Tag Archives: Neuseeland

Innere und auessere Schoenheit (2)

11 Jan

Personal Note: “Das Leben koennte so einfach sein, wenn immer alles nach Plan ginge… –

 So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Der Versuch, am folgenden Wochenende meine Dessous-Kollektion um einen neuen BH zu erweitern, bedurfte einer gewissen diplomatischen und strategischen Planung, da ich mit fuenf Kindern ins Shopping Center einmarschierte: mein Sohn Henry (11), unser koreanisches Homestay-girl Kelly (12) mit ihrer koreanischen Freundin und mein Japanisches Homestay-girl Eiko mit ihrer japanischen Freundin.  Als wir das Kaufhaus betraten, gab ich meinen internationalen Kinderchen die Freiheit, fuer eine halbe Stunde ohne meine erzieherische Oberaufsicht zu shoppen und sich dann an der Kasse wieder mit mir zu treffen.  Das wuerde mir genug Zeit geben, still und heimlich und unbeobachtet ein paar BHs anzuprobieren und im Erfolgsfalle ohne grossen Aufstand unaufaellig zu bezahlen. Selbstverstaendlich haette es mir nichts ausgemacht, wenn meine Grossfamilie bei der Auswahl und beim Kauf beteiligt gewesen waere, aber meine asiatischen Girls sind in dieser Beziehung etwas mehr traditionell erzogen und ich wollte ihnen die Peinlichkeit meiner „Europaeischen Offenheit“ und ihrer dezente Roete im Gesicht ersparen.  Und auch mein Sohn auf seinem zielstrebigen Weg zum Teenager-Tum wird mehr und mehr  verlegen, wenn er seine einzige Mutter in ihrer Unterwaesche sieht („not pleasant, Mum“ – Zitat ende).

Gesagt – getan! Henry zog ins Spielwarenparadies, die Girls in die Schuh- und Kleider abteilungen und ich in das Lingerie-Department.  Schon nach 5 Minuten gestresst und verschwitzt probierte ich ein paar BHs an und kam zu dem Schluss, dass die Groessen immer kleiner werden. Beim Anblick im Spiegel  (in einer dieser kleinen Kaninchenstaelle) musste ich allerdings zugeben,  dass ich im Winter etwas rundlicher geworden war, oder vielleicht war mal wieder der Spiegel oder die Beleuchtung unvorteilhaft. Egal – sieht ja keiner (!?!) Und als ich endlich ein Stahlstreben-verstaerktes Modell fand, das an der richtigem Stelle hebt und teilt, beschloss ich froehlich, es gleich in schwarz, weiss und der traditionellen Fleischfarbe zu kaufen (man weiss ja nie…). Das wuerde mir fuer die naechsten drei Jahre den erneuten, frustrierenden Versuch ersparen, mal etwas Schickes und Farbenfrohes fuer „untendrunter“  zu finden. Denn Schickes und Farbenfrohes ist in meiner Groesse leider selten im Sortiment, sorry!

Schnell suchte ich mir noch ein paar Unterhosen, die nicht kneifen (und gross genug sind, um Kaninchen zu fangen) und lief mit meinen neuen Objekten der  inneren und auesseren Verschoenerungs-Begierde  zur Kasse. Bevor ich meine  Grossfamilie in irgendeiner Weise in Verlegenheit bringen konnte  und ihnen die Gelegeheit nahm, alle kulturellen Einzelheiten eines aufregenden Einkaufstages abends per e-mail  in ihre Heimat zu uebermitteln, bezahlte ich unentdeckt meine Beute und die Kassierein liess sie dezent in einer grossen Plastiktuete verschwinden.  Dann drehte ich mich um und ging mit meiner Beute gleich wieder ins Kaufhaus zurueck, so als waere nichts gewesen. Ich straeunte -Interesse heuchelnd- in der Kosmetikabteilung herum, welche  sich aus Sicherheitsgruenden immer in der Naehe der Kasse befindet. Als ich meine Kinderchen sah, wie sie aus allen Richtungen zur Kasse  stroemten, um ihre eigenen kleinen Eroberungen zu bezahlen, reihte ich mich ein und vereint gingen wir durch die elektronische Absperrung hinter der Kasse…

… bis meine grosse geheimnisvolle Tuete einen lauten Alarm ausloeste!

Freundlich aber bestimmt und unter den urteilenden Blicken der uebrigen einkaufssuechtigen Menschenmassen wurde ich mit meiner Tuete abgefuehrt und musste vor den Augen meiner hundertkoepfigen Grossfamilie aus aller Herrenlaender saemtliche Jagd-Unterhosen und Geruest-BHs auf der Theke ausbreiten. Durch die hochsteigende Roete in meinem Gesicht und der Ueberproduktion meiner Schweissdruesen dauerte es etwas bis ich den Kassenzettel zur Beweisfuehrung aus meiner ueberfuellten Handtasche ausgegraben hatte. Waehrend die Maedchen im Hintergrund jeweils in ihrer Heimatsprache tuschelten und kicherten und mein Sohn so tat, als haette er ueberhaupt nichts mit uns zu tun,  stellte die Warenhaus-Sicherheitsoberaufsichts-Polizei in Zivil fest, dass die Verkaeuferin an der Kasse vergessen hatte, das  magnetische Sicherheitding aus Plastik  von einem BH zu entfernen.  

Nach dem Abendessen verschwanden alle kleinen Asiatinnen in ihren Zimmern und die Internationale Voelkerverstaendigung lief auf Hochtouren.

Zum Glueck habe ich ja nun drei Jahre Ruhe…

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Innere und aeussere Schoenheit (1)

10 Jan

 Personal Note: “Man goennt sich ja sonst nichts… –

 So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Ich gebe zu, eine meiner Lieblingsbeschaeftigungen ist Shopping (typisch Frau – wuerde mein lieber Mann jetzt sagen). Allerdings gibt es einige Produkte, deren Erneuerung zwar von Zeit zu Zeit noetig ist, aber fuer die ich mich nicht so gerne ins Einkaufs-Getuemmel stuerze. Eins davon ist ein neuer BH  und das andere ist ein neues  Nachthemd!

Waehrend ich im Oktober ein Buch ueber die kleinen Freuden und Schoenheiten im Leben las, die man sich als Frau ab und zu selbst bereiten sollte (man goennt sich ja sonst nichts…), kam ich zu dem Kapitel ueber innere und auessere Schoenheit.  Die amerikanische Autorin des Buches empfiehlt dringenst, sich auf keinen Fall und niemals gehen zu lassen und selbst in Situationen, wo es niemand sieht, huebsch und gepflegt auszusehen. Das bezog  sich besonders auf das Tragen von Unter- und Nachtwaesche. Mit einer Mischung aus Selbstkritik  und schlechtem Gewissen liess ich meine persoenliche Dessous-und Nachtkollektion vor meinem geistigen Auge auffahren und sah der Tatsache ins Auge, dass es hier enorme Gelegenheit zur Verbesserung gibt.

Ich beschloss, mir so schnell wie moeglich einen neuen BH und ein neues Nachthemd zuzulegen, vor allem, da mein lieber Mann mein Lieblingsnachthemd als „Sack“ bezeichnet. Normalerweise ist mein Selbstbewusstsein ausgepraegt genug um seine unqualifizierten Auesserungen bezuegliche Mode und Geschmack zu ignorieren, aber unter dem Aspekt der inneren und aeusseren Schoenheit und der kleinen Freuden im Leben gemaess Kapitel 5 meines Buches, musste ich gestehen,  dass mein Nachthemd nicht besonders vorteilhaft geschnitten war.  Wie konnte ich ueber Jahre dem irrtuemlichen Glauben zum Opfer gefallen sein, dass in meinem Nachtleben Bequemlichkeit wichtiger ist als Representation? Der Stil war vermutlich dem Alltag zum Opfer gefallen, insbesondere weil ich schon sehr, sehr lange verheiratet bin und jeden Abend todmuede  ins Bett falle. Aber nun sollte sich alles aendern! Aesthetik ist das neue Motto,  und so zog ich eines Tages fest entschlossen ins Shopping Center nach Albany, um mir ein schoenes, neues, elegantes Nachthemd zu leisten  und mein Leben drastisch zu aendern  (und um meinen lieben Mann zu ueberraschen!)

Aber schon nach der ersten Stunde der Recherche in Shops und Kaufhaeusern musste ich mit Ueberraschung und Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass entweder mein Geschmack oder meine Altersgruppe eine echte Marktluecke darstellte.  Hoffnung und Enttaeuschung wechselten sich ab beim Eintreten und Verlassen neuer Shops und Warenhaeuser und mir stellte sich spontan die Frage: Wer entwirft eigentlich Nachthemden fuer die Frau um 50? Offensichtlich niemand!

Das Angebot liess auf jeden Fall zu wuenschen uebrig. Erstens war die Farbpalette extrem eingeschraenkt: hellblau, rosa, weiss, rot  und schwarz. Und zweitens gab es nur zwei Schnitte: entweder Hemd mit Hose  aus Flanell oder ueberdimensionales T-Shirt bis zum Knie aus baumwollartigem Mischgewebe!

Nach drei Stunden und 20 Shops kam ich zu dem Schluss: That’s it! Das ist die eingeschraenkte Quelle, aus der ich meine neu gewonnene Nachtschoenheit schoepfen muss. In Entscheidungssituationen behalte ich normalerweise einen klaren Kopf und gehe systematisch und mit dem altbewaehrten Prinzip der Elemenierung vor. Hemd mit Hose oder T-Shirt? Das war keine schwere Entscheidung. Hose trage ich den ganzen Tag und T-Shirt ist einfach praktischer, da unten offen! Die Auswahl von  Farbe und Muster bereitete mir mehr Kopfzerbrechen.  Es gab Weiss mit roten Punkten, Rot mit weissen Schleifchen, Schwarz mit Glitter oder riesige Aufdrucke in Form von Katze mit grossen Augen, Hund mit grossen Zaehnen, Micky Mouse mit grossen Ohren, Herzchen, Sternchen oder Kroenchen.

Was soll denn das? Ist das was Frauen in meinem Alter nachts im Bett tragen? Sollte das denn wahr sein, dass es zwischen heimlichem Online-Erwerb von kitschiger Stubenmaedchen-Reizwaesche und gedruckten Kindermotiven auf  ueberdimensionalen T-Shirts keine Alternative gab? Sollte ich wirklich mein Bett mit Micky Mouse oder einem farbenfrohen Haustier teilen? Ach ja, und dann war da noch das rosa Nachtkleid mit Rueschen am langen Aermel und am bodenlangen Saum und den fuenf Knoepfen am Hals, das vor Vampiren und Triebtaetern schuetzt. Das Design (auch noch in hellblau erhaeltlich) habe ich von vorneherein als nicht altersgemaess ablehnt! 

Ein Blick auf die Uhr – schon halb drei – keine Zeit mehr um lange rumzufackeln. Kurz entschlossen und ohne anzuprobieren (Einheitsgroesse!) waehlte ich das grosse schwarze Nachtarrangement im lockeren T-Shirt-Style,   mit dem silbernen Glitter-Aufdruck einer riesigen Krone und dem Wort „Princess“ an der Stelle, wo mein erdanziehungskraft geschaedigter, fraulicher Busen nach einem anstrengenden Tag seine Entfaltung findet.

Als ich am Abend stolz mit meiner neu gewonnen Schoenheit und wie Sissi bei der Kroenung zur Kaiserin grazioes die Treppe herunter schritt, stellte selbst mein ignoranter Mann ueberrascht und begutachtend fest: „Hast Du einen neuen Sack?“

Es gibt gewisse Dinge im Leben, mit denen muss man sich einfach abfinden!

Rueckblick 2010 – Die Kunst der Gemuesezucht (2)

9 Jan

Personal Note: “Hier kommt die vorlauefig letzte Folge meines kleinen, unerfahrenen Gaertnerdaseins im Land der grossen weissen Wolke… –  So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Nachdem mein urspruenglicher Versuch der Kompostherstellung wegen Verstopfung im mittleren Kammerbereich der China-Tonne fehlgeschlagen war,  wollte ich meine neu gewonnene „Gruene Lebenseinstellung „  noch nicht aufgeben. Eine Freundin wies mich auf den letzten Schrei in Sachen wiederverwertbarer Kuechenabfaelle zur  Rettung der Weltbevoelkerung hin: Das Bokashi-System aus Japan!  Da ich vor vielen Jahren eine Zeit lang fuer SONY gearbeitet habe, weiss ich das Japanische Vorlaeufertum in Sachen technischer Errungenschaften zu schaetzen.  

