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16.) Kunst-Studium…!

21 Oct

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  30. November 1999

Am Sonntag musste ich meinen lieben Mann eine Stunde dazu ueberreden, mit uns eine Kunstausstellung zu besuchen. Man will sich ja schliesslich nicht den kulturellen Ereignissen verschliessen in der neuen Heimat. Etwa 15 km von hier gibt es eine Kunstschule, die regelmaessig mit einer Ausstellung (Tag der offenen Tuer) wirbt und dass ihr Kunststudium jetzt ofiziell anerkannt wird. Seit Wochen habe ich die ausgeschnittene Annonce am Kuehlschrank haengen, damit ich dieses Ereignis nicht verpasse, welches vielleicht meine gesamte zukuenftige „Karriere“ beeinflussen koennte. Bernd konnte ich nur damit koedern, dass er im Gegenzug morgens lange schlafen kann. Als wir dann endlich am fruehen Nachmittag alles inklusive Kind und Kegel und Kinderwagen eingepackt hatten, hoerte es sogar fuer einen Moment auf zu regnen und wir fuhren los. Erst auf der Schnellstrasse Richtung Norden, dann bis zu einem grossen Hinweisschild „ Art-and Craft School“. Wenn man das Schild sieht, ist es auch schon zu spaet zum Bremsen, sonst hat man mindestens zwei Fahrzeuge hinter sich im Kofferraum verknotet. Also weiter bis zur nachsten Wendegelegenheit, eine halbe Stunde warten bis die Strasse frei ist und dann wieder in die andere Richtung. Kurze Vollbremsung vor der Einfahrt und weiter geht es durch den Matsch. Das ganze Gelaende besteht aus Busch, Farn, Palmen, Schlingpflanzen, Moos, Gras, Wald und Wiesen. Auf einem einspurigen Schotterweg faehrt man bis zu einer voellig unbefestigten Bruecke ueber einem reissenden Fluss und dann weiter den Berg hinauf ins Niemandsland.

Und siehe da, mitten im Gebuesch befinden sich zwei Bretterbuden, an denen granz gross die Kunstausstellung angepriesen wird. Ist bestimmt eine kuenstlerische Herausforderung, die Werke in Bezug zur Natur zu repraesentieren. Hatte mir gestern fuer $19.95 eine paar neue Schuhe (schwarz, offen, hoher Absatz) gekauft, die ich heute zur Feier des Tages einweihte (besser gesagt: einweichte). Nachdem wir den schlafenden Henry mit seinem Kindersitz aus dem Auto geschaelt haben und ein Platzregen auf uns nieder ging, mussten wir den Schotterweg unter Lebensgefahr (wegen meiner neuen hohen Schuhe) wieder ein Stueck hinunter laufen.

In der ersten Bretterbude hingen sie nun, die lang angepriesenen Kunstwerke: Oil on Canvas, Acrylic on board, Pottery, Skulpturen, Schmuckdesign,  Holz- und Tonfiguren, Collagen und mondaene Drahtgebilde. Am Eingang drueckte man uns eine Nummern- und Kuenstlerliste mit Preisangaben in die Hand.  Mit dem Gedanken im Hintergrund, hier vielleicht ein Kunststudium zu absolvieren, beaeugte ich kritisch die einzelnen Werke.  Manche erinnerten and die Malerei  wildgewordene Kindergartenkinder, denen mittten im Malen die Farbe ausging, die Tonwerke haeetten meines Erachtens ebenfalls abstrakte Studien aus dem Kindergarten sein koennen, die von den Kleinen mit ein paar gekonnten Patschehaendchengriffen erzeugt wurden. Den Slulpturen aus Stein war ihre Intention weder zu entlocken noch mit viel Phantasie zu erahnen. Die Muehe, die Kunstwerke zu interpretieren hat sich nur Henry gemacht, der zwischenzeitlich aufwachte und interessiert aus dem Kinderwagen schaute. Dann hat er mal laut in die Runde gegaehnt, einen eleganten Pupser abgeschickt und weitergeschlafen. Das einzige Stuedck in der Schmuckvirtrine, das mich tatsaechlich beeindruckte, war ein Metallring, auf dem zur Verzierung ein nach vorne und hinten stark ausgepraegter nagelaehnlicher Pfeil aufgeschweisst war. Und, man glaubt es kaum, auch noch einer, der nach oben zeigt. Dieser Ring hatte etwas Besonderes und etwas Praktisches. Er schuetzt vor Vampiren und Triebtaetern, man koennte damit feindliche Autoreifen zerstechen, Milchdosen oeffnen, einaeugigen Banditen das zweite Auge ausstechen oder kleine  Sushi Haeppchen servieren. Da habe ich natuerlich mal schnell auf die Preisliste geschielt, aber leider stand dort nur  „nfs“. Ich schloss daraus, „not for sale“  und verliess enttaeuscht die Ausstellungsbude. In die Zweite wollte Bernd schon nicht mehr mit hinein (Kulturbanause!) und blieb mit Henry im Wald stehen, um eine Zigarette zu Rauchen.  Also ging ich alleine weiter und waere in der Huette um ein Haar mit meinen High Heels in einer Pfuetze ausgerutscht. Es regnete an mehreren Stellen durch und die Erfindung des Eimers ist noch nicht bis hier gedrungen (oder Eimer werden hier fuer „andere Geschaefte“ gebraucht). Haette mir fast im Namen der Kunst den Hals gebrochen, ist aber gerade nochmal gut gegangen. Doch dann hat mir die Collage einer Kuenstlerin besonders imponiert. Sie hatte vermutlich aus dem Nachlass ihrer Grossmutter drei Handtaschen gewaehlt und diese fein saeuberlich in Reih und Glied auf einer grossen Holzplatte befestigt, das gesamte Werk weiss angepinselt und fertig! Die Idee koennte mich inspirieren und zu weiteren Mixed Media Collagen anregen (drei weisse Tarantulas auf Holzbrett…)

 

Hoeflicherweise haben Bernd und ich die kuenstlerische Diskussion erst bei der Rueckkehr zum Auto gestartet (man weiss ja nie, ob einer Deutsch versteht) und waren uns einig: Uns fehlt einfach das Vestaendnis und die tiefere Empfindungsfaehigkeit fuer diese moderne Kunst und ihre Auslaeufer. Natuerlich sind das nur rein subjektive Ansichten, und als absoluter Fan von abstrakter Kunst und in Anbetracht einer geplanten, ernsthaften Karriere als Kuenstler, erlaube ich mir diese persoenliche Bewertung.  Und dann war ich mir nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee ist, dort (im Gebuesch) ein dreijaehriges Kunststudium (bei Regen in der Bretterbude) zu absolvieren. Aber vielleicht koennte ich damit im Ausland gross auftrumpfen: „Dreijaehriges Kunststudium in Neuseeland bei Professor Bush and his hungry Forest-students“.  Vielleicht koennte ich sogar mein Baby zu den „Vorlesungen unter erschwerten Bedingungen und unter Einsatz meines Lebens (gemein-gefaehrliche Schuhe!)“ mirbringen. Und wenn er da schreit, schiebe ich ihn einfach tiefer ins Gebuesch und keiner merkt es. Stelle mir vor, wie meine Objekte aus alten Schuhen, leeren Nagellackflaschen, getrockneten Fischkoedern und Bernds leeren Coladosen in Berlin, Muenchen und Leipzig von der Fachwelt bestaunt und von Kunstsammlern hoch bezahlt werden. Zur Kroenung meiner Popularitaet und zur Steigerung meines Millioneneinkommens fielen mir bestimmt noch weitere hochkomplizierte Installationan aus Kupferfitttings, Strandgut und Kaesehaeppchen ein, so dass den abstrakten Kunstkritikern Hoeren und Sehen verginge. Weltweit verteilten sich meine Werke in allen namhaften Museen und ein paar wuerde ich fuer den einen oder anderen guten Zweck spenden (Haifische in Not oder gequaalte Seepferdchen). Waere eine ernste Ueberlegung wert, das mit dem ofiziell anerkannten Studium. Muesste allerdings vorher in festes Schuhwerk oder Gummistiefel und wasserdichte Kleidung investieren…

Muss ich mal drueber schlafen….

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn

 

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Henry 2008 (9 Jahre alt)

16 Oct

Personal Note: “While I am still preparing the ‘De-clutter Your Wardrobe’ post, here are some more funny sayings (in German) from Henry, when he was younger. 

During the last five days I had to de-clutter, reorganize and clean up my studio for the first Kids Art & Craft Workshop ‘Getting ready for Christmas’,  which starts on Tuesday.

So, stay tuned and have a wonderful and happy  day!”   Beate 

 

Henry 2008 (9 Jahre alt)

Henry: „Ich mag John Cena (den Wrestler) am liebsten. Aber ich mag nicht seine Armee-Kleidung und sein Gesicht. Aber ich mag seine Halskette. Die Bling-Bling-Kette ist so cool und Du kannst sie fuer $16 bei K-Mart kaufen!“

5.6.2008 (seit Wrestling, das „grosse Ding“ unter den Jungs in der Schule ist)

 

Henry: „Hey girls, beim Tae Kwon Do durfte ich heute die Penis-Protektion anziehen. Das war so cool!“

13.5.2008 (stolze Berichterstattung nach Tae Kwon Do im Auto mit unseren homestay girls Eiko (16, aus Japan) und Alice (11, aus Korea), die sich gegenseitig fragend ansehen…)

 

Henry: „Mama, ich moechte soooooooo doll beruehmt sein.“

Mama: „Warum denn?“

Henry: „Dann koennte ich fuer $100 nach Wellington fliegen!“

6.8.2008 (waehrend wir ueber beruehmte Leute sprechen…)

Henry 2007 (8 Jahre alt)

5 Oct

Henry: „Ich bin allergisch gegen Pinguine!“

Mama: „Woher weisst Du das denn?“

Henry: „Wenn ich einen esse, sterbe ich!“

27.8.2007 (beim Gespraech ueber verschiedene Allergien)

 

Henry: „Katzen sind de zweitbeste Erfindung auf der Welt! Weil, die sind schnell, der Kopf ist schoen und die erstbeste Erfindung ist der Mensch!“

Mama: „Woher weisst Du das?“

Henry: „Hast Du mir doch selbst erzaehlt, Mama!“ – (?!?)

7.4.2007 (abends im Bett)

 

 

Henry: „Auf den Kopf muss man gut aufpassen! Da ist das Gehirn drin, der wichtigste Koerperteil am Mensch. Un der zweitwichtigste ist der Pimpelmann. Weil, wenn der ab ist, kann man nicht mehr Pipi machen!“

24.4.2007 (abends im Badezimmer)

 

Henry: „Mama, kannst Du mir mal bitte den Pflaumenbert geben?“

24.6.2007 (morgens bem Fruehstueck – gemeint ist: Camembert!)

 

Henry: „Mama, aus der Wunde kommt Kamelsauce raus!“

23.1.2007 (beim Verbinden einer kleinen Wunde – gemeint ist: Eiter!)

 

Henry: „Ich weiss genau, wieviele Einwohner Antarktika hat!“

Mama: „Wieviele denn?“

Henry:“ Acht!“

Mama: „Acht? Woher weisst Du dass denn?“

Henry: „Santa Claus und die sieben Zwerge“

9.8.2007 (am Dinner table waehrend einer Diskussion mit unseren homestay girls Risa )Japan) und Jade (Korea) ueber die Einwohnerzahlen von verschiedenen Laendern)

 

Henry: „Wenn ich gross bin, moechte ich ein Chromiker sein!“

Mama:“ Was macht denn ein Chromiker?“

Henry: „Das ist einer, der alles so aus Chrom im Ofen backt!“

13.9.2007 (beim Gespraech ueber verschiedene Berufe)

 

Henry: „Mama, wusstest Du, dass Gott hat seinen Geburtstag jede Sekunde?“

9.6.2007 (vor dem Schlafengehen)

 

Henry: „Mama, was ist passiert?“

Mama: „Deine Tante und ihr Freund haben sich getrennt.“

Henry: „Ich glaube, die brauchen mal eine Darmspuelung!“

28.11.2007 (nach einem Telefonat zwischen Mama und ihrer Schwester. Am Abend zuvor hat Henry einen Ausschnitt ueber die heilende Wirkung von Darmspuelungen im Fernsehen gesehen )

 

Personal Note: “I hope, you enjoy my Blog with a variety of topics close to my heart.  I  added new top pages about INTERIORS and HEALTHY LIVING,  links to my art website / art newsletters (Blogroll) and INTERESTING  LINKS to other websites I love.   

In my up-coming posts I will talk  about de-cluttering your space, wardrobe organisation and some related, easy to follow craft projects. So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Henry 2006 (7 Jahre alt)

21 Sep

 „Mama, hattest Du auch blonde Haare, als Du ein kleiner Junge warst?“

 7.1.2006 (morgens im Badezimmer)

 
„Die Heissigkeit geht in den Kopf durch die Loecher von den Haarwurzeln und dann kriegt man Kopfschmerzen, die ganz doll stechen. – Das passiert, wenn man ohne Muetze in die Sonne geht!“

 28.10.2006 (nachdem Mama ihm gesagt hat, sie habe Kopfschmerzen, aber hat keine Ahnung, wovon)

 

„Kleiderumbiene“ – anstatt Umkleidekabine

  14.1.2006 (im Einkaufszentrum)

 

 

„Mama, essen die in Turkey immer Turkey?“

 18.8.2006 (beim Abendessen)

 
 

„Man braucht ein bisschen Fun im Leben! – wie Bill Gates! Der sitzt da in seinem Schaukelstuhl, relaxed, kuckt das Geld an und hat Fun!“

 2.1.2006 (vorm Schlafengehen)

 

„Mama, wusstest Du schon, dass die Wuermer Umschmutzungswelt essen?“

9.10.2006 (beim Graben im Gemuesegarten)

Henry 2004 (5 Jahre alt)

17 Sep

 „Mama, fuehl mal an meinem Bein. Da wachsen Stacheln wie bei Papa“ 

24.11.2004 (abends im Badezimmer

 

„Joshua ist nicht mehr mein Freund!“  

Mama: „Warum denn?“  

Henry: „Der hat gesagt, er will die Sophie heiraten, aber ich heirate die!“  

25.11.2004 (nach der Schule)  

   

„Mama, bist Du krank?“  

Mama: „Nein, ich ueberlege was. Wir muessen etwas erfinden, was nicht zu teuer ist und das jeder braucht.“  

Henry: „Eine Ruehrei-Maschine!“ 

17.1.2004 (wie aus der Pistole geschossen…)

14.) Eine Busfahrt, die ist lustig…!

16 Sep

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  27. November 1999

Ein weiteres Semester meines Muffin-Heim-Studiums nimmt seinen Lauf. Dieses mal habe ich das Rezept mit Avocado, Mais und Camembert ausprobiert. Sind total lecker, habe die Haelfte der Muffins schon gegessen und den Rest fuer meine Schwester eingefroren, die uns bald besuchen kommt.

Nachdem ich alle Waesche sortiert, die Voegel auf der Terrasse beobachtet, und die gestreiften Sofakissen aufgeschuettelt  habe, durchwuehlte ich die Schublade im Wohnzimmerschrank und fand ueberraschend einen zerfledderten Busfahrplan. Wenn das kein Zeichen aus dem Universum ist… Und tatsaechlich -wenn ich als ehemalige Betriebswirtin und Karrierefrau die Tabelle richtig deute- haelt einmal pro Stunde ein Bus unten am Bushaeuschen. Fest davon ueberzeugt, es handelt sich um Vorsehung, habe ich mein Baby geschnappt, in den Kinderwagen verfrachtet, die uebrige Mutter-mit-Kind-Ueberlebensausruestung in den Wagen geschleudert  und schwupp – zur Haustuere hinaus.

That’s my kind of day! Vor lauter Abenteuerlust habe ich den Fahrplan auf dem Esstisch liegen lassen. Nur 25 Minuten Strassenueberquerung spaeter und gerade an besagter Haltestelle angekommen, haelt auch schon der lang ersehnte Bus, der uns in die Freiheit befoerdern soll.  Zum lachhaften Preis von $1.10 wollte der mindestens zwei Meter grosse Busfahrer gerne das Burgfraeulein und ihr Ritter-Baby mitnehmen, hat jedoch gleich mit seinem geschulten Auge abgeschaetzt, dass unser Kinderwagen nicht durch die Vordertuere passt. Hilfsbereit und wie ein echter Kavalier sprang er auf, signalisierte mir, ich solle hinten einsteigen und kam von innen zur Hilfe. Die Idee war gut!

Aber leider war unser super-deutscher Marken-Qualitaetskinderwagen aus dem Baby-Fachgeschaeft zu breit (oder der Bus zu eng). Es lag weniger an der Breite der Tuere als an dem aus Sicherheitsgruenden angebrachten halbhohen Metallbuegel, der die Tueroeffnung in zwei gleichgrosse Teile teilte. Meine koenigliche Babykutsche wollte weder links noch rechts daran vorbeipassen. Da beschloss der grosse, starke Baer von einem Busfahrer kurzerhand und ohne meine Zustimmung einzuholen, den gesamten Wagen mit allem Gepaeck einschliesslich Kind ueber den Mittelgriff zu heben. Der Mann hat geschnaubt, geroechelt, gequalmt, nochmal tief Luft geholt und mit einem kurzen, lauten Aufschrei die ganze Einheit in die Luft gestemmt. Ungluecklicherweise verhakte sich der Kinderwagengriff in einem kleinen Vorbau am Dach des Busses. Ich war viel zu klein und versteinert, um zu helfen. Habe keine Ahnung, was der grosse Baer dachte, aber mit einem lauten Aechzen, einem weiteren Aufschrei und einem powervollen Ruck, maneuvrierte er meinen dicken Wagen samt Henry in abenteuerlicher Schraeglage und unter den bewundernden Blicken der uebrigen zwei Passagiere in den Bus hinein. In einem Amerikanischen Movie, waere das die Stelle, wo alle klatschen. Aber wir sind ja nicht in Amerika! Gott sei Dank. Ich war ueberzeugt, der Busfahrer war gleichzeitig noch Hobby-Gewichtheber oder Hammerwerfer in der Nationalmannschaft. Mir war die ganze Situation sehr peinlich (dachte blitzartig an  meine Karriere, die ich fuer Kind, Land und Leute aufgegeben hatte) und bedankte mich sehr herzlich in gebrochenem Englisch bei dem schwitzenden Red Bull fuer seine ueberdimensionalen Kraefte. Ich vermute allerdings, wenn er uns nochmal am Bushaeuschen sieht, gibt er Vollgas und saust davon.

Immerhin waren wir schon mal drin, im Bus, und ich konnte auf dem Weg nach Orewa in Ruhe darueber nachdenken, wie ich wieder aus dem Bus herauskomme. Henry hat einmal tierisch gelacht und dann waren wir auch schon am Ziel angekommen. Bevor ich mir selbst die Frage nach dem weiteren Vorgehen beantworten konnte, war Superman schon auf seinem Weg um Rittersfrau mit Kind zu retten. Vermutlich noch ein wenig erschoepft, da die Busfahrt von Hatfields Beach nach Orewa nur 5 Minuten dauert, zerrte er am Kinderwagen, bevor ich mich ueberhaupt vom Sitz erheben konnte. Wieder versuchte er den Wagen mit Kind und Kegel unter lautem Aufschrei in die Luft zu stemmen,  als seine Abloesung, ein kleiner, duenner, aber frischer Busfahrer zur Hilfe eilte. Dann haben beide mit vereinten Kraeften und im Schnellverfahren (Bus hatte vermutlich schon Verspaetung) am Kinderwagen gerissen, gezogen und gebogen, der Grosse oben, der  Kleine unten. Wenn sich Henry-Baby nicht mit seinen winzigen Faeustchen im Innenpolster des Kinderwagens festgekrallt haette, waere er im hohen Bogen rausgeflogen und auf dem Dach des Bushaeuschens gelandet. Ist aber alles nochmal gutgegangen. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken, dass ich diese Prozedur noch zweimal auf dem Heimweg durchmachen soll. Zu Fuss nach Hause gehen stand ja wegen Nichtvorhandenseins eines kinderwagenfreundlichen Fussweges ausser Debatte.

Um einer ausgepraegten Panikattacke vorzubeugen und meine Nerven zu beruhigen, gingen wir erstmal in die Stadtbuecherei. Dort fand ich zwischen den Infoblaettern einen neuen Busfahrplan (alles Vorsehung). Waehrend ich in den Heilung-durch-Selbsthypnose-Buechern stoeberte, hat Henry ein kleines Nickerchen gemacht. Ist auch gut so, denn in der Buecherei ist alles sehr friedlich und andaechtig. Schreiende Kinder sind auch in Neuseelaendischen Buechereien nicht sehr beliebt.  Beim Einkauf im Supermarkt war ich zurueckhaltend und habe mich auf das Noetigste beschraenkt, um die Umstaende meiner Heimreise nicht zu erschweren. Wenn ich alle Zutaten gekauft haette, die ich fuer mein naechstes Muffin-Rezept brauche, muesste Arnold Schwarzenegger den Bus fahren.

Nach ein paar Atemuebungen und um den Rest des sonnigen Nachmittages zu nutzen, haben wir uns mit einem kleinen Lunch am wunderschoenen Strand von Orewa niedergelassen. Waehrend ich so den Horizont beobachte, kommt mir die rettende Idee!

Bevor der Bus kommt, baue ich an der Haltestelle den Kinderwagen  auseinander, klappe die beiden Teile zusammen und steige einfach so, mit separatem Ober- und Unterteil, einem dicken Baby, dem Gepaeck zum Ueberlebenstraining und den Tueten mit dem Noetigsten vom Supermarkt in den Bus hinein. Wieso war ich nicht frueher drauf gekommen?

Also zurueck zur Bushaltestelle, das ganze Gepaeck auf dem Buergersteig verteilt, den Wagen (mit Baby unterm Arm) auseinander gebaut, die Einzelteile zusammengeklappt, schon etwas ausser Aten, …da verwickelt mich ein altes Muetterchen (sehr klein und stark geschminkt)  in das uebliche Gespraech. „How old is the Baby? – boy or girl?“  (sieht man das denn noch immer nicht?). Nachdem ich schwitzend und atemlos alle Fragen zu ihrer Zufriedenheit beantwortet habe, erlaubte ich mir eine Gegenfrage: „Is this the bus to Hatfields Beach?“  Sie schaute mich ganz verdutzt an und versuchte mir in extrem langsamen Redefluss (speziell entwickelt fuer die Unterhaltung mit Auslaendern) zu erklaeren, dass Hatfields Beach in der anderen Richtung liegt und deutete auf den Huegel am noerdlichen Ortsausgang.  Und sie hatte Recht – ich war an der falschen Bushaltestelle! Kann mich einfach noch nicht an diese „falschen Strassenseiten“ gewoehnen. Also habe ich alles wieder auseinandergefaltet (mit Baby auf dem Arm), die Teile zusammengebaut, das Sturmgepaeck, die Supermarkttueten und das Kind im Wagen verstaut und bin um die Ecke gerannt, zur anderen Bushaltestelle. Dort hatte ich die Wagenteile noch nicht ganz auseinandergebaut und zusammegefaltet, als schon neben mir der Bus eine Vollbremsung macht. Die uebrigen Passagiere  schauten interessiert zu, wie ich erst das Oberteil, dann das Unterteil , dann die Taschen und Einkauftueten (die gerade noch schnell in den Dreck gefallen sind) mit einem Baby unterm Arm in den Bus jongliere, bevor die Tueren automatisch schliessen. Der Fahrer observierte mich misstrauisch im Rueckspiegel und telefonierte intensiv auf seinem Handy. Wiederum froh, im Bus zu sein, war ich dieses Mal schweissgebadet und feuerrot im Gesicht. Hauptsache ich war drin, mit meinem ganzen Kraempel. Beim Anfahren der heimatlichen Haltestelle, beendete der Busfahrer  schnell das Telefonat. Das war vermutlich sein grosser und kleiner Kollege von der Fruehschicht, die ihn  vor merkwuerdigen Burgfraueleins mit Kind gewarnt hatten. Entweder aus Fahrplantechnischen Gruenden oder aus Mitleid kam er noch schnell angelaufen und half, meinen ganzen Kram aus dem Bus und vor das Bushaeuschen zu werfen.    

Stark nach Schweiss riechend, aber endlich wieder zu Hause, war mir eins klar geworden: „Mit diesem bloody f….. Kinderwagen“  fahre ich nicht nochmal im Bus! Ich wusste doch, dass ich Bernd‘s neue Vokabeln eines Tages brauchen kann.

Ein zweites Auto muss her!

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn

Henry 2005 (6 Jahre alt)

11 Sep

“Jetzt sind meine Augen noch viel sauberer als wie ich ein Baby war. Jetzt kann ich sogar Bakterien sehen.”

7. Juni 2005 (nach dem Schwimmunterricht)

 

“Liebe Mimi,

Du bist so schwarz und toll, Du hast so eine nasse Nase und ich mag dich ganz doll.”

14. Mai 2005 (Henry’s Gebet beim Besuch der historischen Holy Trinity Church in Parnell, Auckland)

 

“Ich hab schon mal ein Bild von Gott gesehen”

Mama: “Wo denn?”

Henry: “Bei der Bibel Lehrerin. Der Gott hat nie ein T-shirt an, immer nur eine kurze Hose – auch im Winter, damit frische Luft an ihn ran kommt!”

6. Juli 2005 (nach dem Bibel-Unterricht in der Schule)

 

“Warum hat Bessy (Henry’s Tante) ein Baby bekommen?”

Mama: “Weil sie noch eins wollte”

Henry: “Und wie macht man das dann?”

Mama: “Aehhhhh, ohhhh, uuuuuuh, mein Toast ist fertig. Jetzt muessen wir uns aber beeilen, sonst kommen wir zu spaet zur Schule!”

12. Mai 2005 (beim Fruehstueck)

 

“Mama, wusstest Du, wenn ich laufe, sind meine Fuesse nicht auf dem Boden!

Die sind in der Luft, wie wenn man fliegt!”

22. Juni 2005 (beim Spielen im Garten)

 

“Der Betlestern von Ham” – anstatt der Stern von Betlehem

21. Mai 2005 (beim Gespraech ueber die Geburt von Jesus)

 

“Mama, in welchem Land spielt der Film?”

Mama: “Rate mal!”

Henry: “Mama, koennen wir auch mal nach Ratemal fliegen?”

4. Juni 2005 (waehrend eines amerikanischen Spielfilms)

 

Mama:  “Henry, machst Du mal ein schoenes Photo von der Mama?”

Henry: “Ja,  dann machst Du so wie ein Baum und dann bist Du schoen in der Landschaft!”

18. July 2005 (an Mamas Geburtstag im Garten)

 

8.) Waidmannsheil!

25 Aug

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  18. November 1999

Man glaubt es kaum, die Sonne scheint schon seit zwei Tagen!

Heute nachmittag hatte mein Super-Plumber sein erstes Bewerbungsgespraech in Auckland. Der Chef gab ihm gleich einen Arbeitsvertrag mit, bot  ihm ein Firmenfahrzeug  (was mir sehr gelegen kommt,  um meine Karriere als Geisterfahrer auszuarbeiten) und einen Satz Werkzeug an (bis unseres von den sieben Weltmeeren einlaeuft). Bernd  koennte schon Ende naechster Woche anfangen. Moechte mal gerne wissen was mein lieber Badezimmer-Experte dem Chef in broken English alles erzaehlt hat.  Entweder war er sehr ueberzeugend oder es herrscht absoluter Plumber-Mangel! Der Job besteht daraus, Rohre in Neubauten einzuziehen (mein Mann kann prima mit Rohrleitungen umgehen…) und $17 pro Stunde ist besser als nichts. Die Arbeit ist nur 24 km entfernt  und der liebe Mann sieht mal was anderes.  Beim Verlassen des Bueros hat mein Mann zur Verwunderung seines zukuenftigen Chefs noch verlauten lassen, dass er  auch umsonst gearbeitet haette, wenn noetig. Desperate house-man!  Und so macht man auch keine Freunde in der Gewerkschaft (falls es das hier gibt). Aber, wenn er dann endlich arbeitet,  haben  Henry und ich das Haus fuer uns oder wir koennen mal in Ruhe mit dem Auto auf Entdeckungsreise fahren.  Der einzige Haken ist, dass Bernd sich laut Arbeitsvertrag fuer mindestens zwei Jahre nicht selbstaendig machen darf.  Der Passus muss noch gestrichen werden (?!?) und dann kann es losgehen.  Er hat hoffentlich nicht von seinen Spionier-Absichten erzaehlt. Eine weitere Firma hat ihm heute ein Vorstellungsgespraech angeboten (muss doch Plumber-Mangel sein – vielleicht sollte ich auch umschulen). Nachher reissen sich noch  alle um meinen lieben, Deutschen Gas- und Wasserinstallateurmeister-Goettergatten.

Jetzt  wird es auch dringend noetig, dass Bernd eine sinnvolle Beschaeftigung findet, da er (neben Feuer machen) ein neues Hobby entwickelt hat: seine liebe Frau erschrecken. Zu allen Tages- und Nachtzeiten schleicht er durchs Haus und ploetzlich steht er hinter mir und spricht mich an. Du liebe Guete! Mein Puls geht auf 180, mein Blutadern machen Spruenge und ich muss eine Viertelstunde sitzen und tief durchatmen, um mein rasendes Herz zu beruhigen. Meistens bin ich von tiefen Gedanken umzingelt, kommuniziere mit meinem heissgeliebten Baby Henry, beobachte den Rasenmaehermann von der Terrasse aus (Research!) oder meine Sehfaehigkeit ist von einer Dunstwolke in der Kueche eingeschraenkt,  wenn ploetzlich und unerwartet die Stimme meines Mannes aus dem Hinterhalt zuschlaegt und ich vor Schreck einen 80cm-Satz entgegen jeglicher Erdanziehungskraft mache.  Wenn das nicht langfristig zu einem echten Herzinfarakt fuehrt, weiss ich es auch nicht.  Der Mann braucht dringend einen Job!  Er bezeichnet meine Schreckhaftigkeit als „schlechtes Gewissen“!?!

Auch meine teuflische Waschmaschine ist wieder sehr gemein zu mir. Ist mir schon fast peinlich, wieder dieses Thema anzuschneiden. Es artet langsam in einen persoenlichen Krieg aus. Die Waschmachine oder ich! Jetzt, wo ich ihr ausgekochtes Styropor-Geheimnis gelueftet habe, denkt sie sich neue Gemeinheiten aus.  Heute stand Weisswaesche auf dem Programm. Draussen strahlte die Sonne , der Waeschestaender stand in luesterner Erwartung auf der Terasse parat und ich wollte gerade die Treppe hinunter laufen und die turbogeschleuderte  Waesche aus der Maschine erloesen, als mir auf dem Weg schon die erste Flutwelle entgegen kam.  Nein, nicht der Rest der Sintflut hat sich ausgebreitet, sondern die biestige Waschmachine hat mir wieder ein Schnippchen geschlagen. Ihr Abwasserschlauch ist ueber einem eigens dafuer installierten Aluwaschbecken neben der Hoellenmaschine im gigantischen Wandschrank befestigt, damit das Wasser wunderbar im Abfluss davon gurgeln kann. Vorausgesetzt natuerlich, dass nicht zufaellig jemand den grossen blauen Schwamm zum Autoputzen nutzt (um Langeweile-Attacken sinnvoll zu ueberbruecken) und ihn dann achtlos im Waschbecken liegen laesst. Dieses gemeingefaehrliche Zivilisationsobjekt  aus China hat sich offenbar am Abluss festgesaugt  und verweigerte dem Waschwasser jeden Abgang. Habe sofort meinen privaten Hausplumber zur Hilfe gerufen, der gleichzeitig auch der Ausloeser der Katastrophe war (sorry Waschmaschine!), und mit dem neuen atomgetriebenen Duesenturbo-Nass-Trocken-Saeugetier aus dem Baumarkt haben wir alles wieder aufgesaugt. Die Investition hat sich schon gelohnt. Das nennt man Vorsehung!  Wenn alles trocken ist, spruehe ich was von dem Anti-Geruchs-Spray  auf den Teppich und alles ist wie neu. Ich hoffe nur, dass mein lieber Mann das ganze nicht inszeniert hat, damit er nochmal eine echte Aufgabe hat.  Mann ohne Arbeit – taugt nix!

Unsere Abende am Ende der Welt sehen so aus:  Sobald sich little Henry gegen 21.30 Uhr (Nachtmensch wie sein Papa) ausgetobt hat, schlaeft er auf dem Sofa ein. Ihn in sein Bettchen zu legen, waere Quaelerei, denn im Untergeschoss des Hauses ist es nachts viel zu kalt. Und wir sind bestimmt nicht verwoehnt (?!?) Nur, seit mein Mann jeden Abend seinen geliebten Hochofen anstocht, koennte der Klima-Unterschied zwischen Erdgeschoss und Untergeschoss nicht extremer sein. Und Klein-Henry hat das auch schon gemerkt.  Sobald man ihn auf Zehenspitzen schleichend nach unten tragen will, wacht er auf und schreit aus voller Kehle. Unten muss er mit Muetze, Schal, Ohrenschuetzern, Handschuhen und Moonboots im Bett liegen, hier oben reissen wir uns vor Hitze die Kleider vom Leib.  Der Kleine muss sich ja vorkommen wie ein Haechnchen aus dem Wienerwald.  Erst gebraten, dann eingefroren, morgens wieder aufgetaut und abends wieder gebraten…. 

Vielleicht ist Henry ein Kanibalen Baby. Es ist richtig unheimlich. Bei jeder Gelegenheit  schnappt er sich meinen Daumen, meine Hand oder Teile vom Arm und beisst mit Voller Kraft hinein. Wenn er merkt, dass er kein Stueck Fleisch abbeissen kann, wird er richtig aggressiv. Ist das normal? Er beisst und reisst an meinen Organen wie ein ausgehungerter Haifisch. Gott sei Dank hat er noch keine Zaehne! Wenn er erstmal laufen kann, faellt er wahrscheinlich alle Katzen und Hunde in der Gegend an und versucht, sich Stuecke rauszubeissen. Das kann ja heiter werden.  Bis dahin muss ich mehr Englisch lernen, um meine Nachbarin zu warnen. 

Wenn Bernd abends zwischen Nix-Versteh-TV Sendungen und dem Nachwerfen von Feuerholz die Gelegenheit nutzt, vor der Haustuere (und zur weiteren wortlosen Voelkerverstaendigung mit meiner Nachbarin hinter der Gardine) ein Zigarettchen zu rauchen,  nutzt meistens ein dicker, fetter Brummer den offenen Spalt an der Tuere, um sich in unserer Sauna ein wenig aufzuwaermen.  Dann tritt der wahre Ur-instinkt meines Mannes  ein (er: Jaeger – ich: Sammler) und der kleine Feuerteufel geht auf die Pirsch. Mit meinem frisch gewaschenen, gebuegelten (zu viel Zeit…) und abgezaehlten Geschirrtuch versucht er, die dicke Hummel zu erlegen. Bewaffnet bis zu den Zaehnen springt der Jaegersmann ueber Tisch und Stuhl, Sofa und Sessel, doch der fliegende Sumu-Ringer ist immer ein Ideechen schneller. Mal sitzt er auf Henrys Nasenspitze , mal auf der rosa-farbenen Gardienenstange, dann auf dem goldenen Wandteller von Vermieterin‘s Urgrossmutter. Bernd rast hinterher, zielt und donnert auf das fliegende Ungetuem, ich spurte hinterher, schnappe im freien Fall nach Omas Wandteller und haenge ihn wieder an den Nagel, bevor ich weiteren Krimas Krams vor der Zerstoerung retten muss. Das fliegende Monster scheint sich jedoch zu amusieren und bringt meinen Mann noch mehr in Rage bis der Flugsaurier letztendlich zerquetscht an meinem dampfgebuegelten Kuechentuch klebt. Endlich hat die liebe Seele Ruh, blaest zum grossen Hallali und goennt sich zur Belohnung ein Zigarettchen vor der Haustuere. Dann geht die ganze Treibjagd von vorne los … bis die gesamte Brummerfamilie ausgerottet oder mein Beschuetzungsinstinkt gesteuerter Super-Mann endlich morgens gegen 2.30 Uhr muede ist.

Waidmannsheil und gute Nacht vom Jaegerbattallionstrupp in Neuseeland.   

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn

7.) Endlich Sonne und Rotwein im Karton!

18 Aug

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  16. November 1999

Endlich ist die Sonne rausgekommen, hat die Ueberflutung gestoppt, und meine Arche ist wieder auf festen Grund aufgelaufen.  Jetzt muessen wir uns  gut eincremen, da man sonst dank der internationalen Industrialisierung und der  verduennten Ozonschicht einen Sonnenbrand bekommt  und  bereits am ersten Tag einem  alten Brathaehnchen aehnelt. Meinen lieben Mann hindert der positive Wetterumschwung allerdings nicht daran, weiterhin jeden Abend Feuer im Ofen zu machen, als waeren wir im Winterurlaub in einer Canadischen Holzhuette.  (Vielleicht schicke ich ihn mal auf die Baerenjagd!)

Zum Glueck hat der kleine Feuerteufel morgen sein erstes Bewerbungsgespraech bei einer Installationsfirma in Auckland, die bald eine Grossbaustelle in unserer Naehe startet.  Hoffe sehr, dass er den Job bekommt. Man hat ihn schon nach seinem Werkzeug gefragt, das immer noch im Container ueber die Meere schippert. Hier muss jeder Handwerker sein eigenes Werkzeug mitbringen. Das finde ich sehr gut und man koennte das in Deutschland auch einfuehren. Dann wuerde bei den Unternehmern nicht so viel Werkzeug verschwinden und es wuerde von den Angestellten sicherlich besser gepflegt.

Als ich little Henry heute nachmittag auf den blanken Bauch gepustet habe, hat er tierisch gelacht und sich vor Freude mit der kleinen Faust meine Haare geschnappt und daran gerissen. Dann hat er noch mehr gelacht, weil ich vor Ueberraschung und Schmerz geschrien habe, er solle sie wieder los lassen. Henry, jetzt schon vier Monate alt, dachte im Traum nicht daran, diese Trophaee wieder freizugeben. Im Gegenteil, er schleuderte meinen Kopf, der immer noch an besagtem Haarbueschel hing, hin und her und fand das noch viel lustiger. Das ist ein ganz schoener,  kleiner,  hinterlistiger Schlawiener.  Von wem hat er das?

Endlich habe ich auch eine Methode gefunden, wie ich Henry beruhigen kann, wenn wir am Strand Treibholz und Muscheln sammeln und er keine Lust mehr hat. Wenn er anfaengt zu schreien, drohe ich ihm damit, dass wir wieder nach Deutschland ziehen, dann schaut er mich mit grossen Kulleraugen an  und hoert auf zu schreien.  Habe ihm auf einem Markt fuer einen  kleinen Sonnenschirm fuer den Kinderwagen gekauft. Davon ist er ganz fasziniert, vor allem, wenn ich daran die Gummi-Hosentraeger befestige, die wir zum Abschied aus Deutschland von Freunden geschenkt bekamen. An die zwei freien  Hosentraegerklipse klemme ich dann seine hoelzernen Spielringe, den Beissring  und die Kuscheltiere.  Jedes mal wenn er daran zieht ,  flitschen sie wieder weg und dann wird Henry total wild. Er schimpft ganz boese und schreit das Spielzeug an und dann ruft er seine eisernen Gesellen „Nene“ und „NaengNaeng“ zur Hilfe.

Im Supermarkt gibt es eine ganze Palette von Lebensmittelfarben  (fast wie im Baumarkt). Deshalb sind die Kuchen und Toertchen hier auch so schoen bunt und abwechslungsreich. Kann mir allerdings nicht vorstellen, dass es gesund ist.  Und dann der Wein. Den kann man ausser in Flaschen auch im rechteckigen 3-Liter Paket kaufen.  Das ist ein Pappkarton, in dem sich eine Plastikfolie mit 3 Litern Wein befindet. Unten am Karton kann man eine paerforierte Lasche eindruecken und dann kommt ein Kunstoff-Patentverschluss zum Vorschein wie an einem deutschen Bierfaesschen. Wenn man dieses Patent-Oeffnungssystem einmal verstanden hat, braucht man nur noch den Karton an die Tischkante zu stellen und kann dann Glas fuer Glas aus dem Karton zapfen. Und wenn man das Paket ausgesoffen hat und nicht mehr weiss, was man macht und wer man ueberhaupt ist, legt man den leeren Karton auf den Boden und versetzt ihm einen ordentlichen Tritt zur Terrassentuere hinaus (falls die gerade offen ist – wenn nicht, ist es nach 3 Litern Rotwein auch egal!) Dann holt man sich aus der gefraessigen , ueberdimensionalen Abstellkammer das naechste Patent-Paket. Das ist aus mehreren Gruenden eine phantastische Erfindung. Erstens lassen sich Pakete viel oekonomischer in der Abstellkammer stapeln als die viel zu kleinen empfindlichen Glasflaschen von Rhein und Ruhr, die man dann auch noch (zur Vermeidung von Diskriminierung durch die neugierige Nachbarschaft am besten bei Nacht und Nebel und verkleidet) zum Flaschencontainer schleppen muss.  Wenn man seinen Rausch ausgeschlafen hat, sammelt man einfach die Kartons von der Terrasse und im Garten wieder ein, vergraebt die leeren und geschrumpften Plastiktueten im Plastikmuell und versteckt den auseinandergeklappten Karton zwischen den alten Zeitungen im Papiermuell.  Falls die Abstellkammer fuer den Vorrat (man weiss ja nie wenn mal eine Hungersnot oder Katastrophe ausbricht) zu klein ist, koennte man mit den vollen Kartons Zwischenwaende einziehen, den Garten ummauern oder eine Garage anbauen. Und das Schoenste ist, man hat immer was zu trinken und Rotweinsauce bis zum seeligen Ende.   

Bier kann man hier uebrigens als Pulver kaufen und man ruehrt es einfach in Leitungswasser. Bernd hat es wegen moeglicher Bazillen und anderer Krankheitserreger noch nicht probiert,  aber eines Tages werden wir auch das System erforschen.  Ich nehme an, es zischt und sprudelt wie in einer Hexenkueche beim Ruehren.

Wenn man einkauft, kann man eine Art Scheckkarte beantragen, auf der man Punkte sammelt und wenn man genug davon hat, kann man sich ein Kuechengeraet, eine „filterlose“ Kaffemachine,  die turbogesteuerten Heisslockenwickler, eine Flugreise nach Sibirien oder den Hotelaufenthalt im Transylvanischen Gebirgsplateau aussuchen.  Bei dem Verhaeltnis zwischen Einkaufssumme und der Belohnung mit Punkten kann es nur etwa 726 Jahre dauern, bis wir die Busreise nach Hamilton „verdient“ haben .  Wir koennen ja schon mal hinter der biestigen Waschmaschine, den gestapelten Weinkartons und der verrosteten Angelausruestung im gigantischen Wandschrank  nach unserem Koffer suchen …

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn

6.) Mehr Regen und Buerobedarf

17 Aug

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland 13. November 1999

Meine Souvenir- und Weihnachtsdekorationsproduktion ist in vollem Gange. Kann diese creativen Phasen einfach nicht unterdruecken. Wenn ich nicht gerade putze, koche, spuele, mit diesem widerspenstigen Monster Waesche wasche, Henrys zahnloses Maul fuelle, seine teuflischen Windeln wechsele oder sonstige sinnlose, unterbezahlten Hausfrauenjobs ausfuehren muss, wird ausgeschnitten, geklebt, genaeht, gesaegt, gehaemmert, gemalt und lackiert. Habe mir in verschiedenen shops und dem Supermarkt alles zusammengesucht, was man in einem Bastelstuebchen so braucht, wie Klebepistole, Bilderrahmen, Scheren, Kleber, Hammer, Meissel, Dampfwalze, Baukran und Kettensaege. Das Pinselauswaschwasser habe ich bisher noch nicht getrunken (wie in frueheren enthusiastischen Mal-Attacken, wenn ich gegen Mitternacht und vor lauter Aufregungn den Pinsel im Rotwein gereinigt und dafuer das Pinselwasser getrunken habe). Mich kriegen auch diese Bakterien nicht kaputt!

Ansonsten ist der Alltag eher frustrierend. Es regnet und regnet und regnet noch immer in Stroemen und vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal Seetangsuppe zubereiten. Ich koche jeden Tag, werde immer dicker, mein Mann wird immer duenner, Henry kapiert nicht, dass man Apfelmus runterschlucken kann, die Waschmaschine laesst sich jeden Tag was Neues einfallen, um mich zu aergern, der Lockenstab fuer $29.95 hat meine Haare angekokelt und e-mails kann ich immer noch nicht verschicken mangels Internetanschluss, Modem, passender Software und gutaussehendem Computerexperten. Desperate housewife!

Und gleich, wenn meine Maenner aufgestanden sind, die im Gegensatz zu mir eher zur Rasse der Morgenmuffel gehoeren, bekomme ich die erste Beschwerde. Irgendwie hat sich vermutlich die Kaffeemaschine mit der Waschmaschine verbruedert und nun haben sich beide gegen mich verschworen. Jedesmal, wenn ich Kaffee koche, klappt der Kaffeefilter nach innen um, verstopft die Duese, der Filter laeuft voll und anschliessend ueber den Rand der Kaffeemaschine. Die Sauerei bahnt sich dann den Weg ueber die Kuechenablage, hinunter am Kuechenschrank bis zum Fussboden und in die Ritze zwischen Ablage und Kuehlschrank, wo man das nie wieder rauskriegt. Ich glaube ich gehe ins Wasser…. (dann brauche ich nur die Terrassentuere zu oeffnen und werde weggeschwemmt).

Sankt Martin kennt man hier nicht, dafuer marschiert in Orewa bald die Santa-Parade. Alle stehen kostuemiert am Strassenrand und der Weihnachtsmann (Santa Claus) faehrt im grossen, geschmueckten, goldenen Schlitten vorbei und schmeisst mit Hilfe seiner Engelchen Kamellen. Erinnert mich irgendwie an Prinz Karneval und den Rosenmontagszug in Koeln. Tanzgruppen und Tambocorps kommen mir ebenfalls bekannt vor. Gluecklicherweise ist es ja in Neuseeland jetzt schon Sommer (falls die Sintflut jemals stoppt). Da koennten die Deutschen sich ein Beispiel nehmen und ihren Karneval in die waermere Jahreszeit verlegen (wie in Brasilien!). Dann waere man nicht von Aschermittwoch bis Karfreitag krank, weil man im luftigen Kostuem die Sau raus gelassen hat…

Hier faehrt im Weihnachtsumzug noch der Harley Davidsons Club (sehen eher aus wie die Hells Angels) mit, der Oldtimer Verein (inclusive Marylin Monroes pink Cadillac), der 80-jaehrige Elvis-Imitator, Maori Kriegstanz Gruppen, der Verband der Immobilienmakler, die anstatt Kamellen Visitenkarten verteilen und saemtliche Kindersportvereine aus der Gegend einschliesslich Judo, Wrestling, Rugby, Fussball, Surfclub, Cheerleading und Tae Kwon Do. Der Strickclub aus dem Altersheim, die Damen vom Marmeladeneinkoch-Komitee, der Zusammschluss der grauen Panther im Internet und die Stunt- und Skateboard-Ueberlebensgruppe aus dem Krankenhaus – hier kann jeder mitmachen!

Fuer meinen lieben Mann wird es Zeit, dass er einen Job findet, er hat sozusagen genug von Urlaubsstimmung (ist auch nicht der Typ dafuer) und ich vermisse meine 174 Kisten mit Krimskrams, die immer noch um Kap Horn segeln…

Henry erfindet jetzt seine eigene Sprache und erzaehlt mir immer wieder von „Nene“ und „Naengnaeng“. Bin mal davon ausgegangen, dass es sich um seine neuen imaginaeren Freunde handelt, und deshalb haben wir ein Lied daraus gemacht: „Der Nene und der Naengnaeng, das sind zwei eiserne Gesellen…“ Das singen wir jetzt immer beim Windelwechseln. Da lacht das haar- und zahnlose Babymonster.

 Damit ich Bernds Bewerbungsunterlagen (nach deutscher Methode) ordentlich abheften kann, wollte ich im Schreibwarenfachgeschaeft einen Locher kaufen. Leider wusste ich weder das englische Wort fuer Loch, noch fuer Abheften oder Ordner. Die Verkaeuferin war schon beim Teppichsaugen, als ich kurz vor Feierabend reinkam. Dann versuchte ich, ihr anhand eines Musterordners zu verdeutlichen, dass ich eine Maschine brauche, die Loecher in das Papier stanzt, um es dann in „this thing“ (Ordner) abzuheften. Das sind diese frustrierenden Momente, wenn man merkt wie wichtig doch die Sprache und zwischenmenschliche Kommunikation ist. Die Verkaeuferin hat mich angestarrt, als waere ich gerade aus dem Irrenhaus entlaufen, und dann tat sie so, als haette sie ueberhaupt keine Ahnung was ich von ihr wollte. Dass sie mich nicht mit ihrem gefraessigen Sauger aufgesaugt hat, war alles. „I want to put little..(?)… in the paper to put it in the ..(?)… (und zeigte auf den Ordner). Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein. Jedenfalls das Drama in drei Akten hatte letztlich ein Happy End. Ist ja auch ganz einfach, wenn man weiss, dass Locher „punch“ heisst.

Im Supermarkt habe ich ein Spray gegen Geruchsdaempfe in Kleidern, Moebeln und Teppichen gekauft. In unserem Schlafzimmer (im Keller der Arche Noah) roch es staendig nach Kaese und wir verdaechtigten uns gegenseitig aufs Schaerfste, der Urheber zu sein. Zuletzt und um meine Ehe zu retten, musste little Henry dran glauben. Aber nun hat die Chemische Keule gesiegt und ich kann die Gasschutzmaske aus dem 2. Weltkrieg wieder in der grossen Abstellkammer verschwinden lassen. Die extremen Daempfe ganzer Epochen hatten sich so im Teppich festgebissen, dass man zeitweise denken konnte, eine Leiche unterm Haus sei im fortgeschrittenen Verwesungs-Prozess. Das ist das Richtige fuer meinen Mann und seine Bazillen-Phobie!

Bernd hat sich in den eisernen Ofen verliebt und macht jetzt jeden Abend Feuer mit dem Holz vom Strand. Hauptsache schoen warm und der kleine Feuerteufel hat was zu spielen, auch wenn es 20Grad C (uber Null!) ist. Wird Zeit, dass er Arbeit findet.

Ich muss jetzt mal sehen, wo meine geruchs- und bazillenverseuchte Mannschaft geblieben ist. Die crew ist seit gestern abend unter Deck verschollen und ich schippere den Dampfer hier ganz alleine durch die rauhe See, „Eine Seefahrt, die ist lustig – eine Seefahrt, die ist schoen …“ – und der Kaffee ist fertig!

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn