abendessen) oder ueber Bluetooth eine Nachricht zukommen lassen, koennte ihn ueber Skype anbeepen und das Menue mit der Kamera filmen, ich kann ihn ueber seine website kontaktieren, einen song schreiben, so dass er ihn von i-tunes kaufen kann, ich kann ihm von meiner website einen newsletter schicken oder ueber youtube ein movie veroeffentlichen, wie ich das Essen gekocht habe, ich koennte ihm das Menue ueber Twitter und Facebook zukommen lassen, eine Einladungskarte ueber JibJab senden, kann ihm eine Textmessage auf sein Phone schicken, meine Stimme in einen neuen Rington zum downloaden umwandeln oder………. wieder die gute alte Zimmertuere aufreissen und schreien: „Essen ist fertig!!!“ Wobei mir die letzte Methode die sympathischste ist, weil die auch bei Stromausfall funktioniert. Flaschenpost ist auch nicht so verkehrt, dauert nur etwas laenger, da wird das Essen kalt!

Vor Weihnachten hatte ich noch schnell die Moebel im Haus umgestellt, teilweise auf Trade Me (wie in Deutschland e-bay) verkauft und neue (gebrauchte) gekauft, was eine Manie aus meiner fruehesten Jugend ist. Wenn sich Unzufriedenheit und Frust einschleichen, dann male ich die Waende an, kaufe neue Moebel, haenge neue Bilder auf, und alles ist wieder gut. Man koennte sich nun streiten, ob das besser ist als Therapie, aber mit Sicherheit schoener! Dafuer bekommt Bernd naechstes Jahr ein Gartenhaeuschen! Dann kann er aus der Garage ausziehen (nicht er persoenlich, aber sein Material und Werkzeug und die alten Kartons aus seinem ehemaligen Buero in Deutschland) und dann uebernehme ich mit meinem einnehmenden Wesen und dem ganzen Inventar aus meinem Studio (ca. 300sqm) die Doppelgarage (ca. 40sqm)!

Vielleicht hat Henry bis dahin im Internet rausfegunden, wie man Sachen schrumpfen kann! Soviel zum neuen Jahr und meiner Karriere als Kuenstler! Vielleicht findet Henry auch noch raus, wie man Leute unsichtbar macht oder die Stimme beim Sprechen ausschaltet. Irgendwie habe ich hier den Hang, mich immer wieder ins Fettnaepfchen zu setzen, wenn ich mich unterhalte. (Erinnert mich sehr an meinen Vater). Hier ist man nicht gewohnt, dass Leute sagen, was sie denken, oder dass man ausspricht, dass das Leben nicht immer nur positiv und wonderful ist oder dass man einem versucht zu helfen, wenn man sagt, was man wirklich denkt… Na ja, muss ich noch dran arbeiten, an diesen zwischenmenschlichen Beziehungen oder vielleicht sollte ich mich auch auf anonyme e-mails und abgekuerzte text-messages beschraenken oder mal ein Jahr des Schweigens einlegen.

Die einzige, mit der ich (fast) keine Kommunikationsprobleme habe (ausser dass sie mich ignoriert, wenn ich mit ihr schimpfe) ist die alte Lady von Koenigliche Hoheit Mimi Katze. Wir verstehen uns normalerweise wunderbar. Morgens um 6 Uhr geb ich ihr Futter, um 8 Uhr kriegt sie frisches Wasser aus dem Wasserhahn und dafuer legt mir Madam einmal im Jahr einen toten Vogel neben den Schreibtisch (meistens zuckt der noch, was meinen Horror und ihren Stolz gegen Unendlich steigert). Wenn sie nicht angefasst werden will, kratzt und beissst sie, wenn sie im Mittelpunkt stehen will, trampelt sie auf meine Tastatur oder legt sich mitten auf meine Steuerunterlagen und wenn sie ihre Ruhe will, versteckt sie sich in meinem Gemuesegarten (wo leider schon lange kein Gemuese mehr waechst, weil das Unkraut jeden Hauch von organic living im Keim erstickt hat!). Wenn ich das billige Futter aus dem Supermarkt kaufe, spricht Mimi drei Tage nicht mit mir und wenn ich nochmal wiederkomme, auf jeden Fall auch als Katze!!!!

So viel zum Leben auf der einsamen Insel und Erholungsstufe I in den Sommerferien…

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