Bokashi heisst soviel wie „fermentiertes, organisches Allerlei“ und unter diesem Aspekt kann man alle organischen Kuechenabfaelle inklusive Fleisch, Fisch, Fritten und Salatsauce in einem speziellen Behaelter, der aussieht wie zwei ineinander gesteckte eckige Plastikeimer mit Deckel, sammeln. Unter Luftabschluss und wie von Geisterhand verwandeln winzige unsichtbare Mikroorganismen die Essensreste in fruchtbaren Biokompost. Natuerlich muss man die Mikroorganismen in einem Sack, dessen Inhalt aussieht wie Holzspaehne, kaufen,was die Sache zwar oekologisch, aber nicht gerade oekonomisch macht. Immer wenn man eine Lage Ernaehrungsmuell eingefuellt hat, muss man eine Hand voll Mikroorganismen-Spaehne darueber streuen und den Behaelter wieder luftdicht verschliessen. Wenn der Eimer bis oben gefüllt ist, dauert der chemische Vorgang der Vermentung etwa zwei Wochen und unten im Eimer sammelt sich eine Fluessigkeit, die nicht nur als Fluessigduenger sondern auch bestens als Rohrreiniger bei Kanalverstopfung geeignet ist.

Das hoert sich alles toll an, aber in der Praxis stand dieser Eimer in meiner kleinen Kueche staendig im Weg. Und wenn ich ihn im Schrank unter der Spuele deponierte, vergassen wir, ihn zu benutzen. Eines Tages waehrend eines fruehlingshaften Hausputzes stellte ich den fast vollen Eimer voruebergehend unter das Holzdeck unserer Terrasse, wo wir auch das andere Zeug lagern, welches wir zwar nie wieder brauchen, uns aber auch nicht davon trennen koennen. Und dann kam der Winter und ich vergass, dass wir jemals dieses ausgekluegelte Japanische Kompost-System in unserer Familie eingefuehrt hatten.

Und nun, nachdem endlich der Sommer eingekehrt ist,  habe ich den Eimer wieder gefunden und ihn aus Sicherheitsgruenden soweit wie moeglich von Haus, Gemuesegarten und Klettergeruest, ganz hinten am Gartenzaun zu meinen Nachbarn, die uns nie gruessen, gelagert. Schweissgebadet wache ich nachts auf und stelle mir vor, wie die Mikroorganismen sich millionenfach unter monatelangem Luftabschluss vermehrt und eine Art oekologischen Molotovcoctails gebraut haben. Ehrlich gesagt, ich traue mich nicht, den Deckel zu oeffnen! Vielleicht springen die unsichtbaren Organismen in mein Atmungssystem und fressen mich von innen auf, oder der ganze Eimer explodiert bei der Zufuehrung von Sauerstoff und rottet unseren gesamten idyllischen Vorort aus. Vielleicht haben sich die Mikroben auch schon in groessere Lebewesen verwandelt, die krabbeln, schleimen und beissen oder sogar fliegen koennen. Oder ich habe eine ganz neue, voellig unerforschte Art von Lebewesen gezuechtet, die zukuenftig die Menschheit tyranisieren, um die Weltmacht zu ergreifen. Leider war ich in der Schule zwar sehr interessiert, aber nicht besonders gut in Chemie und habe das Fach nach dem ersten Halbjahr im 11. Schuljahr und einer 6 auf dem Zeugnis abgewaehlt. Im 2. Halbjahr habe ich mich der Physik zugewandt, deren Grundlagen und Prinzipien fuer mich besser verstandlich waren, da man sie entweder sehen oder spueren konnte (besonders Schwerkraft und Elektrizitaet!).       

Zurueck zu meiner Karriere als Gaertner:

Wie bereits erwaehnt ist mein Garten nun nicht mehr so durchorganisiert oder Desgin-Preis-verdaechtig schoen, dafuer wachsen dort nun wieder Tomaten, Radieschen, Salat, Petersilie, Schnittlauch, Basilikum und die Zwergbohnen von meinem lieben Nachbarn hinter der Berliner Mauer. Etliche andere Pflanzen, von denen ich nicht mehr weiss was es ist oder ob es vielleicht sogar das wiederkehrende Unkraut ist, wachsen und gedeihen zusammen mit der Erdbeerpflanze fuer meinen lieben Mann. Mein hauseigener Gas-und Wasserinstallateur-Meister-Ehemann hat auch zwischenzeitlich (und mit etwas diplomatischem weiblichen Nachdruck) den Wassertank an die Dachrinne der Garage angeschlossen. Das klingt alles sehr erfolgreich und idyllsich, aber der Schein truegt! Schon habe ich das naechste Problem: Irgendwas oder irgendwer frisst mein Gemuese!

Jeden Morgen, wenn ich in meinen wilden, unorganisierten Gemuesegarten gehe, fehlen ein paar kleine Pflaenzchen oder nur die Stengel der einst gruenen Pracht (besonders Basilikum) sind noch uebrig geblieben. Groessere Pflanzen, wie Tomaten weisen erhebliche Beeintraechtigungen in Form von Loecherm in den Blaettern auf. Erneute Recherche im unendlichen Universum des Internets minimierte die Problem-Optionen auf den Vormarsch von Schnecken, Raupen oder kleinen weissen Fliegen. Um herauszufinden, mit welchem dieser Feinde man es zu tun hat, wird empfohlen, eine naechtliche Spionage-Aktion auszufuehren. Man soll im Dunkeln, bewaffnet mit Taschenlampe und Eimer, durch den Garten schleichen und den Feind sozusagen in Flagranti erwischen und Krieger um Krieger im Eimer einsammeln. Leider konnte ich diese Spionier-Attake wegen ausgepraegter Angst-Phobien und verminderter Sehfaehigkeit im Dunkeln nicht durchfuehren. Mein elfjaehriger Sohn, der gerne Berufsfussballer, Wissenschaflter oder Rockstar (seit der weihnachtlichen Elektrischen Gitarre) werden moechte, haette den  Job gerne uebernommen, ist aber leider fruehzeitig ins Land der Traeume entschwunden,  mit der Taschenlampe fest in seiner Hand und unter der Bettdecke.

Die weiteren internationalen Ausfuehrungen zur Vernichtung von Gartenpest empfiehlt, alle eingesammelten Feinde wie Schnecken und Raupen gleich an Ort und Stelle zu zertrampeln. Diese Endloesung hat mich so angeekelt und kann aus Gruenden meiner atheistischen Weltanschauung und Anti-Gewalt Prinzipien gegen Mensch und Tier ebenfalls nicht erfolgreich durchgefuehrt werden. Wegen der Zielsetzung  des rein organischen Gemueseanbaus  kommt auch die Chemische Keule zur Kriegsfuehrung in meinem Garten nicht in Frage. Und die alte Bauernregel, den Feind mit eienem Koeder aus Bier anzulocken und dann in volltrunkenem Zustand zu vernichten, laesst auch zu wuenschen uebrig. Das Bier wurde zwar gerne genommen, der Feind hat sich jedoch vor Einbruch des Tageslichts zuerueckgezogen, um seinen Rausch in der bisher nicht von mir entdeckten Heimat auszuschlafen.

Da ich von Natur aus diplomatisch und harmoniebeduerftig bin, habe ich beschlossen, dass Mensch und Tier friedvoll nebeneinander existieren sollten und so teile ich meinen Salat, den neuen Basilikum und die Tomatenblaetter nicht nur mit meiner vor Gesundheit trotzenden Familie, sondern auch noch mit kleinen, unsichtbaren, mir immer noch unbekannten Mitbewohnern, und hoffe, dass das natuerliche Oekosystem in meinem Gemuesegarten langfristig funktioniert und die Ernte in einer „gewissen Gerechtigkeit von Oben“ verteilt wird…

Rueckblick 2010 – Die Kunst der Gemuesezucht (1)

8 Jan

Personal Note: “Hier kommt eine neue Folge meines kleinen, unerfahrenen Gaertnerdaseins im Land der grossen weissen Wolke…

 So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

Am allerersten Fruehlingstag im Jahre 2010 entschloss ich mich zu einer erneuten Expedition in den frisch bewilderten Dschungel hinter unserer Garage. Und wieder habe ich in den folgenden Wochen im Schweisse meines Angesichts die dichte Vegetation dahin gemetzelt,  die Baeume gestutzt, das Unkraut rausgerissen, Schlingpflanzen abgehackt, Aeste gesaegt, Loewenzahn ausgebuddelt, Kleeblaetter rausgerupft und siehe da: zum Vorschein kamen die hoelzernen Pflanzenboxen und der Wassertank  meines einst so fruchtbaren Gemuesegartens!

Aber dieses mal war ich weitgehend sicher vor den kritischen Augen meines interessierten Meistergaertner-Nachbarns. Im Jahr zuvor -als mein Unkraut begann, ueber den uns trennenden Gartenzaun zu ragen- hat er in einer Nacht-und Nebelaktion denselbigen mit Holzlamellen auf 2.20m aufgestockt, damit meine gemeingefaehrlichen Loewenzahnpollen  nicht aufs benachbarte Gebiet uebersiedeln und seine Zwergbohnen ausrotten.

Wenn mich mein Nachbar nun nicht mehr sehen konnte, so hat er auf  jeden Fall meine Ausrufe  des Entsetzens (beim Anblick meterlanger Wuermer, die an meinen Gummistiefeln hochkrabbeln wollten) oder des Entzueckens (bei der Wiederentdeckung meiner Pflanzboxen) gehoert, die in der morgendlichen Ruhe unseres kleinen, friedlichen Vororts verhallten.

Wegen (der ohne mich so hilflosen) Familie, Kunstwerke malen, Kinderbastelkursen,  Art-Ausstellungen, Marketingaktivitaeten, Website-Gestaltung , einem regelmaessigen Newsletter, eines energie-geladenen Sohnes, der Kostuemherstellung fuer eine Schulauffuehrung, Fahrrad reparieren, Hausputz, Katze fuettern, Waesche waschen, Hausaufgaben, Oelwechsel am Auto, Bernds Buchfuehrung, die jaehrliche Steuererklaerung, Shopping und diversen andere Hobbies  musste  ich dieses mal allerdings meinen Hang zum Perfektionismus an den Nagel haengen.  Und so habe ich meinen Gemuesegarten ohne Beruecksichtigung der urspruenglichen, sehr detaillierten Planungsunterlagen aus 2007 und meinem gruendlich Deutschen Organisationstalent  (inklusive dem Design-Flair fuer abgestimmte Farbkombination) im Schnellverfahren zurueckerobert.

Ich entfernte alle gruenen Schlingpflanzen aus meinen Pflanzkisten einschliesslich des Loewenzahns, so gut es ging (?) Als voellig unerfahrener Gaertner musste ich zwischendurch immer wieder eine Pause einlegen und die auftretenden Problemfaelle im Computer recherchieren. So fand ich z.B. heraus, dass sich die Wurzeln des Loewenzahns so weitlaeufig in der Erde verteilen, dass man sie nie wieder ganz entfernen kann um das Wachstum dieser gelben Pracht zu verhindern. Das wiederum machte mir den ueberdimensionalen Mauerbau meines lieben Nachbarns verstaendlich. Wie sind Generationen von Landwirten und Gaertnern bloss ohne Laptop und Google ausgekommen?

Dann war da noch der grosse schwarze Kompostbehaelter mit drei Kammern aus China, den ich ebenfalls 2007 angeschafft habe,um meine Familie in die Geheimnisse des Muellsortierens einzuweihen. Zwecks Wiedereinbringung von organischer Materie in den oekologischen Gemueseanbau haben wir wochenlang alle Apfel- und Kartoffelschalen, Salatblaetter, Zeitungspapier und sonstige kompostfaehigen Zivilisationsgueter  gesammelt und von oben in die grosse Tonne geworfen. Unser Rasenmaeher-Mann, der alle zwei bis drei Wochen meinen wunderschoenen Teppich aus Gaensebluemchen mit seiner Hoellenmaschine vernichtet, hat uns tatkraeftig unterstuetzt und schon nach kurzer Zeit war die oberste Kammer meiner Chinesischen Tonne erfolgreich gefuellt. Laut Bedienungsanleitung musste ich dann eine Trennungsplatte herausziehen und das stinkende Etwas mit Millionen von aufgescheuchten Muecken fiel zur weiteren Verarbeitung in Kammer Nummer zwei. So haben wir oben neue Gemuesereste und Gaensebluemchen eingefuellt bis die Kammer wieder voll war. Teil drei der Bedienungsanleitung empfiehlt daraufhin, die  Masse aus Kammer Nummer  zwei mit dem mitgelieferten Plastikstock durch das dafuer vorgesehene Loch in die darunterliegende Kammer Nummer drei zu stupsen. Leider musste ich an diesem Punkt feststellen, dass etwas nicht stimmt. Der klebrige Matsch aus Kammer zwei liess sich weder durch Stupsen noch mit Hilfe irgendwelcher anderer mechanischer Vorgaenge nach unten bewegen. So gab ich Ende 2008 meine Kompostproduktion wieder auf, nicht zuletzt auch mangels vorhandenem Gemuesegartens (der trotz bester Absichten bereits unter neuen Schlingpflanzen verschollen war).

Bei meinem erneuten landwirtschaftlichen Vorhaben wollte ich mich nicht von einer Chinesischen Plastiktonne besiegen lassen. Deshalb schubste ich an einem schoenen, heissen Tag, den ganzen riesigen, asiatischen Behaelter im Garten um, samt seines unerforschten Inhalts in den Kammern eins und zwei.  Ich kam mir vor wie ein Geburtshelfer als ich mit Gummihandschuhen und einer kleinen Schaufel in die untere Oeffnung der Tonne (mit meinem Kopf zuerst!!!) krabbeltn musste, um die Verstopfung in Kammer Nummer zwei aufzuloesen. Und nach ein paar Presswehen, man glaubt es kaum, gebar ich einen Berg von wunderbarer Erde, in der Millionen aufgeregter kleiner Wuermchen zappelten. Schweissgebadet, stinkend wie ein Ferkel und umzingelt von tausend Schmeissfliegen habe ich die jungfraeuliche Erde  in meinen Gemuesegarten eingeschaufelt. An jenem Tag habe ich mir eine zweistuendige Dusche inklusive  Ganzkoerpermassage mittels Wurzelbuerstennutzung zur Entfernung jeglicher Kompostreste aus allen Ritzen und Poren meines geschundenen Koerpers wohlweislich verdient!

Das Dreikammer-Kompostproduktions-System aus Asien ist nun wieder in Betrieb, wurde aber von mir so modifiziert, dass aus drei Kammern eine grosse Kammer wurde und der Glibber von vorneherein bis ganz nach unten faellt. Manche Erfindungen sind einfach noch nicht ausgereift (oder manche Uebersetzungen von Bedienungsanleitungen sind irgendwie unvollstaendig).

 Fortsetzung folgt!

Rueckblick 2010 – Dornroeschen’s Garten

6 Jan

Personal Note: “Hier ein kleiner geschichtlicher Rueckblich ins Jahr 2007 als Vorlauefer fuer ein weiteres Kapitel aus meinem Leben am Ende der Welt im Jahre 2010 „Die Kunst der Gemuesezucht“.

Fortsetzung folgt!

So stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Am allerersten Fruehlingstag im Jahre 2007 entschloss ich mich zu einer Expedition in den geheimnisvollen Dschungel hinter unserer Garage. Seit dem Kauf des Hauses im Jahre 2004 haben wir diesen Teil unseres Grundbesitzes aus Zeitmangel und wegen der intensiven Renovierungsbeduerftigkeit innerhalb des Hauses, wohlweislich ignoriert. Bewaffnet mit Gummistiefeln, Tropenhelm, spinnensicherer Kleidung, einer Machete, Gartenschere, Hacke, Wasser fuer drei Tage, einem Schweizer Messer und meinem Handy (man weiss ja nie) zog ich, zusammen mit der neugierigen Katze Mimi, um 6.30 Uhr morgens in unerforschte Gefilde.  Zuerst entdeckten wir unter riesigen Schlingpflanzen, Baumzweigen und anderem ueberdimensionalen Gruenzeug ein winziges verrottetes hoelzernes Gartentor, das wir erst mit der Machete befreien mussten, um in das unberuehrte Niemandsland in der Laenge unserer Doppelgarage und einer Breite von ca. 5m einzudringen. Die Ueberwucherungen erinnerten an Dornroeschens Schlossgarten nach ihrem 100-jaehrigen Schlaf, aber bereits nach zwei weiteren Schritten kam ich mir vor wie Hiram Bingham bei der  Widerentdeckung der verschollenen Inka Stadt Machu Picchu.

Trotz der tropischen Hitze (hauptsaechlich Angst-Schweiss), Millionen von Stechmuecken, zaehen Spinnengeweben und anderen wilden Ungeheuern, bahnten wir uns den Weg tiefer und tiefer durch die dichte Vegetation. Panische Angst vor Vogelspinnen (die es in NZ angeblich nur im Zoo gibt – aber man weiss ja nie) spuerte ich staendig ein Kribbal-Krabbel auf meinem Koerper und die gelegentlichen kurzen Aufschreie eines City-girls hallten durch die ansonsten sehr verschlafene Nachbarschaft. Selbst Mimi, meine vierbeinige Forschungsassistentin, zoegerte hier und dort ein wenig, und dann entschied sie sich ploetzlich und unerwartet, die Expedition abzubrechen und mich meinem Schicksal zu ueberlassen. Einsam und verlassen, tief im Dschungel hinter der Garage entdeckte ich Anzeichen von Zivilisation in Form von moosbewachsenem Plastikmuell, verrosteten Eisengestellen und leeren Bierflaschen,  aber auch einen riesigen hoelzernen Kompost-Verschlag, dessen Inhalt Millionen von Wuermer innerhalb der letzten hundert Jahre in wunderbare Erde umgewandelt hatten.

In den folgenden Wochen habe ich im Schweisse meines Angesichts und unter den kritischen Augen meiner interessierten Nachbarn, von denen die meisten ein Minimum von 70 Jahren erfolreicher Gemuesezuechtung nachweisen koennen, die dichte Vegetation dahin gemetzelt. In einem Anfall von Zerstoerung habe ich der wilden Natur den Krieg erklaert, natuerlich nur mit dem hoeheren Ziel vor Augen, die Natur strukturiert und zum Beitrag eines gesuenderen Lebens-Stils fuer meine Familie in geordnete Bahnen zu lenken. Ich habe die Baeume gestutzt, das Unkraut rausgerissen, die Schlingpflanzen abgehackt, Aeste gesaegt, Loewenzahn ausgebuddelt, den Muell entsorgt, und jedes noch so  kleine Kleeblatt rausgezupft und siehe da: zum Vorschein kam ein eingezaeuntes Nichts mit einem riesigen Holzverschlag voller frischer Erde.

Ich hatte noch nie einen eigenen Garten, von der Wildnis in meiner fruehesten Kindheit abgesehen, die unser Haus in einem winzigen Belgischen Dorf umzingelte und auf magische Weise Obst und Gemuese produzierte (mit dessen Hilfe wir vermutlich einer Hungersnot entkommen sind). Also habe ich mich (ganz in Designer-Manier) an den Computer gesetzt und meinen zukuenftigen organischen Gemuesegarten bis ins kleinste Detail geplant und als wunderschoenes, kuenstlerisch farbenfroh gestaltetes und genauestens beschriftetes grafisches Poster ausgedruckt, um sie im richtigen (!?!) Moment dem Rest meiner Familie zu presentieren.

Die schwierigste Huerde der landwirtschaftlichen Gestaltung bestand allerdings daraus, meinen lieben Mann davon zu ueberzeugen, mit seinem technischen Equipment (sprich: sein Werkzeug mit diamant-eingravierten Initialien, das er wie seinen Augapfel huetet) aus dem riesigen hoelzernen Compostbehaelter nach und nach vier  erhoehte Pflanzenbeetkisten zu bauen. Nach dem ueblichen „Das geht doch nicht“ und „Das kann man so nicht machen“ musste ich alle Register der weiblichen Diplomatie ziehen und nur nach dem hochheiligen Vesprechen, auch ein paar Erdbeeren (wie bei seiner Mutter im Garten) anzubauen, schritt er schliesslich ans Werk.

Waehrend er nach und nach das Holz zersaegte und wieder zusammen haemmerte, habe ich im gleissenden Sonnenlicht nach und nach die wunderbare Erde mit samt den Wuermern hin und her geschaufelt und fuehlte mich wie Noah beim Bau seiner Arche, belaechelt von den Unglaeubigen, aber fest entschlossen! Zusaetzlich habe ich jeden Tag trotz des widerwilligen Stossdaempfergequietsches meines Kombis vom Gartencenter ein paaer Saecke Erde, Kompost, Mulch, Steine, Stroh oder kleingehackte Muscheln in mein struktur annehmendes Territorium geschleppt. Um meinen lieben Installateur-Ehemann mehr in das (Familien-)Projekt einzubeziehen, habe zu seiner Ueberraschung und fuer einen guten Preis vom Internet einen grossen weissen Plastik-Wassertank gekauft und anliefern lassen, damit er ihn fachmaennisch an die Dachrinne unserer Garage anschliessen und sich der Kreis unseres neugebildeten Hinterhaus-Oekosystems schliessen kann.     

Nachem ich schliesslich unter den kritischen Augen meiner dicken Katze den Gartenzaun weiss und alle Pflanzenkisten hellgruen gestrichen hatte, die Wege und Umrandungen mit dunklem Bark und weissen Muscheln markiert waren, ich die ersten Tomaten, Radieschen, Salate, Schnittlauch, Basilikum, Petersilie, Zwiebeln und eine Erdbeepflanze fuer meinen lieben Mann eingepflanzt hatte (versprochen ist versprochen), lobte mich mein 82-jaehriger Meistergaertner-Nachbar eines morgens ueber den Gartenzaun mit den Worten: „I’ve never seen such an organised garden before“, was so viel heisst wie, er hat in seinem ganzen Leben noch nie so einen toll organisierten Garten gesehen!“ Da kommen eben die typisch deutschen Tugenden zum Vorschein!  Dann schenkte er mir noch ein paar Zwergbohnen, die natuerlich in meiner urspruenglichen Planung nicht vorgesehen waren und deshalb drei Jahre warten mussten, eingefplanzt zu werden.   

Ich und meine Assistentin Mimi, die sich gerne auf  dem heissen Bark in der Sonne waelzt, waren sehr stolz auf unsere Eroberung eines neuen Erdteils hinter der Garage. Leider reisten wir kurz danach fuer vier Wochen nach Deutschland und kaum zurueckgekehrt, ueberschlugen sich hier die Ereignisse. Und so nahm die Natur ihren Lauf und eroberte den Kontinent langsam zurueck und verwandelte ihn schon im foglenden Jahr wieder in Dornroeschens Schlossgarten, ohne dass mein Haus-und Hofinstallateur jemals dazu gekommen war, den Wassertank anzuschliessen…

…bis zum Fruehling im Jahre 2010!

Dornroeschen's Ex-Garten in 2007

 

Fortsetzung folgt!

Rueckblick 2010 – Einkaufstherapie

30 Dec

Personal Note: “Hier ein weiterer Schwank aus meinem Leben im Jahre 2010.

Fortsetzung folgt!

I never seem to run out of topics to write about, I just run out of time to do so! So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Was fuer ein Jahr!

Nach Heiligabend, den wir in alter deutscher Sitte auch hier am Ende der Welt am 24. Dezember feiern, komme ich endlich zur Ruhe und kann das kommende Jahr planen, setze persoenliche Ziele und ueberlege, was ich aendern und verbessern kann. Ich lasse das alte Jahr vor meinem geistigen Auge ablaufen und komme mal wieder zu dem Schluss, dass naechstes Jahr alles anders werden muss!  Prioritaet ist (wie jedes Jahr), alles etwas ruhiger angehen zu lassen, mehr exercise, weniger essen, weniger Stress und mehr fun! Und dann kommt das naechste Weihnachtsfest und der Rueckblick aufs Jahr birgt die Erkenntnis, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe: stattdessen noch weniger exercise, noch mehr gegessen, noch mehr Stress und keine Zeit fuer Fun! Das muss sich aendern und dann kommt schon die naechste Planung und das naechste Jahr…

Der Vorteil an meiner detaillierten Planung und strategischen Zielsetzung ist es, dass ich beim jaehrlichen Soll-Ist-Vergleich eindeutig weiss, dass einige Punkte als erledigt abgehakt wurden, gleichzeitig wundere ich mich ueber die vielen Punkte, die uebers Jahr dazu gekommen sind, von denen ich bei meiner letzten weihnachtlichen Zukunftsplanung noch keine Ahnung hatte. Die Liste wird immer laenger und laenger und fuer jedes Erledigt-Haekchen schleichen sich drei neue Punkte ein, die dann saeuberlich auf meine ueberdimensionale to-do-Liste ins neue Jahr uebertragen werden. 

Und wenn man das alte Jahr dann nochmal ueberdenkt, fallen einem die kleinen und grossen Ereignisse ein und mit einem gewissen Hang zum Perfektionismus (wie ich) wundert man sich ueber Vieles im Leben…

…wie zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Midlife Crisis and Shopping.

Midlife Crisis hat ja viele Gesichter, und bringt alle moeglichen Sentimentalitaeten und Depressionen mit sich. Der Unterschied der Symptome bei Maennern und Frauen koennte nicht extremer sein. Maenner verstaerken ihr Selbstbewusstsein, Frauen neigen dazu, den letzten Rest davon an den Nagel zu haengen. Kein Tag ist wie der andere, aber letztlich haben alle Gemuetsschwankungen eine logische oder eine hormonelle Erklaerung. Das macht den Umgang damit natuerlich wesentlich einfacher und man kann diverse Verhaltensweisen mit einem zwinkernden Auge entschuldigen. So ist ja bekannt, dass Maenner sich durch das Entdecken extremer Sportarten abreagieren. Viermal die Woche Fussball, das Training fuer die Tour de France auf einem raumforschungsentwickelten  Titan-Rennrad, der taegliche Drill im Fitness Center oder die Anschaffung eines Olympia-erprobten Wildwasser-Kajaks sind klare Anzeichen fuer ein letztes Aufbaeumen. Frauen, die unzufrienden sind (wieso denn bloss, fragt sich der Mann)  kennen oft nur einen Ausweg. Er lindert die Symptome (wenn auch nur voruebergehend) und laesst kleine Momente des Gluecks im grauen Alltags-Einerlei aufflackern:

Einkaufen!

Wie troestlich koennen ein paar Stunden im Einkaufszentrum sein, wenn man sich neue Kleider kauft, die man nie anzieht und die dann als Mahnmal fuer emotional finstere Zeiten in den bereits vollen Kleiderschrank gestopft werden (Hilfe – der Schrank ist zu klein!). Zusammen mit den anderen Errungenschaften aus frueheren depressiven Phasen vegetieren die quer gestreiften Tops und die ¾ Hosen, in die man nach der geplanten Diaet gerne reinpassen wuerde, in den dunklen Ecken des Kleiderschrankes, ohne je das Tageslicht wieder zu sehen. Bis zu dem freudigen Ereignis, wenn man beschliesst, sein Leben total zu aendern und den Kleiderschrank zu entruempeln. Dann findet man sogar noch die Original-Preisschilder mit Waehrungen, die schon laengst abgeschafft wurden.

Wenn man von so einem lang geplanten Einkauf mit vielen Taschen wiederkommt, ist es ein „guter Tag“ und man kann ihn als erfolgreich im Kalender durchkreuzen. Man fuehlt sich gut, etwas Neues im Schrank zu haben, das man eventuell mal anziehen koennte, wenn man mal die Gelegenheit dazu haette, falls es sich mal so ergeben sollte, dass man mal irgendwann und irgendwo eingeladen wuerde….  (Man weiss ja nie!)

Was ist aber mit den Tagen, an denen man entgegen jeglicher Vernunft, spontan und ohne jegliche Vorwarnung den Entschluss fasst, in den Shopping Krieg zu ziehen mit der festen Absicht, den Midlife Crisis-Feind zu besiegen und sich mal etwas Besonderes zu goennen?  (…was man sich ja schliesslich verdient hat)

Man rennt von Shop zu Shop und von Umkleidekabine zu Umkleidekabine, nur um festzustellen, dass das eine oder andere Fettroellchen an der Huefte auf mysterioese Weise gewachsen ist, trotz der besten Vorsaetze, die man enthusiastisch am  1. Januar in die Tat umsetzen wollte, aber leider kam am 2. Januar schon was dazwischen…

Zuerst schiebt man es auf die internationalen Kleidergroessen, die  –seit die meisten Kleidungsstuecke in China von winzigen Frauen hergestellt werden-  zu schrumpfen scheinen und fuer die man einen eigenen Dictionary braucht mit Laendercode-Tabelle. Beim zehnten gebluemten Sommerkleid (man hatte mal so eins in den 70er Jahren), welches in Groesse 8 (36) wunderbar an der Schaufensterpuppe aussieht, aber ab Groesse 16 (44), falls ueberhaupt vorhanden, wie ein ueberdimensionaler Heissluftballon den Koerper optisch noch mehr aufblaeht, scheinen die Blumen waehrend des Anblicks im Spiegels sprichwoertlich zu wachsen.

Wenn man dann mit Traenen in den Augen und voellig in Schweiss gebadet, den depremierenden Versuch, „sich was zu goennen“, aufgibt, dem Feind die weisse Flagge zeigt (mit der man sich besser erst den Schweiss von der Stirn und die Traenen aus den Augen wischt), dann bleibt nur noch, den Trost in einem grossen Stueck Kaesekuchen und einem extra-grossen Capuccino mit aufgetuermter Milch und einer Blume aus Schokopulver zu suchen. Schwerfaellig wie ein nasser Sack und der Kaesekuchen wie ein Stein im Magen liegend, besinnt man sich dann wieder auf die positiven Dinge im Leben und erkennt, dass der Shopping Trip trotz der kleinen seelischen Niederlage erfolgreich war und zu einem Happy-End fuehrte. Man hat ja schliesslich schon schoenere Kleider gesehen, die Familie durch das Nichtnutzen der Kreditkarte vor dem finanziellen Ruin gerettet  und den Kleiderschrank vor dem physikalischen Zusammenbruch bewahrt. Braves Maedchen!

Mein letztes grosses „Jetzt gehe ich mal nur fuer mich einkaufen“-Erlebnis hatte ich im Oktober als der Neuseelaendische Winter kein Ende nehmen wollte. Der Wind pfiff schon seit Wochen durch den Garten, so dass selbst unsere Katze wenig frass und trank um nicht oefter als einmal taeglich ihr Geschaeft im Matsch verbuddeln zu muessen. Nachdem sie wie von der Tarantel gestochen wieder reinraste und mit ihren nassen Tatzen auf den Fliesen entlang rutschte um zu bremsen, putzte sie sorgfaeltig ihre kleinen Lederfuesse an meinem Bullen-Vorleger im Wohnzimmer ab, bevor sie auf der Couch ihren Winterschlaf fortsetzte.

Also eines morgens, nachdem Henry schon in der Schule und mein lieber Mann schon zur Arbeit entschwunden waren, entschied ich, es sei der ideale Tag fuer eine Retail-Therapie und machte mich auf den Weg ins Shoppingcenter nach Glenfield. Zwei Stunden lang verschaffte ich mir einen Ueberblick ueber die aktuelle Fashion-Situation und beschloss dann bei einer Tasse Kaffee, noch nicht aufzugeben, sondern positiv eingestellt dem ein oder anderen Kleidungsstueck eine Chance zu geben. Mit neuem Mut und geschultem Auge, waehlte ich einige Tops und Hosen in einer kleinen Boutique aus, um sie in aller Ruhe in der viel zu engen Umkleidekabine anzuprobieren.

Wer entwirft eigentlich Umkleidekabinen???? Sie kommen mir vor wie Kaninchenstaelle, viel zu eng, zu dunkel und der eine Haken, der schon fast von der Wand faellt, haelt hoechstens zwei Kleiderbuegel. Man muss seine eigenen Kleider auf den Boden werfen und steht beim Umziehen drauf, weil die ausgezogenen Schuhe und die weibliche Ueberlebens-Handtasche (man weiss ja nie was man alles braucht) den Rest der Stall-Grundflaeche von 0.2qm belegen. Gibt es keine internationale Menschenrechts-Mindestnorm fuer Umkleidekabinen wie bei der Huehnerhaltung? Und wer hat ueberhaupt die voellig unlogische Regel erfunden, dass man nicht mehr wie drei Teile zum Anprobieren in die Umkleidekabine mitnehmen darf????

Es ist doch allgemein bekannt, dass gerade die moderne,  multi-tasking Frau gezwungen ist, zehn Sachen gleichzeitig zu erledigen und absolut keine Zeit hat fuer solche Spiraenzchen. Was soll denn das? Man moechte doch am liebsten 40 Teile gleichzeitig (jedes in drei Groessen und vier verschiedenen Farben) mitnehmen, verbringt eine Stunde in der Kabine und voila! Ein Teil passt, sitzt und hat Luft – 39 Teile gehen zurueck! That’s it!

Nein, stattdessen zaehlt die siebzehnjaehrige Verkaeuferin drei Teile ab, reisst einem den restlichen Stapel vom Arm und man muss sich fuer drei Teile im Kaninchenstall ausziehen, stoesst dich die Knie und die Ellebogen an den Waenden, der halbhohe Spiegel im Duestern laesst einen nicht mal mehr erkennen, ob die Hose lila, dunkelbraun oder schwarz ist. Nach der zweiten Hose muss man den Vorhang aufreissen um nach Luft zu schnappen und hat schon die Nase voll vom Einkaufen.

Irgendwann habe ich entschieden, diese Strapaze zu lindern, indem ich einfach die grossen Warnschilder (nur 3 Teile!) ignoriere und mit neu entwickelter Arroganz und zwanzig Teilen auf dem Arm hohen Hauptes an der Verkaeferin vorbei marschiere, in den kleinen Stall hinein! Da soll mich mal jemand stoppen, wenn ich in den Krieg ziehe!

Also an diesem tristen Wintertag in der kleinen Boutiqe im Shopping Center Glenfield, die halbe Shop-Kollektion und ich im Kaninchenstall und  wider Erwarten passt das ein oder andere Teil auf meinen birnenfoermigen Body-Type. Frohen Mutes und mit einem zufriedenen Laecheln auf den altersbedignt etwas eingefallenen Lippen probiere ich ein Teil nach dem anderen an und stapele die Tops und Hosen auf dem Boden, die dazu ausgekoren sind, meinen alten Kleiderschrank mit neuem Stolz zu begluecken.  Happy, happy stehe ich ohne Luft zum Atmen und nur bekleidet mit Unterhose und BH im Stall, als mich ploetzlich und unerwartet eine droehnende Sirene in meiner bis dahin sehr heilsamen Retail-Therapie unterbricht. Ich sah mich fragend im verblichenen Spiegel an, hatte keine Ahnung was der Alarm bedeutete, beschloss aber instinktiv meine Modenschau zu beenden und mich wieder anzuziehen. Als ich keuchend den Vorhang der Kabine aufreisse, sehe ich noch gerade wie die asiatische Verkauferin die Geschaeftstuere von aussen abschliesst und das Rolltor runterlaesst.

In den Gaengen des ShoppingCenteres herrschte ein wildes Wundern, waehrend ich von innen an die Tuere klopfe und die Verkaeuferin sich genervt gezwungen fuehlt, die Tuere noch mal zu oeffnen. In hektischem und gebrochenem Englisch, fragt sie mich, was ich da noch mache und herrschsuechtig klaert sich mich auf, dass es sich um Feueralarm handelt, und jeder muss das Shoppingcenter sofort verlassen. Habe mich unter diesen Umstaenden natuerlich nicht getraut zu fragen, ob ich die drei passenen Teile von meinem „muss ich haben“-Stapel im Kaninchenstall noch schnell bezahlen darf. Schicksalsmaessig fand ich es sehr ungerecht, dass gerade dann jemand das Shoppingcenter anzuenden musste, wenn ich endlich mal was Schoenes zum Anziehen finde! Very bad timing!

Aber dann habe ich mir gesagt „Let it go!“ (was auch mein neues Motto fuer 2011 ist!) und bin von der uebrigen Menschenmenge zum Ausgang geschwemmt worden, habe mich im Parkhaus in mein Auto gesetzt und wollte nach Hause fahren.  Leider hatten die anderen 2000 Kunden die gleiche Idee und schon nach einer  Minute herrschte im Parkhaus ein ausgewachsenes Verkehrschaos. In der Ferne hoerte ich, wie sich die Feuerwehrsirenen naeherten, zu sehen war nichts, und vermutlich waere ich in meinem Auto verbrannt, wenn es ein echtes Feuer gewesen waere. Oder ich waere mit dem letzten Fashiondesign im Kaninchenstall gegart worden, wenn ich mich nicht in Windeseile angezogen haette. Nach zwei Stunden loeste sich der Stau im Parkhaus auf, immer noch kein Feuer oder Qualm in Sicht und ich fuhr unverrichteter Dinge, aber wiederum mit positiven Gedanken nach Hause. Geld gespart – Feuer-Inferno ueberlebt – Kleiderschrank vor Zusammenbruch gerettet – braves Maedchen!

 

Abends im Bett kam mir noch der Gedanke, ob man als Verkaeuferin nicht vielleicht einen Blick in die Kaninchenzuchtabteilung werfen sollte, bevor man sich selbst evakuiert. Und dann fragte ich mich, ob man das internationale Sirenensystem nicht verbessern koennte, so dass jeder gleich weiss, was los ist, anstatt erstmal nur Panik zu verbreiten und jeder fragt jeden, was das Signal bedeutet. Man koennte doch beruehmte Kuenstler mit schoenen Stimmen beauftragen, Katastophen-Mitteilungen auf ein Endlos-Band zu sprechen. Antonio Banderas koennte vor einer Feuersbrunst warnen, Brad Pitt vor einer Cholera Epedemie, Susan Boyle vor einem Erdbeben und Udo Lindenberg vor einer Ueberflutung. Bankueberfall, Vulkanausbruch, Orkan, Tsunami, Lebensmittelvergiftung, wildgewordene Voegel, entlaufene Raubtiere, kreisende Pleitegeier, Chinesische Invasion oder Sprengstoffattentat. Man will ja schliesslich wissen, wovor man sich retten muss und vielleicht hat man ja ein aufblasbares Boot, eine abgesaegte Schrotflinte, ein Chinesisches Woerterbuch oder einen Feuerloescher in der Handtasche.

Und da ich immer noch nicht schlafen konnte, bat ich den lieben Gott noch, den Umkleidekabinen-Designern eine kleine Eingebung zukommen zu lassen und schickte ihm telepathisch meine Liste: ein bisschen mehr Platz, etwas frische Luft, sommerliches Tageslicht, ein nicht erblindeter Ganz-Koerper-Spiegel, eine lange, stabile Kleiderstange, ein Paeckchen Erfrischungstuecher, eine Karaffe mit frischem Wasser, etwas Rosenduft, eine realistische Groessen-Vergleichstabelle aller Laender, eine passende Ablage fuer Handtasche und Schluesselbund und ein Schild: „Bitte alles auf einmal anprobieren!“. Und vielleicht eine Tuere oder ein Vorhang, die richtig schliessen, wenn’s recht ist…

Rueckblick 2010 – Pokahontas!

27 Dec

Personal Note: “I hope you enjoyed my personal highlights 2010 in English. Writing the German version is still easier and more “flowing” … Here is part one!

Teil 1 meiner persoenlichen Hoehepunkte aus 2010! Weitere folgen in Kuerze.

I never seem to run out of topics to write about, I just run out of time to do so! So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Im JUli bekam ich ein e-mail meiner weltreisenden Freundin Angelika ueber die Besessenheit zur Haarentfernung bei Amerikanischen Frauen, welches mich mal wieder inspiriert hat, ueber mein eigenes Leben nachzudenken.

Habe herzlich gelacht ueber Angelika’s “Gestruepp-Entfernungs-Theorie” und bin froh, dass ich zu alt, zu faul und zu arm bin fuer solche Spiraentzchen.

Bikini trage ich auch nicht mehr im Angesicht meines birnenfoermigen Body-Types (gemaess Trinny und Susannahs Buch: „The Body Shape Bible“). Liposuction kann ich mir nicht leisten und mit panischer Angst vor Schmerz kommen auch Botox (ist das nicht ein Nervengift aus dem Vietnam-Krieg?) und Bodylifting nicht in Frage.  Beim total Bodylifting wird in der Taille ein Rundumschnitt gemacht und die Haut wie eine Strumphose hochgezogen, wieder angenaeht und die Reste abgeschnitten. Aus diesem breiten Hautstreifen kann man alles moegliche machen, Roulladen, kuenstliche Lippen, neue Ohren  oder Ente im Speckmantel. Augenbrauen-Lift, Kinn-Implants und Brustvergroesserung kommen ebenfalls nicht in Frage! Somit zupfe ich mir, wenn noetig, selbst das ein oder andere Haar vom Kinn, rasiere bei schoenem Wetter unter den Armen und an den Beinen  – und das muss reichen!

Wie ein anstaendiges Maedchen (nicht wie Brittney Spears!) trage ich auch immer eine Unterhose (gross genug, um damit im Notfall ein Kaninchen zu fangen – man weiss ja nie!), Minirock ist aus Altersgruenden gestrichen, Tanga zu unbequem und durchsichtige Spitze, Selbstgehaekeltes oder transparente Seiden und Chiffons sind nicht mehr mein Stil und tragen sich nicht so gut ab einer gewissen Groesse – da faellt mir doch gerade Schwarzwaelder Schinken ein. Immer, wenn ich ernsthaft ready bin, Vegetarier zu werden, bekomme ich eine Heisshungerattacke auf Schwarzwaelder Schinken mit Graubrot, was natuerlich nicht so einfach zu finden ist in Neuseeland (aber nicht unmoeglich!)! Ist das noch normal oder gehoert das zur Midlife Crisis oder sind das psychosomatische Entzugserscheinungen fuer den Eventual-Fall?   

Erfolgreich haben wir (bei uns mitten im Winter) auch die Fussballweltmeisterschaft mit allen schlaflosen Naechten ueberstanden, und zur Abwechslung war es mal nicht das Hausdarlehen, das mich wach hielt, sondern das aufgeregte Gestoehne und Geschrei  meines fussball-besessenen Mannes aus der selbsschuss-gesicherten Middle-Earth-Zone in meinem Wohnzimmer. Seitdem geht es mir auch wieder etwas besser und was soll immer ueber die Weltwirtschaftskrise nachdenken, wenn der Erfolg von ganzen Fussballnationen auf dem Spiel steht? Habe vergeblich versucht, den wahrsagenden Octopus auf e-bay zu ersteigern. Haette ihn Bernd gerne zu Weihnachten geschenkt, damit er Freitagsabends schon weiss, ob es sich uebehaupt lohnt, Samstags frueh aufzustehen und zum Fussball zu gehen. Und wenn der Octopus mal luegt, kommt er in die Suppe! Man koennte ihn auch gut in der Dusche als Seifenhalter oder Massage-Maschine mit einer handgeschnitzten Wurzelbuerste an jedem Arm nutzen. Wie ich vor kurzem gehoert habe, ist der Octopus ploetzlich und unerwartet verstorben und ins grosse Nirwana des Fussballs uebergesiedelt.     

Mein  49. Geburtstag ging sang-und klanglos vorueber. Habe dieses Jahr niemanden eingeladen und hatte diesbezueglich auch keinen Stress, eine grosse Party zu organisieren. (Vermutlich ein weiteres Anzeichen von Midlife Crisis!) So konnte ich mal in Ruhe mein Auto putzen und in der Garage aufraeumen. Nach ueber 20 Jahren habe ich mir allerdings selbst eine Kaesesahnetorte (nach altem Familienrezept) zubereitet, deren Kalorien ich voller Genuss beim Fruehstueck, Mittagessen und Abendessen zu den „Lovehandles“ an meinen Hueften addiert habe.

Waehrend ich meine Kreditkarte bei der Bank in eine zinsguenstigere umgewandelt habe, erfuhr ich, dass ich in den letzten Jahren hunderte von  Punkten angesammelt hatte, von denen ich nichts wusste und die man in einem Elektronikshop einloesen kann. Selbstlos wie ich bin, habe ich diese zum Wohlsein meines heissgeliebten Ehemannes und zur Bereicherung seiner gesperrten Zone in einen neuen Flachbildschirm umgewandelt. Die Katze hat es schmerzhaft zur Kenntnis genommen, als sie, wie gewohnt, oben drauf springen wollte und erst im freien Flug gemerkt hat, dass da kein Landeplatz mehr fuer ihren achteinhalb Kilo schweren Astralkoerper ist.

Den einzigen Urlaub in den letzten Jahren, hatte ich in 2009, kurz vor Weihnachten heimlich gebucht, um meinen lieben Mann und noch lieberen Sohn unterm Weihnachtsbaum zu ueberraschen. Im Eifer des Weihnachts- und Sommerferien Stresses habe ich es dann total vergessen und den internet-gebuchten Gutschein Anfang Maerz  in einer Schublade wiedergefunden. Gluecklicherweise war die Buchung fuer das Wochenende 26./27. Maerz und somit noch gueltig.  Da Henry seit fast zehn Jahren versucht, seine „langweiligen“ Eltern zum Camping zu animieren, kam mir zur Zeit der Buchung ein Wochenende in einem Indianer-Tipi als die wahre Alternative vor. Wie gesagt, lange gebucht, dann vergessen, dann wiedergefunden und nach einiger Ueberlegung, da die finanzielle Lage zu diesem Zeitpunkt eigentlich keinen Urlaub zuliess, kurzerhand entschieden: Alles Quatsch – Jetzt wird gefahren. Gebucht ist gebucht!

Raglan, ein kleines Oertchen and der Westkueste, 50 km von Hamilton, ist gut in etwa 3 Stunden mit dem Auto zu erreichen.

Gesagt getan, Henry begeistert, Vater eher besorgt, ob seine Fussballmannschaft mal einen Samstag ohne ihn auskommt, Mutter im Stress, alles einzupacken, fuhren wir dann endlich mit meinem alten, vollbepackten Toyota Richtung Sueden.

Nach einer Zigarettenpause fuer Bernie gleich hinter Auckland in einem kleinen Ort, wo ich auf keinen Fall auf dem Rueckweg anhalten werde (und hoffentlich keine Autopanne habe), ging es weiter. Wunderschoene Landschaft, gruene Huegel, Millionen Schafe, abgasverseuchte Lastwagen vor und hinter uns,  und endlich erreichten wir die Huegel- und Buschlandschaft,  in dem unser Indianer-Familienzelt verborgen war.

Allerdings hatte man vergessen, mich darauf hinzuweisen, dass man das Zelt nur zu Fuss erreichen kann, etwa 1 km von der Rezeption und dem Parkplatz entfernt. Aber echte Indianer kennen keinen Schmerz und so machten wir uns auf den Weg. Ueber Stock und Stein, bergauf- und bergab zogen und schoben wir unsere  geraederten Koffer, Taschen, Kartons mit Lebenmitteln, Kleidung fuer jede Wetterlage, Henrys Spielzeugsortiment, sein Fahrrad, meine Literatursammlung und Malutensilien durch Matschpfuetzen, ueber Wurzeln, Schottersteine und vorbei an hoelzernen Wegweisern, die mir gluecklicherweise versichrten, dass wir immer noch auf dem richtigen Weg waren. Mit scheinbar dem letzten Atemzug und nach Verbrauch saemtlicher Kraftreserven, erreichten wir dann endlich die kleine Lichtung auf dem Huegel, wo unser Zelt mit vier anderen, aus dem Gebuesch herausragte.

Angenehm ueberrascht, ueber die frisch bezogenen Betten und die nicht funktionnierende Solarlampe, was das komplette Mobiliar eines Tipis darstellt, liess ich mich aufs Bett fallen und schnappte erstmal eine halbe Stunde nach Luft.  Henry war begeistert und Bernd machte sich doch gleich eine Friedenspfeife an.

Immerhin sah alles sehr romantisch aus, jedes Zelt mit entsprechendem Abstand in einem anderen Gebuesch versteckt und eine offene Gemeinschaftskueche in der Lichtung. Das selbstgebaute Humus-Klo a la Friedensreich Hundertwasser war dort, wo all die Fliegen kreisten. Da kamen Erinnerungen and das kleine Holzhaeuschen in unserem Garten hervor, als wir 1965 ohne Geld, von den Nachbarn aus geschichtlichen Gruenden gehasst und mit drei kleinen Kindern eine Ruine in Belgien bewohnten und uns den Po mit abgerissenen Zeitungsquadraten abputzen mussten. An einem kalten Winterabend auf dem Belgischen Holzbalken habe ich mir geschworen, was aus meinem Leben zu machen, um mir nie wieder den A… auf der Toilette abzufrieren. Und here wer are: 45 Jahre spaeter zahle ich noch $200 fuer das Erlebnis!

Selbst das Duschen mit eiskaltem Wasser kann man mit einer romantischen und offenen Weltsanschauung ueberleben (wenn man nur von Freitags bis Sonntags morgens bleibt). 

So verbrachte Bernd den Rest des Tages damit, durch Rauchen den Welfrieden zu sichern, ich stellte mir vor, wie man hier ueberlebt, wenn es erstmal in Stroemen regnet und Henry suchte Steine und Stoecke im Gebuesch oder bahnte sich eine BMX-Rennstrecke  vom Plumpsklo den Berg runter bis zu unserem Zelt. Wie echte Indianer!

Abends beim Kochen und Essen unter freiem Himmel lernten wir die netten alternativen anderen Indianer kennen, die aus allen moeglichen Laendern kamen  und die es gewohnt sind, sich nicht so haeufig zu waschen und nur mit einem Rucksack durch die Welt zu reisen und sich die Haare aus praktischen Gruenden in Straehnen zu verfilzen. Das macht einen mal wieder nachdenklich, ob man das alles braucht, was man so an Zivilisationsguetern angesammelt hat. Ich glaube jedenfalls nicht, dass sich einer unserer Rastazopf-Indianer-Kollegen nachts im Zelt hin-und herwaelzt und ueber die naechste Einkommensteuerzahlung nachdenkt… Die anderen Indianer brauchten auch nicht fuer das Zelt und das Plumpsklo zu bezahlen, weil sie als Volunteers helfen, aus leeren Weinflaschen, Stroh und Matsch rustikale Huetten zu bauen, damit solche Stadt-Indianer wie wir, dort mal ein „wildes Leben“ ausprobieren koennen. 

Vielleicht sollte man wirklich alles verkaufen und vogelfrei mit einem Rucksack und klebrigem Haar durch die Lande ziehen!

Alle waren sehr nett, so viel frische Luft und ein Glas Wein (zur Unterstuetzung der Weinflaschenbauwerke) unter freiem Himmel machen muede (jedenfalls die aelteren Indianer wie Bernd und mich) und mein llieber Mann fackelt ja da nicht lange, legt sich auf sein Bett und schlaeft tief und fest.

Damit wenigstens ein Erziehungsberechtigter im Stamm den Ueberblick behaelt, und trotz extremer Muedigkeit, musste ich dann versuchen, Henry davon abzuhalten, mit seinem Fahrrad und den selbsgebastelten Pfeilen in stockfinsterer Nacht auf die Jagd zu gehen. Henry ist ein zaeher Bursche und ihn spornt die frische Luft noch mehr an, so dass bei ihm der erste Anschein von Muedigkeit erst nach Mitternacht eintrat.

Dann ging alles sehr schnell, zwei Indianer schnarchen und ich lausche im Dunkeln auf jedes Zirpen, Rascheln, Grummeln, Trapsen und Gemuschel im Gebuesch. Dazu noch die Tatsache, dass das Tipi-Zelt (vermutlich aus Gruenden der umweltfreundlichen Entlueftung) in Hoehe des Bodens rundherum eine ca. 8cm breite offene Spalte hatte und ich mich nicht von der Ueberlegung befreien konnte, welche wilden Saeugetiere durch diese Ritze passen. Bekannt ist Neuseeland ja fuer sein ausgepraegtes Wildlife und die Plage von Possums (eine Mischung zwischen Katze und gen-manipuliertem Hamster mit Stupsnase, braunen Kulleraugen und Krallen wie ein Koalabaer…). Das war die Beschreibung meines abenteurlichen Mannes, der als einziger schon mal Auge um Auge, Zahn um Zahn  im Keller unseres ehemaligen Hauses auf einer Farm mit einem Possum „zu tun“ hatte. Die beiden hatten sich fuer einen Moment gegenseitig in die Augen gestarrt, und dann sind sie total erschrocken und schreiend in unterschiedliche Richtungen gefluechtet. Jedenfalls, nachts werden die Possums munter und suchen sich was zu beissen. Wie haette ich auch nur ein Auge schliessen koennen bei dem Gedanken, dass hunderte tollwuetige, ausgehungerte Possums um mein Zelt schleichen, und vielleicht meinen lieben Mann und noch lieberen Sohn zum Abendessen verspeisen wollen?

Hah!  Pokahontas war auf einer Mission! Kein wildes Biest wird das Eindringen in unser Indianer-Dasein ungestraft ueberleben. Im Geiste sah ich uns schon  zum Fruehstueck knusprige Possumschenkel ueberm offenen Feuer braten. Dann wurde mein imaginaeres Happy-End von allen moeglichen ueberdimensionalen Stechmuecken, Riesenheuschrecken und anderem Krabbelgetier unterbrochen. Immer noch begleitet von zufriedenem und nicht gerade leisem Schnarchen aus dem grossen und kleinen Indianerbett, kam ich mir vor wie ein Einzelkaempfer im Ueberlebenstraining. Je mehr man der Gefahr ins Auge blickt (oder auch nicht, wenn es stockfinster ist und die Solarlaterne streikt), um so groesser wird die Vorstellung von dem, was alles passieren koennte.

Was soll ich sagen? Als der erste Anhauch von Tageslicht im nicht nur unten sondern auch oben offenen Tipi ersichtlich wurde, war ich todmuede, aber erleichert das Ueberleben meines Stammes gesichert zu haben, und unter der eiskalten Dusche im zugigen Holzverschlag kam mir bei einer beginnenden Verstopfung mal wieder die Erkenntnis, dass ich doch mehr ein City-girl bin als ein Alternativ-Aussteiger. Werde doch nicht meine Porzellantoilette gegen ein Gebuesch aus Schlingpflanzen und ein zu Hause unterm Himmelszelt eintauschen!

In der zweiten Nacht, noch mehr verstopft und schwer wie ein Sack,  haette mich sogar ein wilder Baer anfallen oder meinen lieben Mann und noch lieberen Sohn zerfleischen koennen, denn in einem Ansturm von totaler Uebermuedung  war mir dann alles sch….egal – sogar als ich am naechsten Morgen die braune Riesenheuschrecke unter meiner Bettdecke gefunden habe. Kurzer Aufschrei, das wars!

Zum Heissluftballon Festival in Hamilton sind wir dann leider auch nicht gekommen, da Winnitou an solch kulturellen Ereignissen nicht besonders interessiert. Ausserdem hat er das ganze  Wochenende als fuer ihn autofahr-freie Epoche deklariert. Ich wollte mir daraufhin auch die Fahrerei im Dunkeln ersparen  und konnte dadurch vermutlich zum zweiten Mal die Ausrottung meiner gesamten Inidanerfamilie und 22 Possums durch extreme Nachtblindheit  und Totaluebermuedung verhindern.

Henry wird sich noch lange an sein Indianerleben im Busch erinnern, ich war froh, wieder auf meiner eigenen umweltunfreundlichen Klobrille zu sitzen, ohne kleingeschnetzelte Baumstaemme hinterher schuetten zu muessen (Wasserspuelung in der Toilette und heisses Wasser sind schon echter Luxus – man vergisst einfach zu schnell, wie gut es einem doch im taeglichen Leben geht). Und mein lieber Winnitou-Mann fand das Wochenende sehr entspannend!

Beate (Pokahontas)

Tipi - March 2010

18.) Alles easy…!

12 Dec

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  10. Dezember 1999

Heute morgen habe ich meine Massenproduktion an Engeln, muschelbesetzten Bilderrahmen und glitzernden Seeschlangen in einen Koffer gepackt und mit Henry zu Mariannes Shop nach Warkworth gebracht. Sie war begeistert und hat die Souvenirs gleich in ihrem Schaufenster drapiert. Jetzt muessen wir nur noch auf die Touristenbusse aus  Taiwan und Hong Kong warten…

Hier in Neuseeland scheint alles so easy, unkompliziert,  super  freundlich, hilfsbereit und scheinbar ohne Hektik zu sein! Wenn die Leute im Postamt bis zur Tuere Schlange stehen, nutzen sie die Gelegenheit fuer ein Schwaetzchen mit dem Vorder- oder Hintermann (oder –frau). Niemand scheint sich darueber aufzuregen. Geduldig wartet man bis man an der Reihe ist und die Dame von der Post freundlich fragt: “How was your day so far?“ Bin mir noch nicht sicher, ob sie wirklich wissen will, was man schon alles gemacht hat, bevor man zum Postamt gekommen ist oder ob es eine trainierte Freundlichkeitsfloskel ist, die einem suggerieren soll, dass jeder Kunde wichtig ist.

Das erinnert mich wiederum an meine Jugend und die Ausbildung zur Postbeamtin am Schalter fuer benachrichtigte Briefsendungen im Hauptpostamt Koeln. Da sassen wir hinter kugelsicherem Glas (aus gutem Grund!).  Die Kunden in den mehreren parallelen, bis zur Eingangstuere reichenden Schlangen bestanden hauptsaechlich aus Sozialhilfe- und Arbeitslosengeldempfaengern,  Adressaten von Gerichts-Zustellungsurkunden oder sonstigen unerfreulichen, amtlichen  Behoerdenschriftstuecken, die einer besonderen, persoenlichen Aushaendigung gegen Vorlage eines gueltigen Personalausweises bedurften. (Beamtendeutsch – hatte schon fast vergessen, wie sich das anhoert!) Ab und zu war ein Rentner dazwischen, der gerade beim Caritas Kaffeekraenzchen war, als der Brieftraeger vergeblich versuchte, ein anonymes Paeckchen von Beate Uhse zuzustellen. Wenn sich die Postkunden innerhalb der Schlangen erstmal gegenseitig aufgewiegelt und sich darueber geeinigt hatten , dass es eine Zumutung ist, seine  staatliche Unterstuetzung beim Postamt abholen zu  muessen, da man ueberhaupt keine Zeit dafuer hat, weil man definitiv „was besseres zu tun hat“….  –  und wenn sich dann einer von uns staatlich vereidigten  mit Bundesadler beurkundeten Postbeamten im mittleren Dienst erlaubte, nach 7 Stunden BBS (Beschimpfungs- und Beschwerden Schicht) sein Plastikschild „voruebergehend geschlossen“ rauszustellen, um eine wohlverdiente Tasse Kaffee zu trinken in der von der deutschen Postgewerkschaft heiss erkaempften 15 Minuten-Pause, ja dann war die Revolution kurz vor dem Ausbruch und der Sturm auf die Bastille unabwendbar. Und wir waren heilfroh, dass unsere Schalter  Panzerglas gesichert waren!  Und der jenige von uns, der mit seiner Thermoskanne im staubigen Hinterzimmer zwischen grauen Saecken voller Behoerdenpost und Tuermen aus gestapelten Paeckchen von anonymen Versendern sass, traeumte  von der idealen, heilen Welt, in der sich alle Leute gut verstehen, geduldig sind, sich gegenseitig freundlich und respektvoll behandeln und von einem Arbeitsplatz, wo man nicht waehrend seiner amtlichen Pflichterfuellung beschimpft und bedroht wird!

Und da ich von Natur aus ein humorvoller Mensch bin, habe ich mir eines Tages erlaubt, ein winziges Papierschild in meinen Schalter zu haengen (just for fun!), das einen skizierten Gorillakopf mit den Worten: „Wir lieben Sonderwuensche!“ zeigte. Auf diese Weise wurde ich schon im zweiten Ausbildungsjahr mit einem hochofiziellen Eintrag in die Personalakte belohnt, weil sich eine aeltere Dame bereits innerhalb der ersten Stunde meines Aushangs persoenlich beleidigt fuehlte und umgehend das Oberpostministerium informierte! Die Entscheidung, gleich nach „erfolgreichem Abschluss“ meiner humorlosen Ausbildung einen neuen Karrierepfad einzuschlagen, ist mir nicht schwer gefallen!

Und hier bin ich nun mittendrin in der kleinen, heilen Welt, von der ich 1979 hinter schusssicherem Glas im Koelner Postamt getraeumt hatte:   Postamt Orewa in Neuseeland – Henry im Kinderwagen, Schlange bis zur Tuere raus und friedvoll  nutze ich die Zeit, mir in gebrochenem Englisch eine Kurzfassung meines bisherigen Tagesablaufs zurechtzulegen, um die Dame am Postschalter nicht zu enttaeuschen, wenn sie mich fragt, „…and how was your day so far?“

Auch im Cafe um die Ecke wird der Italienische Capuccino, einer nach dem anderen,  liebevoll und geduldig zubereitet. Ohne Stress wird die  bis zur Bauschaum-Konsistenz turbo-aufgeschaeumte Milch mit einem winzigen Loeffelchen in der Tasse zu einem Turm drapiert.  Nach einer Weile ist es nicht mehr peinlich , wenn 27 Leute hinter einem an der Kasse warten. Nein, man gewoehnt sich daran und freut sich darueber, dass keiner schimpft, sonderm mit offenem Mund die Loeffelchen mitzaehlt, bis der weisse Turm auf der Kaffetasse an Antoni Gaudis architektonische Meisterwerke  in Madrid erinnern.  Und dann darf man sich auch noch aussuchen, ob  man Kakaopuder oder Zimt draufgestreut haben moechte. Zur Steigerung der ganzen Zeremonie wird das Pulver anhand einer Schablone als florales Ornament auf dem weissen Turm dekoriert. Es kostet schon etwas Ueberwindung, das ganze Art-Gebilde mit einem Schluck zu zerstoeren und die Fragmente mit der Serviette von Nasenspitze und Kinn zu entfernen.   Das ist Kaffee, den man einfach geniessen muss, auch wenn man ihn vor lauter Schaum und Dekoration in der Tasse kaum findet. Wenn man ihn dann endlich erreicht, ist er so stark, dass er den gesamten Herzrhytmus aus der Bahn wirft. Das legt sich wiederum nach  einer halben Stunde und sobald sich der Herzmuskel wieder entspannt hat, kann man extrem energie-beladen und wie ein batterie-betriebenes rosa Plueschkaninchen weiter seinen Shopping-Aktivitaeten nachgehen.

Mit dem Autofahren klappt es inzwischen auch ganz gut. Mir ist allerdings aufgefallen, dass ueberall die Strassenmarkierungen erneuert werden. Hoffentlich nicht wegen mir!!!

Ab und zu eier ich mal zu weit nach links ins Gruene oder mache einen kleinen Abstecher auf die Gegenfahrbahn. Aber hier ist ja nicht so viel Verkehr, da faellt es kaum auf. Das Ueberschreiten der Mittellinie zur Gegenfahrbahn ist mir persoenlich lieber als das Ausweichen ins Gruene, weil die Abgruende auf der linken Seite oft ins Nichts oder gegen Unendlich gehen und manchmal  schon einen Meter neben der Fahrbahn anfangen. Besonders, wenn ich von Orewa nach Warkworth fahre,  muss ich mich beim Lenken einfach ein bisschen mehr beherrschen.  Auf Supermarkt Parkplaetzen, wenn ich mich  im Geiste noch mal auf meine Einkaufsliste besinne, fahre ich auch schon mal auf der falschen Seite. Aber dann kommt mir immer ein hoeflicher „Geisterfahrer“ entgegen und winkt mich wieder auf die richtige Bahn. Hupen und Schimpfen ist nicht ueblich! Bei meiner gestrigen Tour nach Albany standen ploetzlich ein paar junge Leute links und rechts an der Fahrbahn und winkten mit Taschentuechern. Huch, dachte ich, sind die aber freundlich, jetzt winken sie uns schon zum Empfang.  Aber ein Stueck weiter umfuhren wir den Grund des Winkens. Hier waren sich auch zwei Fahrer nicht einig gewesen, wer von ihnen der Geisterfahrer ist.

Heute nachmittg war ich mit Henry noch bei der Kinderaerztin. Sie war sehr nett und Henry war ein Musterkind. Als sie sein kleines Organ, das ihn von einem Maedchen unterscheidet, untersuchte, hat er laut gelacht!?! Das hat er auch schon selbst als sehr interessantes Spielzeug entdeckt. Jedesmal, wenn ich ihm die Windel wechsele schnappt er sich das Objekt der Begierde mit der llinken Hand, zieht daran und versucht es in seinen Mund zu stecken. Gott sei dank ist die Flexibilitaet und Elastizitaet bestimmter Koerperteile begrenzt und es kommt nicht soweit. Auf diese Art und Weise habe ich aber auch festgestellt, dass Henry (jetzt 5 Monate alt und 7.8kg schwer) vermutlich Linkshaender ist.  Ich hatte keine Ahnung, dass man das schon so frueh sehen kann, aber meine mehr erfahrene Freundin, die vier Kinder hat, nannte mir einen guten Trick, um das rauszufinden. „Halte einfach seine linke Hand fest und sieh, ober er mit der Rechten danach greift????“ Der Test hoerte sich gut an, taugte aber nichts in der Praxis. Als ich eines morgens vor dem Anziehen Henrys linke Hand festhielt, hat er einfach nach rechts aufs Bett gepinkeltl! Soviel zu Theorie und Praxis und Links- oder Rechtshaendern. Wieso wird ein Kind Linkshaender, wenn beide Eltern Rechtshaender sind?  

Zum Abschluss unseres Tages haben wir Sushi gekauft, und es fasziniert mich immer wieder, wie die Japaner den Reis so klebrig machen. Ist auch erstaunlich, was die da so alles reinrollen:  Avocado, Lachs, Huehnchen (natuerlich keine ganzen!), Spargel, Krabben, Gemuese etc. – und das haelt bombenfest!  Dann muss man versuchen, das Roellchen einigermassen elegant mit zwei Holzstaebchen zuerst in die Soya Sauce zu tunken und dann geschickt „into the mouth“ zu jonglieren. Die Suhi Roellchen, die waehrend dieser akrobatischen Versuche unter den Tisch fallen, darf man mit den Fingern wieder aufheben.  Immer offen fuer Neues, habe ich eins der klebrigen Roellchen meisterhaft mit dem Holzwerkzeug in die mitgelieferte, noch gruenere Paste (etwas geizig in der Menge…) getunkt und elegant versucht, ein kleines Haeppchen abzubeissen. Hatte keine Ahnung, was das fuer ein gruenes Teufelszeug ist! Nach 10 Minuten Atemstillstand, Wasserausbruch aus Augen, Nase und anderen Koerperoeffnungen sowie Verbrennungen dritten Grades auf der Zunge und Aetzwunden an der Oberlippe, kam ich wieder zur Besinnung. Einmal zur Hoelle und zurueck! Ich bin mir sicher,  dass man mit dem Zeug auch Rostflecken am Auto entfernen oder Loecher in Eisentraeger brennen kann. Noch sicherer bin ich,  dass ich nie wieder Herpes an der Lippe haben werde. Und falls mein Mund jemals verheilt werde ich beim naechsten Sushi Einkauf dankend ablehnen, wenn mir mit einer freundlicher Geste aus dem Land des Laechelns WASABI angeboten wird!

 

Fortsetzung folgt…

Beate Minderjahn

 

Personal Note:  At least it is summer in New Zealand now, my son Henry graduated from Primary school on Friday, my Kids Christmas craft workshops will finish next week, I have organised my Holiday Art & Craft programme for January and after one more busy week I will soon have some time to prepare for Christmas with my family.  I am really looking forward to go to the beach with Henry,  going for long walks, starting my goal setting and planning for 2011 and just relaxing and enjoying the sunshine, BBQ and a glass of wine from time to time. 

Yesterday morning I went to the beach with my camera and I realised again, how lucky I am to live here: 

 

 

 

 

 

 

 

So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

17.) Goldene Engel…!

28 Oct

 

Personal Note: “While I am working on the “Basic Design Elements”,  just another short story for my German readers about our Immigration to New Zealand in 1999. 

So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate

 

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  9. Dezember 1999

Bin nun in die Massenproduktion von kleinen goldenen Nuss-Engelchen eingetreten. Vor  ein paar Tagen habe ich Marianne in ihrem kleinen Shop in Warkworth besucht und ihr meine Weihnachtsengelchen und Muschelgebilde gezeigt.  Sie war begeistert und hat vorgeschlagen, sie in ihrem shop zu verkaufen. Habe natuerlich dankend angenommen.

Ab nach Hause und die Produktion laeuft auf Hochtouren. Gerade hat meine Klebepistole den Geist aufgegeben. Sie war dieser Massenproduktion nicht gewachsen. Henry hat auch schon aufgegeben und  ist sang- und klanglos eingeschlafen. Vermutlich traeumt er nun von kleinen goldenen Engelchen, die um seinen Kopf flattern.

Um die Nuss-Engel in Spitze zu huellen (koennen ja schliesslich nicht nackt am Weihnachtsbaum haengen), habe ich mich im Hospiz-Shop nach weiss und rosa farbenen Negligees umgesehen. In diesem Shop werden alle Moebel, Kleider und  Haushaltsgegenstaende von Leuten zum Verkauf gespendet, und das Geld wird zur Fuehrung des Sterbehauses genutzt. Nicht, dass es in diesem Shop eine grosse Auswahl an Reizwaesche gaebe, aber hier und da bekommen sie mal eine derartige Spende zwischen anderen Textilien und die freiwilligen Helferdamen aus dem Seniorenheim lassen diese hinter den Kleidern, unten im  Regal, versteckt in einem Karton mit der kaum lesbaren Aufschrift „Lingerie“ verschwinden. Auf diese Weise sind die „verruchten“ Objekte nicht fuer jedermann sichtbar und bleiben vor allem vor unschuldigen Kinderaugen verborgen. Achtzig Prozent der Kunden koennen sich altersbedingt sowieso nicht mehr buecken und die anderen zwanzig Prozent sind nicht interessiert. Und dann kam ich!

Die alten Damen haben mich genauestens observiert, als ich unten ins Regal gekrochen bin, habe den Karton vorgezogen und alles auseinander gepflueckt. Ein wenig Getuschel hinter meinem Ruecken und die mitleidigen Blicke auf das arme Baby in meinem Kinderwagen konnten mich nicht daran hindern, alles auf dem Boden auszubreiten und in Ruhe meine Business-Entscheidungen zu treffen. Ich will ja schliesslich eine optimale Gewinnspanne erzielen bei meiner Engel-Produktion.

Nachdem andere Kunden um meinen diversen sortierten Waeschehaufen kopfschuettelnd und slalomartig ausweichen mussten, hat sich das Geh-Hilfegestell eines sehr interessierten aelteren Herrn in einem spitzenbesetzten Fummel verheddert und ich hatte auf dem Boden kriechend meine liebe Muehe, ihn aus diesen Fangarmen zu befreien.  Dann deutete eine juengere Frau in grauer Jogginghose und extrem zu engem T-Shirt mit zwei Dreijaehrigen (offensichtlich Zwillinge) im Schlepptau auf ein kleines rotes Nichts (aus meinem Stapel „Unmoeglich“) und meinte: „That one looks great!“.  Ich bedankte mich in gebrochenem English fuer die freundliche Unterstuetzung und sortierte weiter in meiner Kollektion.

Meine Guete! Die Damen haben mich vielleicht angerstarrt, als ich mit meinem Sortiment an  durchsichtigen „Dessous“ aus reinem  Polyester  zur Kasse kam. Weiss der Teufel, was sie gedacht haben. Vielleicht haben sie Business vermutet, aber auf eine Engel-Produktion waeren sie sicherlich nicht gekommen. Und dieses mal haben sie mir anstandshalber ihre Lieblingsfrage „what do you need it for?“ erspart. Eine adrette Achtzigjaehrige im gebluemten Sommerkleid mit rotem Guertel hat mir dann wissend zugezwinkert und die Waesche fein saeuberlich, in einer Art Zeremonie und fuer jeden in der Schlange hinter mir ersichtlich, gefaltet, jede Lage mit der Hand flachgestrichen und in einer eigens dafuer ausgewaehlten, gebrauchten, rosa Plastiktuete verstaut. Mit den Worten: „You go for it, Darling!“ (?!?) hat sie mir die zwei Dollar Wechselgeld in die Hand gedrueckt und meinem Baby Henry ein zustimmendes Kopfnicken angedeutet, was vermutlich soviel heisst wie: “Mach Dir keine Sorgen Kleiner, Dein Bruder ist bald in Bearbeitung“. Hm, whatever!  

Immerhin spare ich Geld, wenn ich die Spitze an diesen Teilen  abschneide und recycle (nach einer guten Waesche in meiner Monster-Maschine) anstatt sie per Meter neu zu kaufen. Ich muss auf jeden Fall den Break-Even-Point im Auge behalten, wofuer habe ich schliesslich Betriebswirtschaft studiert.

Nun habe ich genug verfuehrerische Spitze, um Tausende von Nussengelchen herzustellen (und Santa Claus zu bezirzen), aber leider nicht genug Nuesse. Nachdem ich  schon alle Wal- und Haselnuesse, alle Mandeln und Kastanien im Ort aufgekauft habe, wundert man sich sicher ueber unseren extremen Nuss-Konsum. Falls das Computersystem des Supermarktes mit  automatischer Lagerverwaltung, Umsatzwahrscheinlichkeitssanalyse  und elektronischer Nachbestellung bei Erreichen des Mindestbestandes ausgestattet ist, wird dort sicher bald ein ganzer Container von Nuessen aus aller Welt angeliefert.

Ach, ich traeume so vor mich hin (vielleicht Hausfrauen-Krise) und stelle mir vor, wie ich die ganze Welt mit Nussengelchen begluecke. Sie wuerden von Touristen nach China, Korea, Japan, Amerika, Alsaka und sogar auf die Osterinseln ausgefuehrt. Ich hoffe es jedenfalls, damit ich ein paar Dollar verdiene und das blosse Hausfrauen- und Mutter-Dasein ein Ende hat. Dann brauche ich mich auch nicht mehr mit der monstroesen Waschmaschine zu unterhalten und sie anzuflehen, keine Fusseln auf meiner Unterwaesche zu drapieren, waehrend  mein Mann auf der Baustelle in Albany arbeitet und dort wegen seines schwarzen, gezwirbelten Schnurrbarts als „the Mexican Plumber“ bestaunt wird.

Meine neueste Kreation ist ein Nussengel, der auf einer Muschel steht, selbsgefunden am Strand.  Habe voll die kreative Phase und kann vor Aufregung nachts nicht schlafen… 

Waehrend ich so durch die Negligees schneide und von einer himmlischen Karriere traeume, kommt mein lieber Mexikaner  von der Arbeit nach Hause und wundert sich, warum an der Tuerklinke zwanzig Engel haengen. Irgenwie ist das ganze Haus von goldenen Engeln bevoelkert und vor lauter Nuessen habe ich vergessen, etwas zum Abendessen zu kochen. Der falsche Mexikaner  hat sich gleich ueber meine Engelsproduktion lustig gemacht und gefragt: „Wer kauft denn sowas?“  Typisch Mann!   Irgendwann waehrend der letzten 12 Jahre unserer Beziehung muss er mal zu dem Schluss gekommen sein, dass ich eine kleine Neigung zur Uebertreibung habe, was ich wiederum ueberhaupt nicht nachvollziehen kann.  

Na, der wird sich noch wundern, wenn ich erstmal eine grosse Fabrik habe, in der 300 ausgebildete Arbeiter kleine Engel basteln, wenn ich viermal pro Jahr nach Suedamerika fliege, um die Qualitaetskontrolle auf meinen eigenen Nussplantagen vorzunehmen und  wenn ich einmal im Jahr zum Nordpol reise, um auf der internationalen Weihnachtsdekorations-Konferenz eine Rede zu halten.  Wenn die erste Million auf meinem Konto ist…. Henry schicke ich in ein Internat in der Schweiz (damit was aus ihm wird und er sieben Sprachen spricht, wenn er sein Abitur in der Tasche hat) … ich fliege ab und zu mit meinem Privatjet nach Deutschland, um meine „alten“  Freundinnen beim Kaffee zu ueberraschen… kaufe mir endlich das kleine Schwarze von Dior…. und mein Mann bekommt eine echt goldene Pumpenzange zu Weihnachten. Dann wollen wir mal sehen, wer da lacht! Dass es heute kein Abendessen gibt, fand er allerdings nicht so  lustig!

Bei improvisiertet Brotzeit (man ist ja flexible) habe ich Bernd die freudige Mitteilung gemacht,  dass die Spedition  unseren heiss ersehnten Container mit 2000 household goods am 21. Dezember (wie ein Weihnachtsgeschenk) in das von uns gemietete Lager nach Silverdale liefert. Wir hatten Glueck, dass die Behoerde offiziell auf eine Zollinspektion (die fuer uns auch noch kostenpflichtig gewesen waere) verzichtet hat. Wahrscheinlich waren sie von meinen ehrlichen Antworten in ihrem hunderseitigen Fragenkatalog beeindruckt, in dem ich freimuetig den Import von Heckenschere, Staubsauger (ohne Beutel) und Weihnachtsschmuck angekreuzt habe. Ich war auch schon in Silverdale und habe der netten Dame im Office bestaetigt, wann unser Container ankommt. Wir hatten in freudiger Erwartung das Lager schon ab 4. Dezember reserviert.

Und nun sitzen wir beim Abendbrot und sind mal wieder sehr beeindruckt, wie einfach hier Vieles gehandhabt wird.  Die Office-Dame vom Lager sagte, es sei kein Problem und wir muessen erst bezahlen, wenn wir den Raum tatsaechlich nutzen. Das nenne ich kulant! Vorbei sind die Zeiten „Vertrag ist Vertrag und die Miete ist im Voraus faellig!“ – Das liebe ich an diesem Land!

 

Fortsetzung folgt…

Beate Minderjahn

 

16.) Kunst-Studium…!

21 Oct

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  30. November 1999

Am Sonntag musste ich meinen lieben Mann eine Stunde dazu ueberreden, mit uns eine Kunstausstellung zu besuchen. Man will sich ja schliesslich nicht den kulturellen Ereignissen verschliessen in der neuen Heimat. Etwa 15 km von hier gibt es eine Kunstschule, die regelmaessig mit einer Ausstellung (Tag der offenen Tuer) wirbt und dass ihr Kunststudium jetzt ofiziell anerkannt wird. Seit Wochen habe ich die ausgeschnittene Annonce am Kuehlschrank haengen, damit ich dieses Ereignis nicht verpasse, welches vielleicht meine gesamte zukuenftige „Karriere“ beeinflussen koennte. Bernd konnte ich nur damit koedern, dass er im Gegenzug morgens lange schlafen kann. Als wir dann endlich am fruehen Nachmittag alles inklusive Kind und Kegel und Kinderwagen eingepackt hatten, hoerte es sogar fuer einen Moment auf zu regnen und wir fuhren los. Erst auf der Schnellstrasse Richtung Norden, dann bis zu einem grossen Hinweisschild „ Art-and Craft School“. Wenn man das Schild sieht, ist es auch schon zu spaet zum Bremsen, sonst hat man mindestens zwei Fahrzeuge hinter sich im Kofferraum verknotet. Also weiter bis zur nachsten Wendegelegenheit, eine halbe Stunde warten bis die Strasse frei ist und dann wieder in die andere Richtung. Kurze Vollbremsung vor der Einfahrt und weiter geht es durch den Matsch. Das ganze Gelaende besteht aus Busch, Farn, Palmen, Schlingpflanzen, Moos, Gras, Wald und Wiesen. Auf einem einspurigen Schotterweg faehrt man bis zu einer voellig unbefestigten Bruecke ueber einem reissenden Fluss und dann weiter den Berg hinauf ins Niemandsland.

Und siehe da, mitten im Gebuesch befinden sich zwei Bretterbuden, an denen granz gross die Kunstausstellung angepriesen wird. Ist bestimmt eine kuenstlerische Herausforderung, die Werke in Bezug zur Natur zu repraesentieren. Hatte mir gestern fuer $19.95 eine paar neue Schuhe (schwarz, offen, hoher Absatz) gekauft, die ich heute zur Feier des Tages einweihte (besser gesagt: einweichte). Nachdem wir den schlafenden Henry mit seinem Kindersitz aus dem Auto geschaelt haben und ein Platzregen auf uns nieder ging, mussten wir den Schotterweg unter Lebensgefahr (wegen meiner neuen hohen Schuhe) wieder ein Stueck hinunter laufen.

In der ersten Bretterbude hingen sie nun, die lang angepriesenen Kunstwerke: Oil on Canvas, Acrylic on board, Pottery, Skulpturen, Schmuckdesign,  Holz- und Tonfiguren, Collagen und mondaene Drahtgebilde. Am Eingang drueckte man uns eine Nummern- und Kuenstlerliste mit Preisangaben in die Hand.  Mit dem Gedanken im Hintergrund, hier vielleicht ein Kunststudium zu absolvieren, beaeugte ich kritisch die einzelnen Werke.  Manche erinnerten and die Malerei  wildgewordene Kindergartenkinder, denen mittten im Malen die Farbe ausging, die Tonwerke haeetten meines Erachtens ebenfalls abstrakte Studien aus dem Kindergarten sein koennen, die von den Kleinen mit ein paar gekonnten Patschehaendchengriffen erzeugt wurden. Den Slulpturen aus Stein war ihre Intention weder zu entlocken noch mit viel Phantasie zu erahnen. Die Muehe, die Kunstwerke zu interpretieren hat sich nur Henry gemacht, der zwischenzeitlich aufwachte und interessiert aus dem Kinderwagen schaute. Dann hat er mal laut in die Runde gegaehnt, einen eleganten Pupser abgeschickt und weitergeschlafen. Das einzige Stuedck in der Schmuckvirtrine, das mich tatsaechlich beeindruckte, war ein Metallring, auf dem zur Verzierung ein nach vorne und hinten stark ausgepraegter nagelaehnlicher Pfeil aufgeschweisst war. Und, man glaubt es kaum, auch noch einer, der nach oben zeigt. Dieser Ring hatte etwas Besonderes und etwas Praktisches. Er schuetzt vor Vampiren und Triebtaetern, man koennte damit feindliche Autoreifen zerstechen, Milchdosen oeffnen, einaeugigen Banditen das zweite Auge ausstechen oder kleine  Sushi Haeppchen servieren. Da habe ich natuerlich mal schnell auf die Preisliste geschielt, aber leider stand dort nur  „nfs“. Ich schloss daraus, „not for sale“  und verliess enttaeuscht die Ausstellungsbude. In die Zweite wollte Bernd schon nicht mehr mit hinein (Kulturbanause!) und blieb mit Henry im Wald stehen, um eine Zigarette zu Rauchen.  Also ging ich alleine weiter und waere in der Huette um ein Haar mit meinen High Heels in einer Pfuetze ausgerutscht. Es regnete an mehreren Stellen durch und die Erfindung des Eimers ist noch nicht bis hier gedrungen (oder Eimer werden hier fuer „andere Geschaefte“ gebraucht). Haette mir fast im Namen der Kunst den Hals gebrochen, ist aber gerade nochmal gut gegangen. Doch dann hat mir die Collage einer Kuenstlerin besonders imponiert. Sie hatte vermutlich aus dem Nachlass ihrer Grossmutter drei Handtaschen gewaehlt und diese fein saeuberlich in Reih und Glied auf einer grossen Holzplatte befestigt, das gesamte Werk weiss angepinselt und fertig! Die Idee koennte mich inspirieren und zu weiteren Mixed Media Collagen anregen (drei weisse Tarantulas auf Holzbrett…)

 

Hoeflicherweise haben Bernd und ich die kuenstlerische Diskussion erst bei der Rueckkehr zum Auto gestartet (man weiss ja nie, ob einer Deutsch versteht) und waren uns einig: Uns fehlt einfach das Vestaendnis und die tiefere Empfindungsfaehigkeit fuer diese moderne Kunst und ihre Auslaeufer. Natuerlich sind das nur rein subjektive Ansichten, und als absoluter Fan von abstrakter Kunst und in Anbetracht einer geplanten, ernsthaften Karriere als Kuenstler, erlaube ich mir diese persoenliche Bewertung.  Und dann war ich mir nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee ist, dort (im Gebuesch) ein dreijaehriges Kunststudium (bei Regen in der Bretterbude) zu absolvieren. Aber vielleicht koennte ich damit im Ausland gross auftrumpfen: „Dreijaehriges Kunststudium in Neuseeland bei Professor Bush and his hungry Forest-students“.  Vielleicht koennte ich sogar mein Baby zu den „Vorlesungen unter erschwerten Bedingungen und unter Einsatz meines Lebens (gemein-gefaehrliche Schuhe!)“ mirbringen. Und wenn er da schreit, schiebe ich ihn einfach tiefer ins Gebuesch und keiner merkt es. Stelle mir vor, wie meine Objekte aus alten Schuhen, leeren Nagellackflaschen, getrockneten Fischkoedern und Bernds leeren Coladosen in Berlin, Muenchen und Leipzig von der Fachwelt bestaunt und von Kunstsammlern hoch bezahlt werden. Zur Kroenung meiner Popularitaet und zur Steigerung meines Millioneneinkommens fielen mir bestimmt noch weitere hochkomplizierte Installationan aus Kupferfitttings, Strandgut und Kaesehaeppchen ein, so dass den abstrakten Kunstkritikern Hoeren und Sehen verginge. Weltweit verteilten sich meine Werke in allen namhaften Museen und ein paar wuerde ich fuer den einen oder anderen guten Zweck spenden (Haifische in Not oder gequaalte Seepferdchen). Waere eine ernste Ueberlegung wert, das mit dem ofiziell anerkannten Studium. Muesste allerdings vorher in festes Schuhwerk oder Gummistiefel und wasserdichte Kleidung investieren…

Muss ich mal drueber schlafen….

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn