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Guten Morgen!

8 Jul

Fuersorglich betrete ich das kleine Zimmer meines lieben Sohnes, dessen 16. Geburtstag kurz vor der Tuere steht. “Guten morgen – aufstehen… Was fuer ein schoener Tag. Die Sonne scheint und du musst raus aus den Federn.“

Whemuetig erinnere ich mich an die Zeiten, als wir zusammen auf dem Fussboden sassen und aus Millionen kleiner Legoteile Flugzeuge bauten, die dann alle nebeneinander aufgereiht wurden, um das regelmaessige Staubsaugen zu verhindern.

„Hallo, aufstehen! Es ist Zeit, Du kleines Maennlein.“ („Kleines Maennlein“ ist sicherlich nicht mehr agenbracht, da er sein kleines Muetterlein schon fast um einen ganzen Kopf ueberragt). Aber ich erlaube mir dieses „kleine Maennlein“, da er es im Halbschlaf nicht wirklich wahr nimmt. Bei vollem Bewusstsein findet er es total bloed! Aber es fuellt mein muetterliches Herz mit warmer Romantik an vergangene Zeiten.

„Halloeschen – aufstehen – sonst kommst du zu spaet zur Schule“ Um das Beenden der dritten Traumphase so sanft wie moeglich zu gestalten, verleihe ich meiner Stimme einen liebevoll fluesternden Ton.

Da – ein Hauch von Bewegung, der Kopf dreht sich zur Seite, die Augen fest verschlossen. Ich ziehe an der Bettdecke und frage dieses Maennlein, ob es mich hoeren kann. Ein zaghaftes Zucken mit immer noch fest verschlossenen Augen. Ich entschwinde aus dem Zimmer in der Hoffnung, dass die kleinen Aeuglein sich dem noch abgedunkelten Raumlicht anpassen und sich wie kleine Blueten langsam oeffnen.

Waehrenddessen gehe ich in die Kueche und mache Kaffee und vertraue auf das morgendliche Aufbluehen einer kleinen Seele zur Vorbereitung auf einen wundervollen Tag.

Ich lausche, aber noch hoere ich nichts aus dem gemuetlichen Zimmer, auf dessen Fussboden wir vor vielen Jahren 138 meter Holzschienen verlegten und die alte Eisenbahn unters Bett fahren liessen um einen Tunneleffekt zu erzielen.

Besser sehe ich noch mal nach und beim Betreten des Kinderzimmers schalte ich das Licht an. Diese eingelassenen Halogendeckenleuchten erzeugen nicht gerade wohnliches Ambiente. Sie sind eher zur Bestrahlung von chemischen Versuchen im Reagenzglas geeignet oder zur Untersuchung unserer koeniglichen Katze auf die Anweseneit von Floehen in ihrem kuscheligen, langhaarigen schwarzen Fell.

Ich sehe schon, dieses Kind ruehrt sich nicht. „Aufstehen, es wird Zeit, Du musst  zur Schule, sonst kommst Du zu spaet. Hallo, bist Du wach? Hallo, aufstehen!!!!“ Meine Stimme ist nun auf normale Innenraumlautstaerke eingestellt. Der Kopf bewegt sich und das eine Auge oeffnet sich einen Spalt. Die Scheinwerfer blenden und um der Erblindung vorzubeugen schliesst sich das kleine Lid wieder wie eine Muschel im Meer, wenn sie Gefahr wittert.

In der Kueche gurgelt die Kaffeemaschine. Sie zischt und donnert, sprueht Wasserdampf durch alle Ritzen und laesst mich in dem Glauben, dass sie jeden Moment explodiert. Ich nehme sie nicht ernst. Mein wohlverdienter morgendlicher Kaffee in der weissen Tasse mit der Aufschrift „Best Mum ever“ und einem grossen Schuss Milch (wegen der Farbe) gibt mir die noetige Energie, um meine Mission zu vollenden.

„Kannst Du jetzt aufstehen?“, meine Stimme wird lauter beim Betreten des ex-Kinderzimmers, dessen suesse Pastelfarben vor zwei Jahren einem dunkleren Farbschema weichen mussten. Beim Anblick der Waende, die nun mit Computergame Postern und Energydrink Stickern gepflastert sind, oeffne ich die Rollaeden und die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg zum Bett. Da rettet sich Drakula mit einem lauten Stoehnen unter die Bettdecke.

„Was soll denn das? Kannst Du Dich jetzt endlich aufraffen? Du musst ganz schnell duschen, es ist schon spaet, sonst hast Du keine Zeit zum Essen und kommst zu spaet in die Schule“. Ich haette das nun easy weiter ausfuehren koennen und ihn auf die Konsequenzen hinweisen, dass wenn man keine Zeit zum essen hat, wird man den ganzen Tag grantig sein, man verkracht sich mit seinen Freunden, wird aus der Clique ausgestossen, fuehlt sich schlecht, bekommt mehr Pickel. Man verpatzt den Mathetest, dessen Note sich im Zeugnis widerspiegelt, bei dessen Anblick sich die Eltern verpflichtet fueheln, eine Moralpredigt zu halten.und die geplante Taschengelderhohung bis auf weiteres zu streichen. Aber all das habe ich natuerlich nur gedacht und nicht gesagt, da diese Teenager sowieso alles besser wissen.

Eine zweite Tasse Kaffee laesst mich wieder in diesen jugendlichen Saustall einmarschieren, in dem wir vor vielen Jahren die Ritterburg von Playmobil mit Waenden aus alten Kartons vergroesserten, weil wir nicht genug Teile hatten.

Ich fuehle mich wie die Walkuere vor der Schlacht und wuensche, ich haette ein Pferd. Stattdessen stampfe ich beim Einmarsch auf dem Fussboden in der Hoffnung, dass Dracula von einem Schein-Erdbeben zur Auferstehung gezwungen wird. Fehlschlag!

Mit erhoehtem Blutdruck und erhobener Stimme (sorry, Nachbar!), drohe ich diesem halbwuechsigen Ignoranten: „Wenn Du jetzt nicht aufstehst, gibt es am Freitag kein Sleepover, Dein Telefon Top up kannst Du vergessen, die Geburtstagsparty faellt aus und das Internet wird fuer immer abgemeldet.“ Da ploetzlich blinken mich zwei schmale Augen an und ein schmerzverzerrtes Gesicht graebt sich aus der Decke. Die koenigliche 8kg Katze schreitet ein und schleppt sich aufs Bett. Ich ueberlasse ihr das Schlachtfeld. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass wenn man sehr boese wird soll man den Raum verlassen.

Noch ein Taesschen Kaffee. Bin mit meinem Latein am Ende. Wie kann ich denn diesen jugendlichen Hallodri aus seinem Bett reissen, damit er rechtzeitig zur Schule kommt? Da bleibt nur eins: Ich nehme das Telefon, waehle seine Handy-Nummer und schneller als erwartet hoere ich das vorwurfsvolle „Mensch, Mama!“ aus dem chaotisch unordentlichen Nebenzimmer, das dringend einer Grundreinigung bedarf.

Nicht gerade beeindruckt vom neuesten Trick seiner Mutter, hoere ich ihn holpern und poltern. Buecher fallen vom Nachtisch, die Katze kommt mit eingezogenem Schwanz um die Ecke gerast, Schrank auf, Schrank zu, Schublade auf, Schublade zu, lautes Murren, Meckern, Mosern…

Mit der Kaffetasse in der Hand lasse ich die ganze Litanei ueber mich ergehen: „Jetzt habe ich keine Zeit mehr zum essen! Wo sind meine Socken? Ist meine Schuluniform gewaschen? Das Wasser ist zu kalt, die Zahnbuerste zu hart, das Klopapier verschwunden! Wo sind meine Schuhe? Hast Du meinen Fahrradhelm gesehen? Ich komme zu spaet und heute habe ich einen Mathe Test! Wieso hast Du mich nicht frueher geweckt?????“

Ich nehme noch einen Schluck aus meiner Muttertagstasse und freue mich auf die Schulferien!

Beate

Innere und auessere Schoenheit (2)

11 Jan

Personal Note: “Das Leben koennte so einfach sein, wenn immer alles nach Plan ginge… –

 So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Der Versuch, am folgenden Wochenende meine Dessous-Kollektion um einen neuen BH zu erweitern, bedurfte einer gewissen diplomatischen und strategischen Planung, da ich mit fuenf Kindern ins Shopping Center einmarschierte: mein Sohn Henry (11), unser koreanisches Homestay-girl Kelly (12) mit ihrer koreanischen Freundin und mein Japanisches Homestay-girl Eiko mit ihrer japanischen Freundin.  Als wir das Kaufhaus betraten, gab ich meinen internationalen Kinderchen die Freiheit, fuer eine halbe Stunde ohne meine erzieherische Oberaufsicht zu shoppen und sich dann an der Kasse wieder mit mir zu treffen.  Das wuerde mir genug Zeit geben, still und heimlich und unbeobachtet ein paar BHs anzuprobieren und im Erfolgsfalle ohne grossen Aufstand unaufaellig zu bezahlen. Selbstverstaendlich haette es mir nichts ausgemacht, wenn meine Grossfamilie bei der Auswahl und beim Kauf beteiligt gewesen waere, aber meine asiatischen Girls sind in dieser Beziehung etwas mehr traditionell erzogen und ich wollte ihnen die Peinlichkeit meiner „Europaeischen Offenheit“ und ihrer dezente Roete im Gesicht ersparen.  Und auch mein Sohn auf seinem zielstrebigen Weg zum Teenager-Tum wird mehr und mehr  verlegen, wenn er seine einzige Mutter in ihrer Unterwaesche sieht („not pleasant, Mum“ – Zitat ende).

Gesagt – getan! Henry zog ins Spielwarenparadies, die Girls in die Schuh- und Kleider abteilungen und ich in das Lingerie-Department.  Schon nach 5 Minuten gestresst und verschwitzt probierte ich ein paar BHs an und kam zu dem Schluss, dass die Groessen immer kleiner werden. Beim Anblick im Spiegel  (in einer dieser kleinen Kaninchenstaelle) musste ich allerdings zugeben,  dass ich im Winter etwas rundlicher geworden war, oder vielleicht war mal wieder der Spiegel oder die Beleuchtung unvorteilhaft. Egal – sieht ja keiner (!?!) Und als ich endlich ein Stahlstreben-verstaerktes Modell fand, das an der richtigem Stelle hebt und teilt, beschloss ich froehlich, es gleich in schwarz, weiss und der traditionellen Fleischfarbe zu kaufen (man weiss ja nie…). Das wuerde mir fuer die naechsten drei Jahre den erneuten, frustrierenden Versuch ersparen, mal etwas Schickes und Farbenfrohes fuer „untendrunter“  zu finden. Denn Schickes und Farbenfrohes ist in meiner Groesse leider selten im Sortiment, sorry!

Schnell suchte ich mir noch ein paar Unterhosen, die nicht kneifen (und gross genug sind, um Kaninchen zu fangen) und lief mit meinen neuen Objekten der  inneren und auesseren Verschoenerungs-Begierde  zur Kasse. Bevor ich meine  Grossfamilie in irgendeiner Weise in Verlegenheit bringen konnte  und ihnen die Gelegeheit nahm, alle kulturellen Einzelheiten eines aufregenden Einkaufstages abends per e-mail  in ihre Heimat zu uebermitteln, bezahlte ich unentdeckt meine Beute und die Kassierein liess sie dezent in einer grossen Plastiktuete verschwinden.  Dann drehte ich mich um und ging mit meiner Beute gleich wieder ins Kaufhaus zurueck, so als waere nichts gewesen. Ich straeunte -Interesse heuchelnd- in der Kosmetikabteilung herum, welche  sich aus Sicherheitsgruenden immer in der Naehe der Kasse befindet. Als ich meine Kinderchen sah, wie sie aus allen Richtungen zur Kasse  stroemten, um ihre eigenen kleinen Eroberungen zu bezahlen, reihte ich mich ein und vereint gingen wir durch die elektronische Absperrung hinter der Kasse…

… bis meine grosse geheimnisvolle Tuete einen lauten Alarm ausloeste!

Freundlich aber bestimmt und unter den urteilenden Blicken der uebrigen einkaufssuechtigen Menschenmassen wurde ich mit meiner Tuete abgefuehrt und musste vor den Augen meiner hundertkoepfigen Grossfamilie aus aller Herrenlaender saemtliche Jagd-Unterhosen und Geruest-BHs auf der Theke ausbreiten. Durch die hochsteigende Roete in meinem Gesicht und der Ueberproduktion meiner Schweissdruesen dauerte es etwas bis ich den Kassenzettel zur Beweisfuehrung aus meiner ueberfuellten Handtasche ausgegraben hatte. Waehrend die Maedchen im Hintergrund jeweils in ihrer Heimatsprache tuschelten und kicherten und mein Sohn so tat, als haette er ueberhaupt nichts mit uns zu tun,  stellte die Warenhaus-Sicherheitsoberaufsichts-Polizei in Zivil fest, dass die Verkaeuferin an der Kasse vergessen hatte, das  magnetische Sicherheitding aus Plastik  von einem BH zu entfernen.  

Nach dem Abendessen verschwanden alle kleinen Asiatinnen in ihren Zimmern und die Internationale Voelkerverstaendigung lief auf Hochtouren.

Zum Glueck habe ich ja nun drei Jahre Ruhe…

Innere und aeussere Schoenheit (1)

10 Jan

 Personal Note: “Man goennt sich ja sonst nichts… –

 So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Ich gebe zu, eine meiner Lieblingsbeschaeftigungen ist Shopping (typisch Frau – wuerde mein lieber Mann jetzt sagen). Allerdings gibt es einige Produkte, deren Erneuerung zwar von Zeit zu Zeit noetig ist, aber fuer die ich mich nicht so gerne ins Einkaufs-Getuemmel stuerze. Eins davon ist ein neuer BH  und das andere ist ein neues  Nachthemd!

Waehrend ich im Oktober ein Buch ueber die kleinen Freuden und Schoenheiten im Leben las, die man sich als Frau ab und zu selbst bereiten sollte (man goennt sich ja sonst nichts…), kam ich zu dem Kapitel ueber innere und auessere Schoenheit.  Die amerikanische Autorin des Buches empfiehlt dringenst, sich auf keinen Fall und niemals gehen zu lassen und selbst in Situationen, wo es niemand sieht, huebsch und gepflegt auszusehen. Das bezog  sich besonders auf das Tragen von Unter- und Nachtwaesche. Mit einer Mischung aus Selbstkritik  und schlechtem Gewissen liess ich meine persoenliche Dessous-und Nachtkollektion vor meinem geistigen Auge auffahren und sah der Tatsache ins Auge, dass es hier enorme Gelegenheit zur Verbesserung gibt.

Ich beschloss, mir so schnell wie moeglich einen neuen BH und ein neues Nachthemd zuzulegen, vor allem, da mein lieber Mann mein Lieblingsnachthemd als „Sack“ bezeichnet. Normalerweise ist mein Selbstbewusstsein ausgepraegt genug um seine unqualifizierten Auesserungen bezuegliche Mode und Geschmack zu ignorieren, aber unter dem Aspekt der inneren und aeusseren Schoenheit und der kleinen Freuden im Leben gemaess Kapitel 5 meines Buches, musste ich gestehen,  dass mein Nachthemd nicht besonders vorteilhaft geschnitten war.  Wie konnte ich ueber Jahre dem irrtuemlichen Glauben zum Opfer gefallen sein, dass in meinem Nachtleben Bequemlichkeit wichtiger ist als Representation? Der Stil war vermutlich dem Alltag zum Opfer gefallen, insbesondere weil ich schon sehr, sehr lange verheiratet bin und jeden Abend todmuede  ins Bett falle. Aber nun sollte sich alles aendern! Aesthetik ist das neue Motto,  und so zog ich eines Tages fest entschlossen ins Shopping Center nach Albany, um mir ein schoenes, neues, elegantes Nachthemd zu leisten  und mein Leben drastisch zu aendern  (und um meinen lieben Mann zu ueberraschen!)

Aber schon nach der ersten Stunde der Recherche in Shops und Kaufhaeusern musste ich mit Ueberraschung und Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass entweder mein Geschmack oder meine Altersgruppe eine echte Marktluecke darstellte.  Hoffnung und Enttaeuschung wechselten sich ab beim Eintreten und Verlassen neuer Shops und Warenhaeuser und mir stellte sich spontan die Frage: Wer entwirft eigentlich Nachthemden fuer die Frau um 50? Offensichtlich niemand!

Das Angebot liess auf jeden Fall zu wuenschen uebrig. Erstens war die Farbpalette extrem eingeschraenkt: hellblau, rosa, weiss, rot  und schwarz. Und zweitens gab es nur zwei Schnitte: entweder Hemd mit Hose  aus Flanell oder ueberdimensionales T-Shirt bis zum Knie aus baumwollartigem Mischgewebe!

Nach drei Stunden und 20 Shops kam ich zu dem Schluss: That’s it! Das ist die eingeschraenkte Quelle, aus der ich meine neu gewonnene Nachtschoenheit schoepfen muss. In Entscheidungssituationen behalte ich normalerweise einen klaren Kopf und gehe systematisch und mit dem altbewaehrten Prinzip der Elemenierung vor. Hemd mit Hose oder T-Shirt? Das war keine schwere Entscheidung. Hose trage ich den ganzen Tag und T-Shirt ist einfach praktischer, da unten offen! Die Auswahl von  Farbe und Muster bereitete mir mehr Kopfzerbrechen.  Es gab Weiss mit roten Punkten, Rot mit weissen Schleifchen, Schwarz mit Glitter oder riesige Aufdrucke in Form von Katze mit grossen Augen, Hund mit grossen Zaehnen, Micky Mouse mit grossen Ohren, Herzchen, Sternchen oder Kroenchen.

Was soll denn das? Ist das was Frauen in meinem Alter nachts im Bett tragen? Sollte das denn wahr sein, dass es zwischen heimlichem Online-Erwerb von kitschiger Stubenmaedchen-Reizwaesche und gedruckten Kindermotiven auf  ueberdimensionalen T-Shirts keine Alternative gab? Sollte ich wirklich mein Bett mit Micky Mouse oder einem farbenfrohen Haustier teilen? Ach ja, und dann war da noch das rosa Nachtkleid mit Rueschen am langen Aermel und am bodenlangen Saum und den fuenf Knoepfen am Hals, das vor Vampiren und Triebtaetern schuetzt. Das Design (auch noch in hellblau erhaeltlich) habe ich von vorneherein als nicht altersgemaess ablehnt! 

Ein Blick auf die Uhr – schon halb drei – keine Zeit mehr um lange rumzufackeln. Kurz entschlossen und ohne anzuprobieren (Einheitsgroesse!) waehlte ich das grosse schwarze Nachtarrangement im lockeren T-Shirt-Style,   mit dem silbernen Glitter-Aufdruck einer riesigen Krone und dem Wort „Princess“ an der Stelle, wo mein erdanziehungskraft geschaedigter, fraulicher Busen nach einem anstrengenden Tag seine Entfaltung findet.

Als ich am Abend stolz mit meiner neu gewonnen Schoenheit und wie Sissi bei der Kroenung zur Kaiserin grazioes die Treppe herunter schritt, stellte selbst mein ignoranter Mann ueberrascht und begutachtend fest: „Hast Du einen neuen Sack?“

Es gibt gewisse Dinge im Leben, mit denen muss man sich einfach abfinden!

Rueckblick 2010 – Die Kunst der Gemuesezucht (2)

9 Jan

Personal Note: “Hier kommt die vorlauefig letzte Folge meines kleinen, unerfahrenen Gaertnerdaseins im Land der grossen weissen Wolke… –  So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Nachdem mein urspruenglicher Versuch der Kompostherstellung wegen Verstopfung im mittleren Kammerbereich der China-Tonne fehlgeschlagen war,  wollte ich meine neu gewonnene „Gruene Lebenseinstellung „  noch nicht aufgeben. Eine Freundin wies mich auf den letzten Schrei in Sachen wiederverwertbarer Kuechenabfaelle zur  Rettung der Weltbevoelkerung hin: Das Bokashi-System aus Japan!  Da ich vor vielen Jahren eine Zeit lang fuer SONY gearbeitet habe, weiss ich das Japanische Vorlaeufertum in Sachen technischer Errungenschaften zu schaetzen.  

Bokashi heisst soviel wie „fermentiertes, organisches Allerlei“ und unter diesem Aspekt kann man alle organischen Kuechenabfaelle inklusive Fleisch, Fisch, Fritten und Salatsauce in einem speziellen Behaelter, der aussieht wie zwei ineinander gesteckte eckige Plastikeimer mit Deckel, sammeln. Unter Luftabschluss und wie von Geisterhand verwandeln winzige unsichtbare Mikroorganismen die Essensreste in fruchtbaren Biokompost. Natuerlich muss man die Mikroorganismen in einem Sack, dessen Inhalt aussieht wie Holzspaehne, kaufen,was die Sache zwar oekologisch, aber nicht gerade oekonomisch macht. Immer wenn man eine Lage Ernaehrungsmuell eingefuellt hat, muss man eine Hand voll Mikroorganismen-Spaehne darueber streuen und den Behaelter wieder luftdicht verschliessen. Wenn der Eimer bis oben gefüllt ist, dauert der chemische Vorgang der Vermentung etwa zwei Wochen und unten im Eimer sammelt sich eine Fluessigkeit, die nicht nur als Fluessigduenger sondern auch bestens als Rohrreiniger bei Kanalverstopfung geeignet ist.

Das hoert sich alles toll an, aber in der Praxis stand dieser Eimer in meiner kleinen Kueche staendig im Weg. Und wenn ich ihn im Schrank unter der Spuele deponierte, vergassen wir, ihn zu benutzen. Eines Tages waehrend eines fruehlingshaften Hausputzes stellte ich den fast vollen Eimer voruebergehend unter das Holzdeck unserer Terrasse, wo wir auch das andere Zeug lagern, welches wir zwar nie wieder brauchen, uns aber auch nicht davon trennen koennen. Und dann kam der Winter und ich vergass, dass wir jemals dieses ausgekluegelte Japanische Kompost-System in unserer Familie eingefuehrt hatten.

Und nun, nachdem endlich der Sommer eingekehrt ist,  habe ich den Eimer wieder gefunden und ihn aus Sicherheitsgruenden soweit wie moeglich von Haus, Gemuesegarten und Klettergeruest, ganz hinten am Gartenzaun zu meinen Nachbarn, die uns nie gruessen, gelagert. Schweissgebadet wache ich nachts auf und stelle mir vor, wie die Mikroorganismen sich millionenfach unter monatelangem Luftabschluss vermehrt und eine Art oekologischen Molotovcoctails gebraut haben. Ehrlich gesagt, ich traue mich nicht, den Deckel zu oeffnen! Vielleicht springen die unsichtbaren Organismen in mein Atmungssystem und fressen mich von innen auf, oder der ganze Eimer explodiert bei der Zufuehrung von Sauerstoff und rottet unseren gesamten idyllischen Vorort aus. Vielleicht haben sich die Mikroben auch schon in groessere Lebewesen verwandelt, die krabbeln, schleimen und beissen oder sogar fliegen koennen. Oder ich habe eine ganz neue, voellig unerforschte Art von Lebewesen gezuechtet, die zukuenftig die Menschheit tyranisieren, um die Weltmacht zu ergreifen. Leider war ich in der Schule zwar sehr interessiert, aber nicht besonders gut in Chemie und habe das Fach nach dem ersten Halbjahr im 11. Schuljahr und einer 6 auf dem Zeugnis abgewaehlt. Im 2. Halbjahr habe ich mich der Physik zugewandt, deren Grundlagen und Prinzipien fuer mich besser verstandlich waren, da man sie entweder sehen oder spueren konnte (besonders Schwerkraft und Elektrizitaet!).       

Zurueck zu meiner Karriere als Gaertner:

Wie bereits erwaehnt ist mein Garten nun nicht mehr so durchorganisiert oder Desgin-Preis-verdaechtig schoen, dafuer wachsen dort nun wieder Tomaten, Radieschen, Salat, Petersilie, Schnittlauch, Basilikum und die Zwergbohnen von meinem lieben Nachbarn hinter der Berliner Mauer. Etliche andere Pflanzen, von denen ich nicht mehr weiss was es ist oder ob es vielleicht sogar das wiederkehrende Unkraut ist, wachsen und gedeihen zusammen mit der Erdbeerpflanze fuer meinen lieben Mann. Mein hauseigener Gas-und Wasserinstallateur-Meister-Ehemann hat auch zwischenzeitlich (und mit etwas diplomatischem weiblichen Nachdruck) den Wassertank an die Dachrinne der Garage angeschlossen. Das klingt alles sehr erfolgreich und idyllsich, aber der Schein truegt! Schon habe ich das naechste Problem: Irgendwas oder irgendwer frisst mein Gemuese!

Jeden Morgen, wenn ich in meinen wilden, unorganisierten Gemuesegarten gehe, fehlen ein paar kleine Pflaenzchen oder nur die Stengel der einst gruenen Pracht (besonders Basilikum) sind noch uebrig geblieben. Groessere Pflanzen, wie Tomaten weisen erhebliche Beeintraechtigungen in Form von Loecherm in den Blaettern auf. Erneute Recherche im unendlichen Universum des Internets minimierte die Problem-Optionen auf den Vormarsch von Schnecken, Raupen oder kleinen weissen Fliegen. Um herauszufinden, mit welchem dieser Feinde man es zu tun hat, wird empfohlen, eine naechtliche Spionage-Aktion auszufuehren. Man soll im Dunkeln, bewaffnet mit Taschenlampe und Eimer, durch den Garten schleichen und den Feind sozusagen in Flagranti erwischen und Krieger um Krieger im Eimer einsammeln. Leider konnte ich diese Spionier-Attake wegen ausgepraegter Angst-Phobien und verminderter Sehfaehigkeit im Dunkeln nicht durchfuehren. Mein elfjaehriger Sohn, der gerne Berufsfussballer, Wissenschaflter oder Rockstar (seit der weihnachtlichen Elektrischen Gitarre) werden moechte, haette den  Job gerne uebernommen, ist aber leider fruehzeitig ins Land der Traeume entschwunden,  mit der Taschenlampe fest in seiner Hand und unter der Bettdecke.

Die weiteren internationalen Ausfuehrungen zur Vernichtung von Gartenpest empfiehlt, alle eingesammelten Feinde wie Schnecken und Raupen gleich an Ort und Stelle zu zertrampeln. Diese Endloesung hat mich so angeekelt und kann aus Gruenden meiner atheistischen Weltanschauung und Anti-Gewalt Prinzipien gegen Mensch und Tier ebenfalls nicht erfolgreich durchgefuehrt werden. Wegen der Zielsetzung  des rein organischen Gemueseanbaus  kommt auch die Chemische Keule zur Kriegsfuehrung in meinem Garten nicht in Frage. Und die alte Bauernregel, den Feind mit eienem Koeder aus Bier anzulocken und dann in volltrunkenem Zustand zu vernichten, laesst auch zu wuenschen uebrig. Das Bier wurde zwar gerne genommen, der Feind hat sich jedoch vor Einbruch des Tageslichts zuerueckgezogen, um seinen Rausch in der bisher nicht von mir entdeckten Heimat auszuschlafen.

Da ich von Natur aus diplomatisch und harmoniebeduerftig bin, habe ich beschlossen, dass Mensch und Tier friedvoll nebeneinander existieren sollten und so teile ich meinen Salat, den neuen Basilikum und die Tomatenblaetter nicht nur mit meiner vor Gesundheit trotzenden Familie, sondern auch noch mit kleinen, unsichtbaren, mir immer noch unbekannten Mitbewohnern, und hoffe, dass das natuerliche Oekosystem in meinem Gemuesegarten langfristig funktioniert und die Ernte in einer „gewissen Gerechtigkeit von Oben“ verteilt wird…

Rueckblick 2010 – Die Kunst der Gemuesezucht (1)

8 Jan

Personal Note: “Hier kommt eine neue Folge meines kleinen, unerfahrenen Gaertnerdaseins im Land der grossen weissen Wolke…

 So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Am allerersten Fruehlingstag im Jahre 2010 entschloss ich mich zu einer erneuten Expedition in den frisch bewilderten Dschungel hinter unserer Garage. Und wieder habe ich in den folgenden Wochen im Schweisse meines Angesichts die dichte Vegetation dahin gemetzelt,  die Baeume gestutzt, das Unkraut rausgerissen, Schlingpflanzen abgehackt, Aeste gesaegt, Loewenzahn ausgebuddelt, Kleeblaetter rausgerupft und siehe da: zum Vorschein kamen die hoelzernen Pflanzenboxen und der Wassertank  meines einst so fruchtbaren Gemuesegartens!

Aber dieses mal war ich weitgehend sicher vor den kritischen Augen meines interessierten Meistergaertner-Nachbarns. Im Jahr zuvor -als mein Unkraut begann, ueber den uns trennenden Gartenzaun zu ragen- hat er in einer Nacht-und Nebelaktion denselbigen mit Holzlamellen auf 2.20m aufgestockt, damit meine gemeingefaehrlichen Loewenzahnpollen  nicht aufs benachbarte Gebiet uebersiedeln und seine Zwergbohnen ausrotten.

Wenn mich mein Nachbar nun nicht mehr sehen konnte, so hat er auf  jeden Fall meine Ausrufe  des Entsetzens (beim Anblick meterlanger Wuermer, die an meinen Gummistiefeln hochkrabbeln wollten) oder des Entzueckens (bei der Wiederentdeckung meiner Pflanzboxen) gehoert, die in der morgendlichen Ruhe unseres kleinen, friedlichen Vororts verhallten.

Wegen (der ohne mich so hilflosen) Familie, Kunstwerke malen, Kinderbastelkursen,  Art-Ausstellungen, Marketingaktivitaeten, Website-Gestaltung , einem regelmaessigen Newsletter, eines energie-geladenen Sohnes, der Kostuemherstellung fuer eine Schulauffuehrung, Fahrrad reparieren, Hausputz, Katze fuettern, Waesche waschen, Hausaufgaben, Oelwechsel am Auto, Bernds Buchfuehrung, die jaehrliche Steuererklaerung, Shopping und diversen andere Hobbies  musste  ich dieses mal allerdings meinen Hang zum Perfektionismus an den Nagel haengen.  Und so habe ich meinen Gemuesegarten ohne Beruecksichtigung der urspruenglichen, sehr detaillierten Planungsunterlagen aus 2007 und meinem gruendlich Deutschen Organisationstalent  (inklusive dem Design-Flair fuer abgestimmte Farbkombination) im Schnellverfahren zurueckerobert.

Ich entfernte alle gruenen Schlingpflanzen aus meinen Pflanzkisten einschliesslich des Loewenzahns, so gut es ging (?) Als voellig unerfahrener Gaertner musste ich zwischendurch immer wieder eine Pause einlegen und die auftretenden Problemfaelle im Computer recherchieren. So fand ich z.B. heraus, dass sich die Wurzeln des Loewenzahns so weitlaeufig in der Erde verteilen, dass man sie nie wieder ganz entfernen kann um das Wachstum dieser gelben Pracht zu verhindern. Das wiederum machte mir den ueberdimensionalen Mauerbau meines lieben Nachbarns verstaendlich. Wie sind Generationen von Landwirten und Gaertnern bloss ohne Laptop und Google ausgekommen?

Dann war da noch der grosse schwarze Kompostbehaelter mit drei Kammern aus China, den ich ebenfalls 2007 angeschafft habe,um meine Familie in die Geheimnisse des Muellsortierens einzuweihen. Zwecks Wiedereinbringung von organischer Materie in den oekologischen Gemueseanbau haben wir wochenlang alle Apfel- und Kartoffelschalen, Salatblaetter, Zeitungspapier und sonstige kompostfaehigen Zivilisationsgueter  gesammelt und von oben in die grosse Tonne geworfen. Unser Rasenmaeher-Mann, der alle zwei bis drei Wochen meinen wunderschoenen Teppich aus Gaensebluemchen mit seiner Hoellenmaschine vernichtet, hat uns tatkraeftig unterstuetzt und schon nach kurzer Zeit war die oberste Kammer meiner Chinesischen Tonne erfolgreich gefuellt. Laut Bedienungsanleitung musste ich dann eine Trennungsplatte herausziehen und das stinkende Etwas mit Millionen von aufgescheuchten Muecken fiel zur weiteren Verarbeitung in Kammer Nummer zwei. So haben wir oben neue Gemuesereste und Gaensebluemchen eingefuellt bis die Kammer wieder voll war. Teil drei der Bedienungsanleitung empfiehlt daraufhin, die  Masse aus Kammer Nummer  zwei mit dem mitgelieferten Plastikstock durch das dafuer vorgesehene Loch in die darunterliegende Kammer Nummer drei zu stupsen. Leider musste ich an diesem Punkt feststellen, dass etwas nicht stimmt. Der klebrige Matsch aus Kammer zwei liess sich weder durch Stupsen noch mit Hilfe irgendwelcher anderer mechanischer Vorgaenge nach unten bewegen. So gab ich Ende 2008 meine Kompostproduktion wieder auf, nicht zuletzt auch mangels vorhandenem Gemuesegartens (der trotz bester Absichten bereits unter neuen Schlingpflanzen verschollen war).

Bei meinem erneuten landwirtschaftlichen Vorhaben wollte ich mich nicht von einer Chinesischen Plastiktonne besiegen lassen. Deshalb schubste ich an einem schoenen, heissen Tag, den ganzen riesigen, asiatischen Behaelter im Garten um, samt seines unerforschten Inhalts in den Kammern eins und zwei.  Ich kam mir vor wie ein Geburtshelfer als ich mit Gummihandschuhen und einer kleinen Schaufel in die untere Oeffnung der Tonne (mit meinem Kopf zuerst!!!) krabbeltn musste, um die Verstopfung in Kammer Nummer zwei aufzuloesen. Und nach ein paar Presswehen, man glaubt es kaum, gebar ich einen Berg von wunderbarer Erde, in der Millionen aufgeregter kleiner Wuermchen zappelten. Schweissgebadet, stinkend wie ein Ferkel und umzingelt von tausend Schmeissfliegen habe ich die jungfraeuliche Erde  in meinen Gemuesegarten eingeschaufelt. An jenem Tag habe ich mir eine zweistuendige Dusche inklusive  Ganzkoerpermassage mittels Wurzelbuerstennutzung zur Entfernung jeglicher Kompostreste aus allen Ritzen und Poren meines geschundenen Koerpers wohlweislich verdient!

Das Dreikammer-Kompostproduktions-System aus Asien ist nun wieder in Betrieb, wurde aber von mir so modifiziert, dass aus drei Kammern eine grosse Kammer wurde und der Glibber von vorneherein bis ganz nach unten faellt. Manche Erfindungen sind einfach noch nicht ausgereift (oder manche Uebersetzungen von Bedienungsanleitungen sind irgendwie unvollstaendig).

 Fortsetzung folgt!

Rueckblick 2010 – Dornroeschen’s Garten

6 Jan

Personal Note: “Hier ein kleiner geschichtlicher Rueckblich ins Jahr 2007 als Vorlauefer fuer ein weiteres Kapitel aus meinem Leben am Ende der Welt im Jahre 2010 „Die Kunst der Gemuesezucht“.

Fortsetzung folgt!

So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Am allerersten Fruehlingstag im Jahre 2007 entschloss ich mich zu einer Expedition in den geheimnisvollen Dschungel hinter unserer Garage. Seit dem Kauf des Hauses im Jahre 2004 haben wir diesen Teil unseres Grundbesitzes aus Zeitmangel und wegen der intensiven Renovierungsbeduerftigkeit innerhalb des Hauses, wohlweislich ignoriert. Bewaffnet mit Gummistiefeln, Tropenhelm, spinnensicherer Kleidung, einer Machete, Gartenschere, Hacke, Wasser fuer drei Tage, einem Schweizer Messer und meinem Handy (man weiss ja nie) zog ich, zusammen mit der neugierigen Katze Mimi, um 6.30 Uhr morgens in unerforschte Gefilde.  Zuerst entdeckten wir unter riesigen Schlingpflanzen, Baumzweigen und anderem ueberdimensionalen Gruenzeug ein winziges verrottetes hoelzernes Gartentor, das wir erst mit der Machete befreien mussten, um in das unberuehrte Niemandsland in der Laenge unserer Doppelgarage und einer Breite von ca. 5m einzudringen. Die Ueberwucherungen erinnerten an Dornroeschens Schlossgarten nach ihrem 100-jaehrigen Schlaf, aber bereits nach zwei weiteren Schritten kam ich mir vor wie Hiram Bingham bei der  Widerentdeckung der verschollenen Inka Stadt Machu Picchu.

Trotz der tropischen Hitze (hauptsaechlich Angst-Schweiss), Millionen von Stechmuecken, zaehen Spinnengeweben und anderen wilden Ungeheuern, bahnten wir uns den Weg tiefer und tiefer durch die dichte Vegetation. Panische Angst vor Vogelspinnen (die es in NZ angeblich nur im Zoo gibt – aber man weiss ja nie) spuerte ich staendig ein Kribbal-Krabbel auf meinem Koerper und die gelegentlichen kurzen Aufschreie eines City-girls hallten durch die ansonsten sehr verschlafene Nachbarschaft. Selbst Mimi, meine vierbeinige Forschungsassistentin, zoegerte hier und dort ein wenig, und dann entschied sie sich ploetzlich und unerwartet, die Expedition abzubrechen und mich meinem Schicksal zu ueberlassen. Einsam und verlassen, tief im Dschungel hinter der Garage entdeckte ich Anzeichen von Zivilisation in Form von moosbewachsenem Plastikmuell, verrosteten Eisengestellen und leeren Bierflaschen,  aber auch einen riesigen hoelzernen Kompost-Verschlag, dessen Inhalt Millionen von Wuermer innerhalb der letzten hundert Jahre in wunderbare Erde umgewandelt hatten.

In den folgenden Wochen habe ich im Schweisse meines Angesichts und unter den kritischen Augen meiner interessierten Nachbarn, von denen die meisten ein Minimum von 70 Jahren erfolreicher Gemuesezuechtung nachweisen koennen, die dichte Vegetation dahin gemetzelt. In einem Anfall von Zerstoerung habe ich der wilden Natur den Krieg erklaert, natuerlich nur mit dem hoeheren Ziel vor Augen, die Natur strukturiert und zum Beitrag eines gesuenderen Lebens-Stils fuer meine Familie in geordnete Bahnen zu lenken. Ich habe die Baeume gestutzt, das Unkraut rausgerissen, die Schlingpflanzen abgehackt, Aeste gesaegt, Loewenzahn ausgebuddelt, den Muell entsorgt, und jedes noch so  kleine Kleeblatt rausgezupft und siehe da: zum Vorschein kam ein eingezaeuntes Nichts mit einem riesigen Holzverschlag voller frischer Erde.

Ich hatte noch nie einen eigenen Garten, von der Wildnis in meiner fruehesten Kindheit abgesehen, die unser Haus in einem winzigen Belgischen Dorf umzingelte und auf magische Weise Obst und Gemuese produzierte (mit dessen Hilfe wir vermutlich einer Hungersnot entkommen sind). Also habe ich mich (ganz in Designer-Manier) an den Computer gesetzt und meinen zukuenftigen organischen Gemuesegarten bis ins kleinste Detail geplant und als wunderschoenes, kuenstlerisch farbenfroh gestaltetes und genauestens beschriftetes grafisches Poster ausgedruckt, um sie im richtigen (!?!) Moment dem Rest meiner Familie zu presentieren.

Die schwierigste Huerde der landwirtschaftlichen Gestaltung bestand allerdings daraus, meinen lieben Mann davon zu ueberzeugen, mit seinem technischen Equipment (sprich: sein Werkzeug mit diamant-eingravierten Initialien, das er wie seinen Augapfel huetet) aus dem riesigen hoelzernen Compostbehaelter nach und nach vier  erhoehte Pflanzenbeetkisten zu bauen. Nach dem ueblichen „Das geht doch nicht“ und „Das kann man so nicht machen“ musste ich alle Register der weiblichen Diplomatie ziehen und nur nach dem hochheiligen Vesprechen, auch ein paar Erdbeeren (wie bei seiner Mutter im Garten) anzubauen, schritt er schliesslich ans Werk.

Waehrend er nach und nach das Holz zersaegte und wieder zusammen haemmerte, habe ich im gleissenden Sonnenlicht nach und nach die wunderbare Erde mit samt den Wuermern hin und her geschaufelt und fuehlte mich wie Noah beim Bau seiner Arche, belaechelt von den Unglaeubigen, aber fest entschlossen! Zusaetzlich habe ich jeden Tag trotz des widerwilligen Stossdaempfergequietsches meines Kombis vom Gartencenter ein paaer Saecke Erde, Kompost, Mulch, Steine, Stroh oder kleingehackte Muscheln in mein struktur annehmendes Territorium geschleppt. Um meinen lieben Installateur-Ehemann mehr in das (Familien-)Projekt einzubeziehen, habe zu seiner Ueberraschung und fuer einen guten Preis vom Internet einen grossen weissen Plastik-Wassertank gekauft und anliefern lassen, damit er ihn fachmaennisch an die Dachrinne unserer Garage anschliessen und sich der Kreis unseres neugebildeten Hinterhaus-Oekosystems schliessen kann.     

Nachem ich schliesslich unter den kritischen Augen meiner dicken Katze den Gartenzaun weiss und alle Pflanzenkisten hellgruen gestrichen hatte, die Wege und Umrandungen mit dunklem Bark und weissen Muscheln markiert waren, ich die ersten Tomaten, Radieschen, Salate, Schnittlauch, Basilikum, Petersilie, Zwiebeln und eine Erdbeepflanze fuer meinen lieben Mann eingepflanzt hatte (versprochen ist versprochen), lobte mich mein 82-jaehriger Meistergaertner-Nachbar eines morgens ueber den Gartenzaun mit den Worten: „I’ve never seen such an organised garden before“, was so viel heisst wie, er hat in seinem ganzen Leben noch nie so einen toll organisierten Garten gesehen!“ Da kommen eben die typisch deutschen Tugenden zum Vorschein!  Dann schenkte er mir noch ein paar Zwergbohnen, die natuerlich in meiner urspruenglichen Planung nicht vorgesehen waren und deshalb drei Jahre warten mussten, eingefplanzt zu werden.   

Ich und meine Assistentin Mimi, die sich gerne auf  dem heissen Bark in der Sonne waelzt, waren sehr stolz auf unsere Eroberung eines neuen Erdteils hinter der Garage. Leider reisten wir kurz danach fuer vier Wochen nach Deutschland und kaum zurueckgekehrt, ueberschlugen sich hier die Ereignisse. Und so nahm die Natur ihren Lauf und eroberte den Kontinent langsam zurueck und verwandelte ihn schon im foglenden Jahr wieder in Dornroeschens Schlossgarten, ohne dass mein Haus-und Hofinstallateur jemals dazu gekommen war, den Wassertank anzuschliessen…

…bis zum Fruehling im Jahre 2010!

Dornroeschen's Ex-Garten in 2007

 

Fortsetzung folgt!

Rueckblick 2010 – Einkaufstherapie

30 Dec

Personal Note: “Hier ein weiterer Schwank aus meinem Leben im Jahre 2010.

Fortsetzung folgt!

I never seem to run out of topics to write about, I just run out of time to do so! So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Was fuer ein Jahr!

Nach Heiligabend, den wir in alter deutscher Sitte auch hier am Ende der Welt am 24. Dezember feiern, komme ich endlich zur Ruhe und kann das kommende Jahr planen, setze persoenliche Ziele und ueberlege, was ich aendern und verbessern kann. Ich lasse das alte Jahr vor meinem geistigen Auge ablaufen und komme mal wieder zu dem Schluss, dass naechstes Jahr alles anders werden muss!  Prioritaet ist (wie jedes Jahr), alles etwas ruhiger angehen zu lassen, mehr exercise, weniger essen, weniger Stress und mehr fun! Und dann kommt das naechste Weihnachtsfest und der Rueckblick aufs Jahr birgt die Erkenntnis, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe: stattdessen noch weniger exercise, noch mehr gegessen, noch mehr Stress und keine Zeit fuer Fun! Das muss sich aendern und dann kommt schon die naechste Planung und das naechste Jahr…

Der Vorteil an meiner detaillierten Planung und strategischen Zielsetzung ist es, dass ich beim jaehrlichen Soll-Ist-Vergleich eindeutig weiss, dass einige Punkte als erledigt abgehakt wurden, gleichzeitig wundere ich mich ueber die vielen Punkte, die uebers Jahr dazu gekommen sind, von denen ich bei meiner letzten weihnachtlichen Zukunftsplanung noch keine Ahnung hatte. Die Liste wird immer laenger und laenger und fuer jedes Erledigt-Haekchen schleichen sich drei neue Punkte ein, die dann saeuberlich auf meine ueberdimensionale to-do-Liste ins neue Jahr uebertragen werden. 

Und wenn man das alte Jahr dann nochmal ueberdenkt, fallen einem die kleinen und grossen Ereignisse ein und mit einem gewissen Hang zum Perfektionismus (wie ich) wundert man sich ueber Vieles im Leben…

…wie zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Midlife Crisis and Shopping.

Midlife Crisis hat ja viele Gesichter, und bringt alle moeglichen Sentimentalitaeten und Depressionen mit sich. Der Unterschied der Symptome bei Maennern und Frauen koennte nicht extremer sein. Maenner verstaerken ihr Selbstbewusstsein, Frauen neigen dazu, den letzten Rest davon an den Nagel zu haengen. Kein Tag ist wie der andere, aber letztlich haben alle Gemuetsschwankungen eine logische oder eine hormonelle Erklaerung. Das macht den Umgang damit natuerlich wesentlich einfacher und man kann diverse Verhaltensweisen mit einem zwinkernden Auge entschuldigen. So ist ja bekannt, dass Maenner sich durch das Entdecken extremer Sportarten abreagieren. Viermal die Woche Fussball, das Training fuer die Tour de France auf einem raumforschungsentwickelten  Titan-Rennrad, der taegliche Drill im Fitness Center oder die Anschaffung eines Olympia-erprobten Wildwasser-Kajaks sind klare Anzeichen fuer ein letztes Aufbaeumen. Frauen, die unzufrienden sind (wieso denn bloss, fragt sich der Mann)  kennen oft nur einen Ausweg. Er lindert die Symptome (wenn auch nur voruebergehend) und laesst kleine Momente des Gluecks im grauen Alltags-Einerlei aufflackern:

Einkaufen!

Wie troestlich koennen ein paar Stunden im Einkaufszentrum sein, wenn man sich neue Kleider kauft, die man nie anzieht und die dann als Mahnmal fuer emotional finstere Zeiten in den bereits vollen Kleiderschrank gestopft werden (Hilfe – der Schrank ist zu klein!). Zusammen mit den anderen Errungenschaften aus frueheren depressiven Phasen vegetieren die quer gestreiften Tops und die ¾ Hosen, in die man nach der geplanten Diaet gerne reinpassen wuerde, in den dunklen Ecken des Kleiderschrankes, ohne je das Tageslicht wieder zu sehen. Bis zu dem freudigen Ereignis, wenn man beschliesst, sein Leben total zu aendern und den Kleiderschrank zu entruempeln. Dann findet man sogar noch die Original-Preisschilder mit Waehrungen, die schon laengst abgeschafft wurden.

Wenn man von so einem lang geplanten Einkauf mit vielen Taschen wiederkommt, ist es ein „guter Tag“ und man kann ihn als erfolgreich im Kalender durchkreuzen. Man fuehlt sich gut, etwas Neues im Schrank zu haben, das man eventuell mal anziehen koennte, wenn man mal die Gelegenheit dazu haette, falls es sich mal so ergeben sollte, dass man mal irgendwann und irgendwo eingeladen wuerde….  (Man weiss ja nie!)

Was ist aber mit den Tagen, an denen man entgegen jeglicher Vernunft, spontan und ohne jegliche Vorwarnung den Entschluss fasst, in den Shopping Krieg zu ziehen mit der festen Absicht, den Midlife Crisis-Feind zu besiegen und sich mal etwas Besonderes zu goennen?  (…was man sich ja schliesslich verdient hat)

Man rennt von Shop zu Shop und von Umkleidekabine zu Umkleidekabine, nur um festzustellen, dass das eine oder andere Fettroellchen an der Huefte auf mysterioese Weise gewachsen ist, trotz der besten Vorsaetze, die man enthusiastisch am  1. Januar in die Tat umsetzen wollte, aber leider kam am 2. Januar schon was dazwischen…

Zuerst schiebt man es auf die internationalen Kleidergroessen, die  –seit die meisten Kleidungsstuecke in China von winzigen Frauen hergestellt werden-  zu schrumpfen scheinen und fuer die man einen eigenen Dictionary braucht mit Laendercode-Tabelle. Beim zehnten gebluemten Sommerkleid (man hatte mal so eins in den 70er Jahren), welches in Groesse 8 (36) wunderbar an der Schaufensterpuppe aussieht, aber ab Groesse 16 (44), falls ueberhaupt vorhanden, wie ein ueberdimensionaler Heissluftballon den Koerper optisch noch mehr aufblaeht, scheinen die Blumen waehrend des Anblicks im Spiegels sprichwoertlich zu wachsen.

Wenn man dann mit Traenen in den Augen und voellig in Schweiss gebadet, den depremierenden Versuch, „sich was zu goennen“, aufgibt, dem Feind die weisse Flagge zeigt (mit der man sich besser erst den Schweiss von der Stirn und die Traenen aus den Augen wischt), dann bleibt nur noch, den Trost in einem grossen Stueck Kaesekuchen und einem extra-grossen Capuccino mit aufgetuermter Milch und einer Blume aus Schokopulver zu suchen. Schwerfaellig wie ein nasser Sack und der Kaesekuchen wie ein Stein im Magen liegend, besinnt man sich dann wieder auf die positiven Dinge im Leben und erkennt, dass der Shopping Trip trotz der kleinen seelischen Niederlage erfolgreich war und zu einem Happy-End fuehrte. Man hat ja schliesslich schon schoenere Kleider gesehen, die Familie durch das Nichtnutzen der Kreditkarte vor dem finanziellen Ruin gerettet  und den Kleiderschrank vor dem physikalischen Zusammenbruch bewahrt. Braves Maedchen!

Mein letztes grosses „Jetzt gehe ich mal nur fuer mich einkaufen“-Erlebnis hatte ich im Oktober als der Neuseelaendische Winter kein Ende nehmen wollte. Der Wind pfiff schon seit Wochen durch den Garten, so dass selbst unsere Katze wenig frass und trank um nicht oefter als einmal taeglich ihr Geschaeft im Matsch verbuddeln zu muessen. Nachdem sie wie von der Tarantel gestochen wieder reinraste und mit ihren nassen Tatzen auf den Fliesen entlang rutschte um zu bremsen, putzte sie sorgfaeltig ihre kleinen Lederfuesse an meinem Bullen-Vorleger im Wohnzimmer ab, bevor sie auf der Couch ihren Winterschlaf fortsetzte.

Also eines morgens, nachdem Henry schon in der Schule und mein lieber Mann schon zur Arbeit entschwunden waren, entschied ich, es sei der ideale Tag fuer eine Retail-Therapie und machte mich auf den Weg ins Shoppingcenter nach Glenfield. Zwei Stunden lang verschaffte ich mir einen Ueberblick ueber die aktuelle Fashion-Situation und beschloss dann bei einer Tasse Kaffee, noch nicht aufzugeben, sondern positiv eingestellt dem ein oder anderen Kleidungsstueck eine Chance zu geben. Mit neuem Mut und geschultem Auge, waehlte ich einige Tops und Hosen in einer kleinen Boutique aus, um sie in aller Ruhe in der viel zu engen Umkleidekabine anzuprobieren.

Wer entwirft eigentlich Umkleidekabinen???? Sie kommen mir vor wie Kaninchenstaelle, viel zu eng, zu dunkel und der eine Haken, der schon fast von der Wand faellt, haelt hoechstens zwei Kleiderbuegel. Man muss seine eigenen Kleider auf den Boden werfen und steht beim Umziehen drauf, weil die ausgezogenen Schuhe und die weibliche Ueberlebens-Handtasche (man weiss ja nie was man alles braucht) den Rest der Stall-Grundflaeche von 0.2qm belegen. Gibt es keine internationale Menschenrechts-Mindestnorm fuer Umkleidekabinen wie bei der Huehnerhaltung? Und wer hat ueberhaupt die voellig unlogische Regel erfunden, dass man nicht mehr wie drei Teile zum Anprobieren in die Umkleidekabine mitnehmen darf????

Es ist doch allgemein bekannt, dass gerade die moderne,  multi-tasking Frau gezwungen ist, zehn Sachen gleichzeitig zu erledigen und absolut keine Zeit hat fuer solche Spiraenzchen. Was soll denn das? Man moechte doch am liebsten 40 Teile gleichzeitig (jedes in drei Groessen und vier verschiedenen Farben) mitnehmen, verbringt eine Stunde in der Kabine und voila! Ein Teil passt, sitzt und hat Luft – 39 Teile gehen zurueck! That’s it!

Nein, stattdessen zaehlt die siebzehnjaehrige Verkaeuferin drei Teile ab, reisst einem den restlichen Stapel vom Arm und man muss sich fuer drei Teile im Kaninchenstall ausziehen, stoesst dich die Knie und die Ellebogen an den Waenden, der halbhohe Spiegel im Duestern laesst einen nicht mal mehr erkennen, ob die Hose lila, dunkelbraun oder schwarz ist. Nach der zweiten Hose muss man den Vorhang aufreissen um nach Luft zu schnappen und hat schon die Nase voll vom Einkaufen.

Irgendwann habe ich entschieden, diese Strapaze zu lindern, indem ich einfach die grossen Warnschilder (nur 3 Teile!) ignoriere und mit neu entwickelter Arroganz und zwanzig Teilen auf dem Arm hohen Hauptes an der Verkaeferin vorbei marschiere, in den kleinen Stall hinein! Da soll mich mal jemand stoppen, wenn ich in den Krieg ziehe!

Also an diesem tristen Wintertag in der kleinen Boutiqe im Shopping Center Glenfield, die halbe Shop-Kollektion und ich im Kaninchenstall und  wider Erwarten passt das ein oder andere Teil auf meinen birnenfoermigen Body-Type. Frohen Mutes und mit einem zufriedenen Laecheln auf den altersbedignt etwas eingefallenen Lippen probiere ich ein Teil nach dem anderen an und stapele die Tops und Hosen auf dem Boden, die dazu ausgekoren sind, meinen alten Kleiderschrank mit neuem Stolz zu begluecken.  Happy, happy stehe ich ohne Luft zum Atmen und nur bekleidet mit Unterhose und BH im Stall, als mich ploetzlich und unerwartet eine droehnende Sirene in meiner bis dahin sehr heilsamen Retail-Therapie unterbricht. Ich sah mich fragend im verblichenen Spiegel an, hatte keine Ahnung was der Alarm bedeutete, beschloss aber instinktiv meine Modenschau zu beenden und mich wieder anzuziehen. Als ich keuchend den Vorhang der Kabine aufreisse, sehe ich noch gerade wie die asiatische Verkauferin die Geschaeftstuere von aussen abschliesst und das Rolltor runterlaesst.

In den Gaengen des ShoppingCenteres herrschte ein wildes Wundern, waehrend ich von innen an die Tuere klopfe und die Verkaeuferin sich genervt gezwungen fuehlt, die Tuere noch mal zu oeffnen. In hektischem und gebrochenem Englisch, fragt sie mich, was ich da noch mache und herrschsuechtig klaert sich mich auf, dass es sich um Feueralarm handelt, und jeder muss das Shoppingcenter sofort verlassen. Habe mich unter diesen Umstaenden natuerlich nicht getraut zu fragen, ob ich die drei passenen Teile von meinem „muss ich haben“-Stapel im Kaninchenstall noch schnell bezahlen darf. Schicksalsmaessig fand ich es sehr ungerecht, dass gerade dann jemand das Shoppingcenter anzuenden musste, wenn ich endlich mal was Schoenes zum Anziehen finde! Very bad timing!

Aber dann habe ich mir gesagt „Let it go!“ (was auch mein neues Motto fuer 2011 ist!) und bin von der uebrigen Menschenmenge zum Ausgang geschwemmt worden, habe mich im Parkhaus in mein Auto gesetzt und wollte nach Hause fahren.  Leider hatten die anderen 2000 Kunden die gleiche Idee und schon nach einer  Minute herrschte im Parkhaus ein ausgewachsenes Verkehrschaos. In der Ferne hoerte ich, wie sich die Feuerwehrsirenen naeherten, zu sehen war nichts, und vermutlich waere ich in meinem Auto verbrannt, wenn es ein echtes Feuer gewesen waere. Oder ich waere mit dem letzten Fashiondesign im Kaninchenstall gegart worden, wenn ich mich nicht in Windeseile angezogen haette. Nach zwei Stunden loeste sich der Stau im Parkhaus auf, immer noch kein Feuer oder Qualm in Sicht und ich fuhr unverrichteter Dinge, aber wiederum mit positiven Gedanken nach Hause. Geld gespart – Feuer-Inferno ueberlebt – Kleiderschrank vor Zusammenbruch gerettet – braves Maedchen!

 

Abends im Bett kam mir noch der Gedanke, ob man als Verkaeuferin nicht vielleicht einen Blick in die Kaninchenzuchtabteilung werfen sollte, bevor man sich selbst evakuiert. Und dann fragte ich mich, ob man das internationale Sirenensystem nicht verbessern koennte, so dass jeder gleich weiss, was los ist, anstatt erstmal nur Panik zu verbreiten und jeder fragt jeden, was das Signal bedeutet. Man koennte doch beruehmte Kuenstler mit schoenen Stimmen beauftragen, Katastophen-Mitteilungen auf ein Endlos-Band zu sprechen. Antonio Banderas koennte vor einer Feuersbrunst warnen, Brad Pitt vor einer Cholera Epedemie, Susan Boyle vor einem Erdbeben und Udo Lindenberg vor einer Ueberflutung. Bankueberfall, Vulkanausbruch, Orkan, Tsunami, Lebensmittelvergiftung, wildgewordene Voegel, entlaufene Raubtiere, kreisende Pleitegeier, Chinesische Invasion oder Sprengstoffattentat. Man will ja schliesslich wissen, wovor man sich retten muss und vielleicht hat man ja ein aufblasbares Boot, eine abgesaegte Schrotflinte, ein Chinesisches Woerterbuch oder einen Feuerloescher in der Handtasche.

Und da ich immer noch nicht schlafen konnte, bat ich den lieben Gott noch, den Umkleidekabinen-Designern eine kleine Eingebung zukommen zu lassen und schickte ihm telepathisch meine Liste: ein bisschen mehr Platz, etwas frische Luft, sommerliches Tageslicht, ein nicht erblindeter Ganz-Koerper-Spiegel, eine lange, stabile Kleiderstange, ein Paeckchen Erfrischungstuecher, eine Karaffe mit frischem Wasser, etwas Rosenduft, eine realistische Groessen-Vergleichstabelle aller Laender, eine passende Ablage fuer Handtasche und Schluesselbund und ein Schild: „Bitte alles auf einmal anprobieren!“. Und vielleicht eine Tuere oder ein Vorhang, die richtig schliessen, wenn’s recht ist…

Rueckblick 2010 – Pokahontas!

27 Dec

Personal Note: “I hope you enjoyed my personal highlights 2010 in English. Writing the German version is still easier and more “flowing” … Here is part one!

Teil 1 meiner persoenlichen Hoehepunkte aus 2010! Weitere folgen in Kuerze.

I never seem to run out of topics to write about, I just run out of time to do so! So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Im JUli bekam ich ein e-mail meiner weltreisenden Freundin Angelika ueber die Besessenheit zur Haarentfernung bei Amerikanischen Frauen, welches mich mal wieder inspiriert hat, ueber mein eigenes Leben nachzudenken.

Habe herzlich gelacht ueber Angelika’s “Gestruepp-Entfernungs-Theorie” und bin froh, dass ich zu alt, zu faul und zu arm bin fuer solche Spiraentzchen.

Bikini trage ich auch nicht mehr im Angesicht meines birnenfoermigen Body-Types (gemaess Trinny und Susannahs Buch: „The Body Shape Bible“). Liposuction kann ich mir nicht leisten und mit panischer Angst vor Schmerz kommen auch Botox (ist das nicht ein Nervengift aus dem Vietnam-Krieg?) und Bodylifting nicht in Frage.  Beim total Bodylifting wird in der Taille ein Rundumschnitt gemacht und die Haut wie eine Strumphose hochgezogen, wieder angenaeht und die Reste abgeschnitten. Aus diesem breiten Hautstreifen kann man alles moegliche machen, Roulladen, kuenstliche Lippen, neue Ohren  oder Ente im Speckmantel. Augenbrauen-Lift, Kinn-Implants und Brustvergroesserung kommen ebenfalls nicht in Frage! Somit zupfe ich mir, wenn noetig, selbst das ein oder andere Haar vom Kinn, rasiere bei schoenem Wetter unter den Armen und an den Beinen  – und das muss reichen!

Wie ein anstaendiges Maedchen (nicht wie Brittney Spears!) trage ich auch immer eine Unterhose (gross genug, um damit im Notfall ein Kaninchen zu fangen – man weiss ja nie!), Minirock ist aus Altersgruenden gestrichen, Tanga zu unbequem und durchsichtige Spitze, Selbstgehaekeltes oder transparente Seiden und Chiffons sind nicht mehr mein Stil und tragen sich nicht so gut ab einer gewissen Groesse – da faellt mir doch gerade Schwarzwaelder Schinken ein. Immer, wenn ich ernsthaft ready bin, Vegetarier zu werden, bekomme ich eine Heisshungerattacke auf Schwarzwaelder Schinken mit Graubrot, was natuerlich nicht so einfach zu finden ist in Neuseeland (aber nicht unmoeglich!)! Ist das noch normal oder gehoert das zur Midlife Crisis oder sind das psychosomatische Entzugserscheinungen fuer den Eventual-Fall?   

Erfolgreich haben wir (bei uns mitten im Winter) auch die Fussballweltmeisterschaft mit allen schlaflosen Naechten ueberstanden, und zur Abwechslung war es mal nicht das Hausdarlehen, das mich wach hielt, sondern das aufgeregte Gestoehne und Geschrei  meines fussball-besessenen Mannes aus der selbsschuss-gesicherten Middle-Earth-Zone in meinem Wohnzimmer. Seitdem geht es mir auch wieder etwas besser und was soll immer ueber die Weltwirtschaftskrise nachdenken, wenn der Erfolg von ganzen Fussballnationen auf dem Spiel steht? Habe vergeblich versucht, den wahrsagenden Octopus auf e-bay zu ersteigern. Haette ihn Bernd gerne zu Weihnachten geschenkt, damit er Freitagsabends schon weiss, ob es sich uebehaupt lohnt, Samstags frueh aufzustehen und zum Fussball zu gehen. Und wenn der Octopus mal luegt, kommt er in die Suppe! Man koennte ihn auch gut in der Dusche als Seifenhalter oder Massage-Maschine mit einer handgeschnitzten Wurzelbuerste an jedem Arm nutzen. Wie ich vor kurzem gehoert habe, ist der Octopus ploetzlich und unerwartet verstorben und ins grosse Nirwana des Fussballs uebergesiedelt.     

Mein  49. Geburtstag ging sang-und klanglos vorueber. Habe dieses Jahr niemanden eingeladen und hatte diesbezueglich auch keinen Stress, eine grosse Party zu organisieren. (Vermutlich ein weiteres Anzeichen von Midlife Crisis!) So konnte ich mal in Ruhe mein Auto putzen und in der Garage aufraeumen. Nach ueber 20 Jahren habe ich mir allerdings selbst eine Kaesesahnetorte (nach altem Familienrezept) zubereitet, deren Kalorien ich voller Genuss beim Fruehstueck, Mittagessen und Abendessen zu den „Lovehandles“ an meinen Hueften addiert habe.

Waehrend ich meine Kreditkarte bei der Bank in eine zinsguenstigere umgewandelt habe, erfuhr ich, dass ich in den letzten Jahren hunderte von  Punkten angesammelt hatte, von denen ich nichts wusste und die man in einem Elektronikshop einloesen kann. Selbstlos wie ich bin, habe ich diese zum Wohlsein meines heissgeliebten Ehemannes und zur Bereicherung seiner gesperrten Zone in einen neuen Flachbildschirm umgewandelt. Die Katze hat es schmerzhaft zur Kenntnis genommen, als sie, wie gewohnt, oben drauf springen wollte und erst im freien Flug gemerkt hat, dass da kein Landeplatz mehr fuer ihren achteinhalb Kilo schweren Astralkoerper ist.

Den einzigen Urlaub in den letzten Jahren, hatte ich in 2009, kurz vor Weihnachten heimlich gebucht, um meinen lieben Mann und noch lieberen Sohn unterm Weihnachtsbaum zu ueberraschen. Im Eifer des Weihnachts- und Sommerferien Stresses habe ich es dann total vergessen und den internet-gebuchten Gutschein Anfang Maerz  in einer Schublade wiedergefunden. Gluecklicherweise war die Buchung fuer das Wochenende 26./27. Maerz und somit noch gueltig.  Da Henry seit fast zehn Jahren versucht, seine „langweiligen“ Eltern zum Camping zu animieren, kam mir zur Zeit der Buchung ein Wochenende in einem Indianer-Tipi als die wahre Alternative vor. Wie gesagt, lange gebucht, dann vergessen, dann wiedergefunden und nach einiger Ueberlegung, da die finanzielle Lage zu diesem Zeitpunkt eigentlich keinen Urlaub zuliess, kurzerhand entschieden: Alles Quatsch – Jetzt wird gefahren. Gebucht ist gebucht!

Raglan, ein kleines Oertchen and der Westkueste, 50 km von Hamilton, ist gut in etwa 3 Stunden mit dem Auto zu erreichen.

Gesagt getan, Henry begeistert, Vater eher besorgt, ob seine Fussballmannschaft mal einen Samstag ohne ihn auskommt, Mutter im Stress, alles einzupacken, fuhren wir dann endlich mit meinem alten, vollbepackten Toyota Richtung Sueden.

Nach einer Zigarettenpause fuer Bernie gleich hinter Auckland in einem kleinen Ort, wo ich auf keinen Fall auf dem Rueckweg anhalten werde (und hoffentlich keine Autopanne habe), ging es weiter. Wunderschoene Landschaft, gruene Huegel, Millionen Schafe, abgasverseuchte Lastwagen vor und hinter uns,  und endlich erreichten wir die Huegel- und Buschlandschaft,  in dem unser Indianer-Familienzelt verborgen war.

Allerdings hatte man vergessen, mich darauf hinzuweisen, dass man das Zelt nur zu Fuss erreichen kann, etwa 1 km von der Rezeption und dem Parkplatz entfernt. Aber echte Indianer kennen keinen Schmerz und so machten wir uns auf den Weg. Ueber Stock und Stein, bergauf- und bergab zogen und schoben wir unsere  geraederten Koffer, Taschen, Kartons mit Lebenmitteln, Kleidung fuer jede Wetterlage, Henrys Spielzeugsortiment, sein Fahrrad, meine Literatursammlung und Malutensilien durch Matschpfuetzen, ueber Wurzeln, Schottersteine und vorbei an hoelzernen Wegweisern, die mir gluecklicherweise versichrten, dass wir immer noch auf dem richtigen Weg waren. Mit scheinbar dem letzten Atemzug und nach Verbrauch saemtlicher Kraftreserven, erreichten wir dann endlich die kleine Lichtung auf dem Huegel, wo unser Zelt mit vier anderen, aus dem Gebuesch herausragte.

Angenehm ueberrascht, ueber die frisch bezogenen Betten und die nicht funktionnierende Solarlampe, was das komplette Mobiliar eines Tipis darstellt, liess ich mich aufs Bett fallen und schnappte erstmal eine halbe Stunde nach Luft.  Henry war begeistert und Bernd machte sich doch gleich eine Friedenspfeife an.

Immerhin sah alles sehr romantisch aus, jedes Zelt mit entsprechendem Abstand in einem anderen Gebuesch versteckt und eine offene Gemeinschaftskueche in der Lichtung. Das selbstgebaute Humus-Klo a la Friedensreich Hundertwasser war dort, wo all die Fliegen kreisten. Da kamen Erinnerungen and das kleine Holzhaeuschen in unserem Garten hervor, als wir 1965 ohne Geld, von den Nachbarn aus geschichtlichen Gruenden gehasst und mit drei kleinen Kindern eine Ruine in Belgien bewohnten und uns den Po mit abgerissenen Zeitungsquadraten abputzen mussten. An einem kalten Winterabend auf dem Belgischen Holzbalken habe ich mir geschworen, was aus meinem Leben zu machen, um mir nie wieder den A… auf der Toilette abzufrieren. Und here wer are: 45 Jahre spaeter zahle ich noch $200 fuer das Erlebnis!

Selbst das Duschen mit eiskaltem Wasser kann man mit einer romantischen und offenen Weltsanschauung ueberleben (wenn man nur von Freitags bis Sonntags morgens bleibt). 

So verbrachte Bernd den Rest des Tages damit, durch Rauchen den Welfrieden zu sichern, ich stellte mir vor, wie man hier ueberlebt, wenn es erstmal in Stroemen regnet und Henry suchte Steine und Stoecke im Gebuesch oder bahnte sich eine BMX-Rennstrecke  vom Plumpsklo den Berg runter bis zu unserem Zelt. Wie echte Indianer!

Abends beim Kochen und Essen unter freiem Himmel lernten wir die netten alternativen anderen Indianer kennen, die aus allen moeglichen Laendern kamen  und die es gewohnt sind, sich nicht so haeufig zu waschen und nur mit einem Rucksack durch die Welt zu reisen und sich die Haare aus praktischen Gruenden in Straehnen zu verfilzen. Das macht einen mal wieder nachdenklich, ob man das alles braucht, was man so an Zivilisationsguetern angesammelt hat. Ich glaube jedenfalls nicht, dass sich einer unserer Rastazopf-Indianer-Kollegen nachts im Zelt hin-und herwaelzt und ueber die naechste Einkommensteuerzahlung nachdenkt… Die anderen Indianer brauchten auch nicht fuer das Zelt und das Plumpsklo zu bezahlen, weil sie als Volunteers helfen, aus leeren Weinflaschen, Stroh und Matsch rustikale Huetten zu bauen, damit solche Stadt-Indianer wie wir, dort mal ein „wildes Leben“ ausprobieren koennen. 

Vielleicht sollte man wirklich alles verkaufen und vogelfrei mit einem Rucksack und klebrigem Haar durch die Lande ziehen!

Alle waren sehr nett, so viel frische Luft und ein Glas Wein (zur Unterstuetzung der Weinflaschenbauwerke) unter freiem Himmel machen muede (jedenfalls die aelteren Indianer wie Bernd und mich) und mein llieber Mann fackelt ja da nicht lange, legt sich auf sein Bett und schlaeft tief und fest.

Damit wenigstens ein Erziehungsberechtigter im Stamm den Ueberblick behaelt, und trotz extremer Muedigkeit, musste ich dann versuchen, Henry davon abzuhalten, mit seinem Fahrrad und den selbsgebastelten Pfeilen in stockfinsterer Nacht auf die Jagd zu gehen. Henry ist ein zaeher Bursche und ihn spornt die frische Luft noch mehr an, so dass bei ihm der erste Anschein von Muedigkeit erst nach Mitternacht eintrat.

Dann ging alles sehr schnell, zwei Indianer schnarchen und ich lausche im Dunkeln auf jedes Zirpen, Rascheln, Grummeln, Trapsen und Gemuschel im Gebuesch. Dazu noch die Tatsache, dass das Tipi-Zelt (vermutlich aus Gruenden der umweltfreundlichen Entlueftung) in Hoehe des Bodens rundherum eine ca. 8cm breite offene Spalte hatte und ich mich nicht von der Ueberlegung befreien konnte, welche wilden Saeugetiere durch diese Ritze passen. Bekannt ist Neuseeland ja fuer sein ausgepraegtes Wildlife und die Plage von Possums (eine Mischung zwischen Katze und gen-manipuliertem Hamster mit Stupsnase, braunen Kulleraugen und Krallen wie ein Koalabaer…). Das war die Beschreibung meines abenteurlichen Mannes, der als einziger schon mal Auge um Auge, Zahn um Zahn  im Keller unseres ehemaligen Hauses auf einer Farm mit einem Possum „zu tun“ hatte. Die beiden hatten sich fuer einen Moment gegenseitig in die Augen gestarrt, und dann sind sie total erschrocken und schreiend in unterschiedliche Richtungen gefluechtet. Jedenfalls, nachts werden die Possums munter und suchen sich was zu beissen. Wie haette ich auch nur ein Auge schliessen koennen bei dem Gedanken, dass hunderte tollwuetige, ausgehungerte Possums um mein Zelt schleichen, und vielleicht meinen lieben Mann und noch lieberen Sohn zum Abendessen verspeisen wollen?

Hah!  Pokahontas war auf einer Mission! Kein wildes Biest wird das Eindringen in unser Indianer-Dasein ungestraft ueberleben. Im Geiste sah ich uns schon  zum Fruehstueck knusprige Possumschenkel ueberm offenen Feuer braten. Dann wurde mein imaginaeres Happy-End von allen moeglichen ueberdimensionalen Stechmuecken, Riesenheuschrecken und anderem Krabbelgetier unterbrochen. Immer noch begleitet von zufriedenem und nicht gerade leisem Schnarchen aus dem grossen und kleinen Indianerbett, kam ich mir vor wie ein Einzelkaempfer im Ueberlebenstraining. Je mehr man der Gefahr ins Auge blickt (oder auch nicht, wenn es stockfinster ist und die Solarlaterne streikt), um so groesser wird die Vorstellung von dem, was alles passieren koennte.

Was soll ich sagen? Als der erste Anhauch von Tageslicht im nicht nur unten sondern auch oben offenen Tipi ersichtlich wurde, war ich todmuede, aber erleichert das Ueberleben meines Stammes gesichert zu haben, und unter der eiskalten Dusche im zugigen Holzverschlag kam mir bei einer beginnenden Verstopfung mal wieder die Erkenntnis, dass ich doch mehr ein City-girl bin als ein Alternativ-Aussteiger. Werde doch nicht meine Porzellantoilette gegen ein Gebuesch aus Schlingpflanzen und ein zu Hause unterm Himmelszelt eintauschen!

In der zweiten Nacht, noch mehr verstopft und schwer wie ein Sack,  haette mich sogar ein wilder Baer anfallen oder meinen lieben Mann und noch lieberen Sohn zerfleischen koennen, denn in einem Ansturm von totaler Uebermuedung  war mir dann alles sch….egal – sogar als ich am naechsten Morgen die braune Riesenheuschrecke unter meiner Bettdecke gefunden habe. Kurzer Aufschrei, das wars!

Zum Heissluftballon Festival in Hamilton sind wir dann leider auch nicht gekommen, da Winnitou an solch kulturellen Ereignissen nicht besonders interessiert. Ausserdem hat er das ganze  Wochenende als fuer ihn autofahr-freie Epoche deklariert. Ich wollte mir daraufhin auch die Fahrerei im Dunkeln ersparen  und konnte dadurch vermutlich zum zweiten Mal die Ausrottung meiner gesamten Inidanerfamilie und 22 Possums durch extreme Nachtblindheit  und Totaluebermuedung verhindern.

Henry wird sich noch lange an sein Indianerleben im Busch erinnern, ich war froh, wieder auf meiner eigenen umweltunfreundlichen Klobrille zu sitzen, ohne kleingeschnetzelte Baumstaemme hinterher schuetten zu muessen (Wasserspuelung in der Toilette und heisses Wasser sind schon echter Luxus – man vergisst einfach zu schnell, wie gut es einem doch im taeglichen Leben geht). Und mein lieber Winnitou-Mann fand das Wochenende sehr entspannend!

Beate (Pokahontas)

Tipi - March 2010

Siechtum und Neues vom Ende der Welt – Maerz 2010

29 Aug

“Siechtum” ist ein interessantes Wort, das mir ein Bekannter aus Deutschland uebermittelt hat. Klingt gut! Glaube, dem bin ich auch anheimgefallen, allerdings mehr koerperlich und geistig. Entweder bin ich gemuetsmaessig in den Winterschlaf verfallen, obwohl es nun mitten im Sommer ist, oder es handelt sich um altersbedingte Zipperlein, Vitaminmangel, Artist-Blockade (wenn einem nix creatives mehr einfaellt) oder einfach nur die Erschoepfung und das taegliche Ankaempfen gegen einen maennlich ueberlegenen Testosteron Haushalt. Bis vor drei Wochen hatte ich noch einen 14-jaehrigen Franzosen namens Quentin in unsere Familie aufgenommen, der normallerweise auf  Wallis, einer franzoesischen Insel im Pacific, lebt. Henry und Quentin zusammen gaben mir einen guten Vorgeschmack auf das Leben mit Teenagern, das mir noch bevorsteht. Henry wird ja im July schon elf Jahre alt.

So schleppte ich mich mit den boys von Skatepark zu Skatepark, zum Stunt-Rad-Fahren, immer bewaffnet mit einer Kombination aus Erste-Hilfe- und Werkzeugkoffer, um bei jedem Unfall vorbereitet und bestens ausgeruestet zu sein. Abgeschuerfte Knie und Ellbogen, blutende, offene Wunden, blanke Knochen und abgesprungene Fahrradketten ist nun wie mein taegliches Brot!

Und dann musste ich auch noch mit Angeln gehen. Die Jungs haben sich Angeln  gebastelt und dan kam der grosse Tag. Um ehrlich zu sein, habe ich nur gehofft, dass sie nix fangen, da meine persoenliche und moralische Weltanschauung und meine eigene kleine, unsichtbare, innerliche Religion sowie die absolute Bewunderung fuer Ghandi und Mutter Teresa mir strengstens verbietet, Menschen und Tiere zu quaelen oder zu toeten!

Wenn ich selbst killen muesste, was ich esse, waere ich auf jeden Fall Vegetarier und wuerde mich damit begnuegen dem Apfelbaum sein Apfelbaby zu entreissen oder dem Salat den Kopf abzuschneiden, aber einen Fisch kaputt hauen oder den Kopf abschneiden und dann noch die Eingeweide rausreissen, erweckt in meiner kleinen sensiblen Kuenstlerseele aboslutes Graeuel und kommt einem Massaker gleich und wuerde mir mit Sicherheit den Apettit verderben.

Allerdings habe ich kein Problem, ins Fischgeschaeft zu gehen und mir unter hunderten von bereits ermordeten und schoen filetierten Fischtrophaeen die besten auszusuchen, um dann koeniglich und garniert mit frischem Basilikum und Lemon auf meinen viereckigen (Abwechslung braucht der Mensch!) Tellern zum Dinner zu servieren. Vielleicht ist es auch nicht die Religion, sondern nur, dass ich eigentlich ein City-girl bin, und das einzige, was ich normalerweise angele (Maenner ausgeschlossen, da jetzt zu alt dafuer!) sind Sonderangebote im Shopping Centre und Schnaeppchen im Second hand-Shop!

Soweit also zum Fishing und anderen maennlichen Aktivitaeten.

Computerproble ist auch weiterhin ein staendiges und unermuedliches Thema. Aber das scheint ja auch jeden zu treffen, so gibt mir das Hoffnung und moralische Unterstuetzung. Sehe mich selbst immer noch als Computerlaie obwohl ich schon seit 25 Jahren taeglich damit arbeite und sogar zwei Semester Informatik studiert habe, was ich dann aber wieder drangegeben habe, da sich mein, zu dieser Zeit (in den Achzigern) flamboyant und lebens-lustiger lifestyle nicht mit abgedunkelten, von der Aussenwelt abgeschnitten Raeumen, gruen flimmernden Bildschirmen und Fremdsprachen wie „Basic“ und „Cobol“ sowie das Konstruieren von komplizierten Flow-charts vereinbaren liess. Habe dann schnell auf allgemeine Betriebswirtschaft umgeschwenkt und bestaetigend festgestellt, dass der corporate life-style in Kostuem und high-heels als einzige Frau in einer maennerbesetzten Financial Controller World bei „Sony“, verbunden mit Reisen und Vortraegen halten, besser zu mir passte. Wobei die entsprechenden Manager aus meinem Zustaendigkeitsbereich mehr an meinen Beinen als an ihren monatlichen Wirtschaftszahlen interessiert zu sein schienen. Heute ist das ja nur noch ein verhallter Schrei oder ein romantischer Rueckblick auf mein erstes Leben als Karrierefrau, wenn diese Erinnerungen vor meinem geistigen Auge erscheinen, waehrend ich mit meinem Sohn nach Wuermern im Garten buddele, um sie dann auf Haken aufzuspiessen, in der Hoffnung dadurch noch mehr Tiere quaelen zu koennen.

Das erinnert mich an ein schoenes Lederkleid, abgesetzt mit echtem Schlangenleder und passenden Schuhe, die ich mal hatte…

Anyway…

 Wahrscheinlich ist die These, dass man so viele Charaktere hat wie Beziehungen hat, absolut richtig. Manchmal habe ich den Eindruck eine „gespaltene Persoenlichkeit“ zu sein. Und diese Persoenlichkeiten koennten nicht unterschiedlicher sein. Wie kann man sich sonst von blutueberstroemten Fischfingern, oelverschmierten Fahrradketten Reparatur-Haenden und Krankenschwester-Dasein (brauchte in den Schulferien mehr Antiseptic-Fluid zur Wunden-Ausspuelung als Olivenoel zum Kochen)  in eine Welt der Kunst und Poesie retten, von der der Rest der Familie nicht die leiseste Ahnung hat, dass es so eine Welt ueberhaupt gibt. Eine Welt der Philosophie, aus tiefster Seele Gedichte schreiben, kuenstlerische Phasen und creative Prozesse, die man ausleben muss, musikalische Inspiration als Medium, durchdachte Farbkompositsionen, art-theoretische Zusammenhaenge und das Konzept moderner Kunst in der metaphysikalischen Dimension der abstrakten Beobachtung….. Wie sagt man in Deutschland? „Perlen vor die S. Geschmissen“ (SORRY!)

 Soviel zu meinem top-secret Leben als „Kuenstler“.

 „Mama, wusstest Du schon, dass der beste Energie-Drink auf der ganzen Welt aus Guyana und Bullen-Molekuelen in Frankreich gemacht wird?“, reisst mich Henry aus meinem sentimentalen Rueckblick auf meine Jugend. Ich glaube, Quentin hatte versucht, Henry zu erklaeren, dass da Bullen-Samen ?!?) drin ist, kannte aber nicht das englische Wort und dachte sich „Molekuele“ ist ja so aehnlich und da waeren schliesslich auch „Chromosome“ drin, wie er Henry wohlwissend erklaerte. Da ich weiss, dass Henry von solchen Tatsachen absolut fasziniert ist und es nie erwarten kann, sein neues Wissen mit jedem in der Schule zu teilen, habe ich mich entschieden, ich lasse es bei der Molekuele-Theorie, Bulle hin oder her!

 Vor kurzem fragte mich ein detuscher Freund in seinem e-mail, was ich davon halte, fuer 1000 Jahre eingefroren und dann wieder aufgetaut zu werden.

Meine Antwort:“ Deine freudige 1000 Jahre Auftau-Theroie aus dem Gefrierschrank, kannst Du gerne fuer Dich alleine durchleben. Von meiner Seite aus: Nein Danke! Hast Du schon mal ein Steak gesehen oder gerochen , dass 13 Monate eingefroren war und man findet es ploetzlich wieder und taut es auf und will es essen, weil man nichts anderes im Kuehlschrank hat? Und der Gedanke, dass jemand nach 500 Jahren aus Versehen den Stecker rauszieht oder eine weltweite Sonnenverdunkelung die Nutzung von Solarenergie fuer Forschungsprojekte verhindert und keiner kann sich mehr daran erinnern, was da ueberhaupt eingefroren war….. “

 Das erinnert mich an eine wunderschoene vierwoechige Reise nach Griechenland mit meinem ersten Mann (ebenfalls in den Achtzigern….) bei deren Rueckreise ich in meiner Wohnung in Koeln feststellte, dass ich vor der Abreise noch schnell die Sicherungen abgestellt hatte. Irgendwie war zwischenzeitlich das vorher „Gefrorene“ wieder zum Leben erweckt und kam mir schon an der Eingangstuere entgegen. Nie hatten mich Nachbarn, (eins meiner Prinzipien ist, nie zu freundlich mit den Nachbarn werden, weil der Schuss kann nach hinten losgehen…) so traenenuebesrtoemt, eifrig und ueberschwenglich willkommen heissen, als an diesem Tag. Ich glaube sie ware absolut erleichtert, dass ich nur in Urlaub war und nicht schon seit vier Wochen tot in der Wohnung lag (dem Geruch nach zu urteilen). Hatte noch Glueck, dass man nicht meine Wohnung aufgebrochen und sie als Tatort fuer ein Massaker (die Blutlache bahnte sich gerade den Weg zur Eingangstuere) abgesperrt, alle Leute evakuiert, die Strasse von der Aussenwelt abgeriegelt und Koeln-Nippes als Katastrophengebiet erklaert hat. Moechte mal gerne wissen, was „Made“ (not made) in englisch heisst.

Apropos Microsoft – ich finde es ja toll, dass Bill Gates ein paar Millionen spendet, um alle Kinder in Afrika gegen alle Krankheiten impfen zu lassen. Hoffentlich hat er noch ein bisschen Geld uebrig, um ihnen was zu essen zu kaufen…..

Vielleicht nehme ich ihn auf in meine „religioese“ Sammlung von beeindruckenden Personen und er steht dann auf dem Gruppenbild zwischen Ghandi und Mutter Theresa, vor Nelson Mandela und gleich hinter Beethoven (Ich liebe den Mix von Kulturen und Charakteren) 

 Ach ja, und dann ist da noch mein lieber Mann. Nach zwanzig Jahren Zusammenleben muss man nur die Einstellung zu gewissen Dingen aendern, dann ist das Leben kein Problem. Und der Gedanke, es koennte schlimmer sein, ist praktisch zu meinem Ueberlebens-Motto geworden. Dass wir irgendwie nichts gemeinsam haben ( jetzt schickt er mir schon Gruesse via e-mail vom Sofa), und uns nicht ein einziges Mal im Monat auf einen gemeinsamen Fernsehsender einigen koennen (deshalb hab ich meinen eigenen Fernseher!), dass er den Sofa-Bereich im Wohnzimmer als seine durch Selbstschussanlage gesicherte Festung betrachtet und dass seine ueberdimensionale Energie sich auf die Arbeit und seine Karriere als Fussball-Star in der Altherrenmannschaft (wenn er das liest, laesst er sich vermutlich scheiden!) beschraenkt, ist wirklich kein Problem fuer mich.

Was soll auch diese romantische Vorstellung von einem Leben zu zweit, wenn erst mal die Kinder aus dem Haus sind und man sich noch was aus seinem (kurzen) Leben machen koennte? Davon abgesehen, werde ich als Rentner vermutlich sowieso von der sozialen Minimum Rente leben muessen (falls ich nicht vorher noch „entdeckt“ werde, Angelina Jolie eins meiner Bilder kauft  oder ich im Lotto gewinne), und dann kann ich mir kein Auto oder Fischfilet mehr leisten. Den schoenen Traum vom Reisen durch die Welt kann ich auch abhaken (mein Mann isst ja noch nicht mal Chinesisch, und so waere China das letzte Land, das er je besuchen wuerde, vielleicht auch weil mein Bruder dort lebt). In Mexico herrscht immer noch die Schweinepest und so gibt es in jedem Land der Erde Krankheiten, Leute oder Bazillen, die meinen lieben Mann davon abhalten, auch nur daran zu denken, irgendwohin zu reisen. Und wenn ich ehrlich bin, kann man das Geld (falls man es doch noch zu was bringt) ja auch sparen, damit die Kinder (in unserem Fall nur eins) es nach unserem Ableben sinnlos verprassen fuer die neuesten Computer games, i-phones, i-pods, i-tablets, i-ichweissnichtwas….

Hoffentlich ist „Jagen“ nicht „in“ in den naechsten Schulferien und ich finde mich bewaffnet mit einer Schrotflinte im Wald auf einem Hochsitz wieder um Wildschweine zu erlegen!

Obwohl ich mir vorstellen koennte, auf dem Hochsitz mit der Schrotflinte auf alles zu zielen, was sich bewegt und mal allen Agressionen freien lauf lassen, die sich seit der Geburt angestaut haben. Das waere ein schoenes Massaker! Und natuerlich trage ich ein rotes Seidentop und den handgestrickten Kashmirschal (dem tausende von Kaschmirs zum Opfer gefallen sind). Der aphrodisische Duft von Chanel No 5 (vielleicht erschien Coco das Rezept auch beim Jagen) erfuellt die Luft und macht mich so attraktiv, dass die Eber von alleine zu mir stroemen, und die Brumpftzeit ist eroeffnet! Eine ueberdimensionale handgearbeitete Seidenblume aus Indien koennte allerdings die Gefahr in sich bergen, meine Waldestarnung preiszugeben, was wiederum der Jagd im traditionellen Sinne eher hinderlich ist, und deshalb bleibt sie zu Hause in der Schublade.

Und wenn es mir gut gefaellt, bleibe ich fuer immer im Wald wohnen. Man braucht keine Flug-tickets, und kein Geld, um das Haus-Darlehen zu bezahlen. Ich  mache es mir dort gemuetlich, ich naehe kleine Gardinen und Sofakissen, bringe meinen Entsafter mit und dann dekoriere ich die Waende mit abstrakter Kunst. Ab und zu arbeite ich am Laptop und schreibe ueber meine Jagderfolge, zum Abendessen sammel ich die vitaminreichen Waldbeeren (oder Waldbaeren?), handgelesene Pilze (vielleicht findet man auch mal ein paar Trueffel ohne Trueffelschwein) und dazu eine proteinreiche Wildschweinkeule. Zum Nachtisch gibt es Brenesseltee und wilde Erdbeeren. Abgeschnitten von der Aussenwelt und in der freien Wildbahn koennte ich den Tag mit Yoga, Visualisation und Raeucherstaebchen beginnen.

Bis dahin und in diesem animalischen Waldheimchen-Sinne Waidfraus Heil !

Weihnachten 2009

29 Aug

Hier ein kleiner Ausschnitt aus meinem Weihnachtsleben:

Habe gerade ein Buch ueber die Anziehungskraft des Geldes gelesen. Jetzt weiss ich auch, weshalb ich noch zu nix gekommen bin. Man muss erst einen kleinen Haufen haben, dann kommt der Rest von ganz alleine. Habe es noch nicht geschafft, den kleinen Haufen anzusammeln, der den Rest attraktiv findet. Und Henry ist erst in dem Stadium, dass ich ihm erklaeren muss, dass man das Geld, das aus der Maschine (Geldautomat) kommt, erst mal verdienen und auf der Bank einzahlen muss! Ist fuer Kinder schwer zu verstehen, wenn die immer nur sehen, wie das Geld da raus kommt und nicht wie es da rein kommt….

Endlich bin ich hier mal zur Ruhe gekommen nach diesem hektischen Jahr und habe wieder Zeit zum philosophieren. Meine beiden homestay-girls aus Japan und Korea sind abgereist und jetzt erleben wir so tolle Sachen wie auf dem Sofa sitzen, Fernseh schauen, mit Drinks auf der Terasse sitzen, zum Abendessen grillen, die alte Katze „Mimi“ observieren (nicht die Katze grillen – of course!), oder am Strand im heissen Sand sitzen und Buecher ueber Wealth und Freiheit lesen, waehrend Henry mit seinem Bodyboard nach Australien schwimmt. Fuer mehr Spannung zeigt Henry uns an seinem neuen mini-laptop, was er schon alles kann (wie Musik downloaden, skypen mit seinem Freund etc.) und wenn ich es vor Spannung nicht mehr aushalten kann, setze ich mich an den Computer und mache die Buchfuehrung, mit der ich schon seit zweieinhalb Monaten im Rueckstand bin, um auszurechnen, wieviel Mehrwertstseuer ich ans hochheilige Finanzamt bezahlen darf (manchen Dingen kann man einfach nicht entkommen im Leben…).

Die tollen Geschenke, habe ich mir dieses Jahr (wie immer) selbst gekauft und das Geld (aus dem Automat) in Gartenmoebel investiert, damit ich mit meiner Flasche Baileys (die ich von Santa zu Weihnachten bekommen habe) koeniglich auf der Terrasse thronen kann! Die Katze findet die Moebel auch toll und wenn ich nicht auf meinem Thorn sitze, dann regiert die koenigliche Hoheit von Katze dort. Und naechstes Jahr bekommt dieses exzentrische Biest von mir eine goldene Krone! Sie findet auch den Weihnachtsbaum aus China toll, den ich in der Garage wieder gefunden habe und den wir fuer sie im Wohnzimmer aufgebaut und geschmueckt haben.

Da der Baum vom letzten Jahr (den ich um die Welt und den brasilianischen Regenwald zu retten, mit Wurzel gekauft hatte, um ihn dann jedes Jahr zu nutzen) aus unerklaerlichen Gruenden vertrocknet ist (technisch gesehen koennte es die Folge von Wassermangel sein), war die Chinesische Edeltanne aus dem Warehouse fuer dieses Jahr gut genug. Und wenn man sich ueberlegt, wie hunderte von kleinen Chinesen jede einzelne Plastiknadel in feinster Handarbeit drankkleben, ist es in gewisser Weise schon ein Kunstwerk, das man fuer spaetere Generationen erhalten muss… Jedefalls schaerft sich meine ueberdimensionale (ausgestreckt ca. 1.05m) schwarze Homestay-Katze nun jeden Abend daran die Krallen und ich muss in letzter Sekunde vom Sofa aufspringen um den Baum vor dem grossen Fall zu retten. Das wuerde ein Familiendrama erster Klasse ausloesen, da Bernd und Henry dieses Jahr die antiken silbernen Glaskugeln vom Uropa drangehaengt haben. (Diplomatischerweise hatte ich diese fuer die letzten 10 Jahre tief in einem Karton vergraben und in der Garage versteckt). Wie man sieht, gehen alte Deutsche Tradition und „Trautes Heim – Glueck allein“ hier Hand in Hand. Mimi ist das sch… egal und sie ignoriert saemtliche Warnungen. So sitze ich also friedlich und weihnachtlich erfuellt vorm Fernseher mit einem Auge auf die Sendung ueber die alten Agypter, mit dem anderen Auge auf die alte Katze unterm Baum, deren Vorfahren wahrscheinlich auch schon an die Pyramiden gepinkelt haben, und von Zeit zu Zeit springe ich auf wie ein Kamikaze Krieger mit Samurai Schwert, um in letzter Sekunde die Katastrophe zu verhindern!

Henry, den Santa Claus mit seinem neuen Laptop nun voll in die Future gebeamt hat, kommt alle zwei Stunden aus seinem Techno-Labor geschossen (was bis zum 24.12. sein Kinderzimmer war) und erklaert mir seine neuesten Errungenschaften aus Cyberspace. Dann wird der Drucker wie von Geisterhand ueber Infrarot gesteuert und ich soll mir nun Skype installieren, damit ich mich mal richtig mit meinem Sohn unterhalten und ihn dabei ueber Computer-Kamera sehen kann. Wobei ich lieber die gute alte Methode anwende, die Kinderzimmertuere aufreisse und ihm meine Meinung sage – von Angesicht zu Angesicht! Das fehlt mir noch, dass ich jetzt in voller Montur, geminkt und mit hair-do vor dem Computer sitzen soll, falls mich jemand anskyped! Nein danke! Es gibt technische Errungenschaften, die muss ich nicht haben und ich liebe es, unfrisiert, mit verschmiertem Make-up und in meinem alten Nachthemd, das mein Mann als “Sack” bezeichnet, vor dem Computer zu sitzen. Ausserdem kann man beim Schreiben noch verbessern, was man geschrieben hat, wenn ein Wort erstmal die Lippen verlassen hat, ist es fuer alle Zeit zu spaet und wie man ja weiss, kann ein Wort Kriege ausloesen!

Aber Technik hat auch seine Vorteile. Wenn ich meinen Zehnjaehrigen jetzt zum Dinner rufe, habe ich all diese neuen modernen options: ich kann ihm ein e-mail schicken (mit Photo vom Abendessen) oder ueber Bluetooth eine Nachricht zukommen lassen, koennte ihn ueber Skype anbeepen und das Menue mit der Kamera filmen, ich kann ihn ueber seine website kontaktieren, einen song schreiben, so dass er ihn von i-tunes kaufen kann, ich kann ihm von meiner website einen newsletter schicken oder ueber youtube ein movie veroeffentlichen, wie ich das Essen gekocht habe, ich koennte ihm das Menue ueber Twitter und Facebook zukommen lassen, eine Einladungskarte ueber JibJab senden, kann ihm eine Textmessage auf sein Phone schicken, meine Stimme in einen neuen Rington zum downloaden umwandeln oder………. wieder die gute alte Zimmertuere aufreissen und schreien: „Essen ist fertig!!!“ Wobei mir die letzte Methode die sympathischste ist, weil die auch bei Stromausfall funktioniert. Flaschenpost ist auch nicht so verkehrt, dauert nur etwas laenger, da wird das Essen kalt!

Vor Weihnachten hatte ich noch schnell die Moebel im Haus umgestellt, teilweise auf Trade Me (wie in Deutschland e-bay) verkauft und neue (gebrauchte) gekauft, was eine Manie aus meiner fruehesten Jugend ist. Wenn sich Unzufriedenheit und Frust einschleichen, dann male ich die Waende an, kaufe neue Moebel, haenge neue Bilder auf, und alles ist wieder gut. Man koennte sich nun streiten, ob das besser ist als Therapie, aber mit Sicherheit schoener! Dafuer bekommt Bernd naechstes Jahr ein Gartenhaeuschen! Dann kann er aus der Garage ausziehen (nicht er persoenlich, aber sein Material und Werkzeug und die alten Kartons aus seinem ehemaligen Buero in Deutschland) und dann uebernehme ich mit meinem einnehmenden Wesen und dem ganzen Inventar aus meinem Studio (ca. 300sqm) die Doppelgarage (ca. 40sqm)!

Vielleicht hat Henry bis dahin im Internet rausfegunden, wie man Sachen schrumpfen kann! Soviel zum neuen Jahr und meiner Karriere als Kuenstler! Vielleicht findet Henry auch noch raus, wie man Leute unsichtbar macht oder die Stimme beim Sprechen ausschaltet. Irgendwie habe ich hier den Hang, mich immer wieder ins Fettnaepfchen zu setzen, wenn ich mich unterhalte. (Erinnert mich sehr an meinen Vater). Hier ist man nicht gewohnt, dass Leute sagen, was sie denken, oder dass man ausspricht, dass das Leben nicht immer nur positiv und wonderful ist oder dass man einem versucht zu helfen, wenn man sagt, was man wirklich denkt… Na ja, muss ich noch dran arbeiten, an diesen zwischenmenschlichen Beziehungen oder vielleicht sollte ich mich auch auf anonyme e-mails und abgekuerzte text-messages beschraenken oder mal ein Jahr des Schweigens einlegen.

Die einzige, mit der ich (fast) keine Kommunikationsprobleme habe (ausser dass sie mich ignoriert, wenn ich mit ihr schimpfe) ist die alte Lady von Koenigliche Hoheit Mimi Katze. Wir verstehen uns normalerweise wunderbar. Morgens um 6 Uhr geb ich ihr Futter, um 8 Uhr kriegt sie frisches Wasser aus dem Wasserhahn und dafuer legt mir Madam einmal im Jahr einen toten Vogel neben den Schreibtisch (meistens zuckt der noch, was meinen Horror und ihren Stolz gegen Unendlich steigert). Wenn sie nicht angefasst werden will, kratzt und beissst sie, wenn sie im Mittelpunkt stehen will, trampelt sie auf meine Tastatur oder legt sich mitten auf meine Steuerunterlagen und wenn sie ihre Ruhe will, versteckt sie sich in meinem Gemuesegarten (wo leider schon lange kein Gemuese mehr waechst, weil das Unkraut jeden Hauch von organic living im Keim erstickt hat!). Wenn ich das billige Futter aus dem Supermarkt kaufe, spricht Mimi drei Tage nicht mit mir und wenn ich nochmal wiederkomme, auf jeden Fall auch als Katze!!!!

So viel zum Leben auf der einsamen Insel und Erholungsstufe I in den Sommerferien…