Rueckblick 2010 – Einkaufstherapie

30 Dec

Personal Note: “Hier ein weiterer Schwank aus meinem Leben im Jahre 2010.

Fortsetzung folgt!

I never seem to run out of topics to write about, I just run out of time to do so! So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Was fuer ein Jahr!

Nach Heiligabend, den wir in alter deutscher Sitte auch hier am Ende der Welt am 24. Dezember feiern, komme ich endlich zur Ruhe und kann das kommende Jahr planen, setze persoenliche Ziele und ueberlege, was ich aendern und verbessern kann. Ich lasse das alte Jahr vor meinem geistigen Auge ablaufen und komme mal wieder zu dem Schluss, dass naechstes Jahr alles anders werden muss!  Prioritaet ist (wie jedes Jahr), alles etwas ruhiger angehen zu lassen, mehr exercise, weniger essen, weniger Stress und mehr fun! Und dann kommt das naechste Weihnachtsfest und der Rueckblick aufs Jahr birgt die Erkenntnis, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe: stattdessen noch weniger exercise, noch mehr gegessen, noch mehr Stress und keine Zeit fuer Fun! Das muss sich aendern und dann kommt schon die naechste Planung und das naechste Jahr…

Der Vorteil an meiner detaillierten Planung und strategischen Zielsetzung ist es, dass ich beim jaehrlichen Soll-Ist-Vergleich eindeutig weiss, dass einige Punkte als erledigt abgehakt wurden, gleichzeitig wundere ich mich ueber die vielen Punkte, die uebers Jahr dazu gekommen sind, von denen ich bei meiner letzten weihnachtlichen Zukunftsplanung noch keine Ahnung hatte. Die Liste wird immer laenger und laenger und fuer jedes Erledigt-Haekchen schleichen sich drei neue Punkte ein, die dann saeuberlich auf meine ueberdimensionale to-do-Liste ins neue Jahr uebertragen werden. 

Und wenn man das alte Jahr dann nochmal ueberdenkt, fallen einem die kleinen und grossen Ereignisse ein und mit einem gewissen Hang zum Perfektionismus (wie ich) wundert man sich ueber Vieles im Leben…

…wie zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Midlife Crisis and Shopping.

Midlife Crisis hat ja viele Gesichter, und bringt alle moeglichen Sentimentalitaeten und Depressionen mit sich. Der Unterschied der Symptome bei Maennern und Frauen koennte nicht extremer sein. Maenner verstaerken ihr Selbstbewusstsein, Frauen neigen dazu, den letzten Rest davon an den Nagel zu haengen. Kein Tag ist wie der andere, aber letztlich haben alle Gemuetsschwankungen eine logische oder eine hormonelle Erklaerung. Das macht den Umgang damit natuerlich wesentlich einfacher und man kann diverse Verhaltensweisen mit einem zwinkernden Auge entschuldigen. So ist ja bekannt, dass Maenner sich durch das Entdecken extremer Sportarten abreagieren. Viermal die Woche Fussball, das Training fuer die Tour de France auf einem raumforschungsentwickelten  Titan-Rennrad, der taegliche Drill im Fitness Center oder die Anschaffung eines Olympia-erprobten Wildwasser-Kajaks sind klare Anzeichen fuer ein letztes Aufbaeumen. Frauen, die unzufrienden sind (wieso denn bloss, fragt sich der Mann)  kennen oft nur einen Ausweg. Er lindert die Symptome (wenn auch nur voruebergehend) und laesst kleine Momente des Gluecks im grauen Alltags-Einerlei aufflackern:

Einkaufen!

Wie troestlich koennen ein paar Stunden im Einkaufszentrum sein, wenn man sich neue Kleider kauft, die man nie anzieht und die dann als Mahnmal fuer emotional finstere Zeiten in den bereits vollen Kleiderschrank gestopft werden (Hilfe – der Schrank ist zu klein!). Zusammen mit den anderen Errungenschaften aus frueheren depressiven Phasen vegetieren die quer gestreiften Tops und die ¾ Hosen, in die man nach der geplanten Diaet gerne reinpassen wuerde, in den dunklen Ecken des Kleiderschrankes, ohne je das Tageslicht wieder zu sehen. Bis zu dem freudigen Ereignis, wenn man beschliesst, sein Leben total zu aendern und den Kleiderschrank zu entruempeln. Dann findet man sogar noch die Original-Preisschilder mit Waehrungen, die schon laengst abgeschafft wurden.

Wenn man von so einem lang geplanten Einkauf mit vielen Taschen wiederkommt, ist es ein „guter Tag“ und man kann ihn als erfolgreich im Kalender durchkreuzen. Man fuehlt sich gut, etwas Neues im Schrank zu haben, das man eventuell mal anziehen koennte, wenn man mal die Gelegenheit dazu haette, falls es sich mal so ergeben sollte, dass man mal irgendwann und irgendwo eingeladen wuerde….  (Man weiss ja nie!)

Was ist aber mit den Tagen, an denen man entgegen jeglicher Vernunft, spontan und ohne jegliche Vorwarnung den Entschluss fasst, in den Shopping Krieg zu ziehen mit der festen Absicht, den Midlife Crisis-Feind zu besiegen und sich mal etwas Besonderes zu goennen?  (…was man sich ja schliesslich verdient hat)

Man rennt von Shop zu Shop und von Umkleidekabine zu Umkleidekabine, nur um festzustellen, dass das eine oder andere Fettroellchen an der Huefte auf mysterioese Weise gewachsen ist, trotz der besten Vorsaetze, die man enthusiastisch am  1. Januar in die Tat umsetzen wollte, aber leider kam am 2. Januar schon was dazwischen…

Zuerst schiebt man es auf die internationalen Kleidergroessen, die  –seit die meisten Kleidungsstuecke in China von winzigen Frauen hergestellt werden-  zu schrumpfen scheinen und fuer die man einen eigenen Dictionary braucht mit Laendercode-Tabelle. Beim zehnten gebluemten Sommerkleid (man hatte mal so eins in den 70er Jahren), welches in Groesse 8 (36) wunderbar an der Schaufensterpuppe aussieht, aber ab Groesse 16 (44), falls ueberhaupt vorhanden, wie ein ueberdimensionaler Heissluftballon den Koerper optisch noch mehr aufblaeht, scheinen die Blumen waehrend des Anblicks im Spiegels sprichwoertlich zu wachsen.

Wenn man dann mit Traenen in den Augen und voellig in Schweiss gebadet, den depremierenden Versuch, „sich was zu goennen“, aufgibt, dem Feind die weisse Flagge zeigt (mit der man sich besser erst den Schweiss von der Stirn und die Traenen aus den Augen wischt), dann bleibt nur noch, den Trost in einem grossen Stueck Kaesekuchen und einem extra-grossen Capuccino mit aufgetuermter Milch und einer Blume aus Schokopulver zu suchen. Schwerfaellig wie ein nasser Sack und der Kaesekuchen wie ein Stein im Magen liegend, besinnt man sich dann wieder auf die positiven Dinge im Leben und erkennt, dass der Shopping Trip trotz der kleinen seelischen Niederlage erfolgreich war und zu einem Happy-End fuehrte. Man hat ja schliesslich schon schoenere Kleider gesehen, die Familie durch das Nichtnutzen der Kreditkarte vor dem finanziellen Ruin gerettet  und den Kleiderschrank vor dem physikalischen Zusammenbruch bewahrt. Braves Maedchen!

Mein letztes grosses „Jetzt gehe ich mal nur fuer mich einkaufen“-Erlebnis hatte ich im Oktober als der Neuseelaendische Winter kein Ende nehmen wollte. Der Wind pfiff schon seit Wochen durch den Garten, so dass selbst unsere Katze wenig frass und trank um nicht oefter als einmal taeglich ihr Geschaeft im Matsch verbuddeln zu muessen. Nachdem sie wie von der Tarantel gestochen wieder reinraste und mit ihren nassen Tatzen auf den Fliesen entlang rutschte um zu bremsen, putzte sie sorgfaeltig ihre kleinen Lederfuesse an meinem Bullen-Vorleger im Wohnzimmer ab, bevor sie auf der Couch ihren Winterschlaf fortsetzte.

Also eines morgens, nachdem Henry schon in der Schule und mein lieber Mann schon zur Arbeit entschwunden waren, entschied ich, es sei der ideale Tag fuer eine Retail-Therapie und machte mich auf den Weg ins Shoppingcenter nach Glenfield. Zwei Stunden lang verschaffte ich mir einen Ueberblick ueber die aktuelle Fashion-Situation und beschloss dann bei einer Tasse Kaffee, noch nicht aufzugeben, sondern positiv eingestellt dem ein oder anderen Kleidungsstueck eine Chance zu geben. Mit neuem Mut und geschultem Auge, waehlte ich einige Tops und Hosen in einer kleinen Boutique aus, um sie in aller Ruhe in der viel zu engen Umkleidekabine anzuprobieren.

Wer entwirft eigentlich Umkleidekabinen???? Sie kommen mir vor wie Kaninchenstaelle, viel zu eng, zu dunkel und der eine Haken, der schon fast von der Wand faellt, haelt hoechstens zwei Kleiderbuegel. Man muss seine eigenen Kleider auf den Boden werfen und steht beim Umziehen drauf, weil die ausgezogenen Schuhe und die weibliche Ueberlebens-Handtasche (man weiss ja nie was man alles braucht) den Rest der Stall-Grundflaeche von 0.2qm belegen. Gibt es keine internationale Menschenrechts-Mindestnorm fuer Umkleidekabinen wie bei der Huehnerhaltung? Und wer hat ueberhaupt die voellig unlogische Regel erfunden, dass man nicht mehr wie drei Teile zum Anprobieren in die Umkleidekabine mitnehmen darf????

Es ist doch allgemein bekannt, dass gerade die moderne,  multi-tasking Frau gezwungen ist, zehn Sachen gleichzeitig zu erledigen und absolut keine Zeit hat fuer solche Spiraenzchen. Was soll denn das? Man moechte doch am liebsten 40 Teile gleichzeitig (jedes in drei Groessen und vier verschiedenen Farben) mitnehmen, verbringt eine Stunde in der Kabine und voila! Ein Teil passt, sitzt und hat Luft – 39 Teile gehen zurueck! That’s it!

Nein, stattdessen zaehlt die siebzehnjaehrige Verkaeuferin drei Teile ab, reisst einem den restlichen Stapel vom Arm und man muss sich fuer drei Teile im Kaninchenstall ausziehen, stoesst dich die Knie und die Ellebogen an den Waenden, der halbhohe Spiegel im Duestern laesst einen nicht mal mehr erkennen, ob die Hose lila, dunkelbraun oder schwarz ist. Nach der zweiten Hose muss man den Vorhang aufreissen um nach Luft zu schnappen und hat schon die Nase voll vom Einkaufen.

Irgendwann habe ich entschieden, diese Strapaze zu lindern, indem ich einfach die grossen Warnschilder (nur 3 Teile!) ignoriere und mit neu entwickelter Arroganz und zwanzig Teilen auf dem Arm hohen Hauptes an der Verkaeferin vorbei marschiere, in den kleinen Stall hinein! Da soll mich mal jemand stoppen, wenn ich in den Krieg ziehe!

Also an diesem tristen Wintertag in der kleinen Boutiqe im Shopping Center Glenfield, die halbe Shop-Kollektion und ich im Kaninchenstall und  wider Erwarten passt das ein oder andere Teil auf meinen birnenfoermigen Body-Type. Frohen Mutes und mit einem zufriedenen Laecheln auf den altersbedignt etwas eingefallenen Lippen probiere ich ein Teil nach dem anderen an und stapele die Tops und Hosen auf dem Boden, die dazu ausgekoren sind, meinen alten Kleiderschrank mit neuem Stolz zu begluecken.  Happy, happy stehe ich ohne Luft zum Atmen und nur bekleidet mit Unterhose und BH im Stall, als mich ploetzlich und unerwartet eine droehnende Sirene in meiner bis dahin sehr heilsamen Retail-Therapie unterbricht. Ich sah mich fragend im verblichenen Spiegel an, hatte keine Ahnung was der Alarm bedeutete, beschloss aber instinktiv meine Modenschau zu beenden und mich wieder anzuziehen. Als ich keuchend den Vorhang der Kabine aufreisse, sehe ich noch gerade wie die asiatische Verkauferin die Geschaeftstuere von aussen abschliesst und das Rolltor runterlaesst.

In den Gaengen des ShoppingCenteres herrschte ein wildes Wundern, waehrend ich von innen an die Tuere klopfe und die Verkaeuferin sich genervt gezwungen fuehlt, die Tuere noch mal zu oeffnen. In hektischem und gebrochenem Englisch, fragt sie mich, was ich da noch mache und herrschsuechtig klaert sich mich auf, dass es sich um Feueralarm handelt, und jeder muss das Shoppingcenter sofort verlassen. Habe mich unter diesen Umstaenden natuerlich nicht getraut zu fragen, ob ich die drei passenen Teile von meinem „muss ich haben“-Stapel im Kaninchenstall noch schnell bezahlen darf. Schicksalsmaessig fand ich es sehr ungerecht, dass gerade dann jemand das Shoppingcenter anzuenden musste, wenn ich endlich mal was Schoenes zum Anziehen finde! Very bad timing!

Aber dann habe ich mir gesagt „Let it go!“ (was auch mein neues Motto fuer 2011 ist!) und bin von der uebrigen Menschenmenge zum Ausgang geschwemmt worden, habe mich im Parkhaus in mein Auto gesetzt und wollte nach Hause fahren.  Leider hatten die anderen 2000 Kunden die gleiche Idee und schon nach einer  Minute herrschte im Parkhaus ein ausgewachsenes Verkehrschaos. In der Ferne hoerte ich, wie sich die Feuerwehrsirenen naeherten, zu sehen war nichts, und vermutlich waere ich in meinem Auto verbrannt, wenn es ein echtes Feuer gewesen waere. Oder ich waere mit dem letzten Fashiondesign im Kaninchenstall gegart worden, wenn ich mich nicht in Windeseile angezogen haette. Nach zwei Stunden loeste sich der Stau im Parkhaus auf, immer noch kein Feuer oder Qualm in Sicht und ich fuhr unverrichteter Dinge, aber wiederum mit positiven Gedanken nach Hause. Geld gespart – Feuer-Inferno ueberlebt – Kleiderschrank vor Zusammenbruch gerettet – braves Maedchen!

 

Abends im Bett kam mir noch der Gedanke, ob man als Verkaeuferin nicht vielleicht einen Blick in die Kaninchenzuchtabteilung werfen sollte, bevor man sich selbst evakuiert. Und dann fragte ich mich, ob man das internationale Sirenensystem nicht verbessern koennte, so dass jeder gleich weiss, was los ist, anstatt erstmal nur Panik zu verbreiten und jeder fragt jeden, was das Signal bedeutet. Man koennte doch beruehmte Kuenstler mit schoenen Stimmen beauftragen, Katastophen-Mitteilungen auf ein Endlos-Band zu sprechen. Antonio Banderas koennte vor einer Feuersbrunst warnen, Brad Pitt vor einer Cholera Epedemie, Susan Boyle vor einem Erdbeben und Udo Lindenberg vor einer Ueberflutung. Bankueberfall, Vulkanausbruch, Orkan, Tsunami, Lebensmittelvergiftung, wildgewordene Voegel, entlaufene Raubtiere, kreisende Pleitegeier, Chinesische Invasion oder Sprengstoffattentat. Man will ja schliesslich wissen, wovor man sich retten muss und vielleicht hat man ja ein aufblasbares Boot, eine abgesaegte Schrotflinte, ein Chinesisches Woerterbuch oder einen Feuerloescher in der Handtasche.

Und da ich immer noch nicht schlafen konnte, bat ich den lieben Gott noch, den Umkleidekabinen-Designern eine kleine Eingebung zukommen zu lassen und schickte ihm telepathisch meine Liste: ein bisschen mehr Platz, etwas frische Luft, sommerliches Tageslicht, ein nicht erblindeter Ganz-Koerper-Spiegel, eine lange, stabile Kleiderstange, ein Paeckchen Erfrischungstuecher, eine Karaffe mit frischem Wasser, etwas Rosenduft, eine realistische Groessen-Vergleichstabelle aller Laender, eine passende Ablage fuer Handtasche und Schluesselbund und ein Schild: „Bitte alles auf einmal anprobieren!“. Und vielleicht eine Tuere oder ein Vorhang, die richtig schliessen, wenn’s recht ist…

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