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10.) Erster Arbeitstag!

30 Aug

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland 23. November 1999

Was fuer eine Nacht! Mal wieder kaum ein Auge zugetan, da Bernd ziemlich nervoes war und immer wieder aufstand, Fernseher an, Fernseher aus… habe mich auch nur hin- und her gewaelzt, bin nochmal eingeschlafen und wieder aufgewacht und haette dann um ein Haar verschlafen, trotz der Oberaufsicht ueber den Wecker. Um 6 Uhr morgens hatte ich dann meine liebe Muehe, den sehr schlaefrigen Rohrexperten aus seiner Tieftraumphase zu reissen und den notwendigen Enthusiasmus hervorzurufen, um den langersehnten ersten Arbeitstag anzutreten.

Ich war froh, als er endlich bewaffnet mit roter Pumpenzange, saueberlich geklapptem Zollstock und frisch gespitztem Baustellen-Bleistift (alles aus dem Handgepaeck im Flugzeug – man weiss ja nie!) im Hauseingang stand. Dann habe ich ihm noch schnell die nagelneue, frisch polierte Alu-Thermoskanne mit Kaffee und die Mini-Kuehlbox mit Sandwichs und der ersten Ausfertigung selbstgebackener Schoko-Muffins unter den Arm geklemmt und gegen 7.10 Uhr ist er endlich mit seinem kleinen weissen Kombi losgeduest. Pflichtbewusst, ordentlich, sauber und gut organisiert, wie wir Deutschen eben so sind…. (Hoffentlich war meine Nachbarin um die Uhrzeit schon hinter der Gardine!).

Voellig erledigt habe ich mich dann noch mal in mein Bettchen geschlichen und in tiefer Meditation und mit positiven Affirmationen habe ich mir einen schoenen, gemuetlichen Haushaltstag herbeigewuenscht, an dem man mal alles bearbeiten kann, was am Einkaufswochenende liegen blieb – so ganz in Ruhe…

Auch das kleine Kruemelmonster Henry konnte sich nicht von seiner neuen, brotmesser-angepassten Matratze trennen. Um 10 Uhr morgens habe ich mal nachgesehen, ob er noch atmet und ihn aus seiner 27. Baby-Traumphase in die Realitaet zureuckgeholt. Zum Dank dafuer hat er mich den ganzen Vormittag angeschrien. Naechstes Mal lasse ich ihn schlafen, bis er vom Schlafen zu muede ist um zu schreien! Vermutlich ist es ihm jetzt noch langweiliger, ohne Papa. Ich habe ihm saemtliche CDs vorgespielt, selbst Wolfgang Petri (what? – Abschiedsgeschenk unserer Freunde, falls wir mal Heimweh haben ?!?), aber ich konnte ihn nicht beruhigen. Daraufhin habe ich selbst gesungen, getanzt, Kasperle Theater gespielt, beruehmte Persoenlichkeiten (wie Dolly Parton) imitiert, saemtliche Stofftiere aufgereiht, Englische Namen aus dem Telefonbuch vorgelesen, Tee, Kaffee mit Milch und Orangensaft serviert, Bungee Jumping von der Terrasse, dem Dinosaurier in der Garage akrobatische Kunststuecke beigebracht, neue Windel – alles vergebens. Da hilft nur noch Heino! Und die CD haben wir natuerlich nicht mitgebracht! (Liebe Heino-Fans: Auch das soll keine Abwertung sein sondern waere der letzte Versuch gewesen!)

Das Hausfrauen-Dasein ist leider nicht so gut fuer meine (Suppenkellen-) Koerperform. Die Kategorien Apfel oder Birne treffen seit der Geburt von Henry nicht mehr auf meinen Body zu. Hatte mir am Wochenende extra eine Waage gekauft, damit ich keinen Schock bekomme, wenn die alte Waage uebers Meer geschippert kommt. Und als ich mich draufstellte, raste die Anzeige im Kreis und blieb bei 170!!!!!!! stehen. 170 was?????? Zum Glueck waren es keine Kilos, aber ich habe keine Ahnung, was es ist, steht nicht dran. Frueher im Mathe-Unterricht hatte Lehrer Lembke immer geschrien „Hosenknoepfe oder was?“, wenn man die Einheit hinter der Zahl vergessen hatte. Muss mir unbedingt ein Rezeptbuch fuer Diaet-Muffins besorgen.

Gegen Mittag hatte sich nicht nur mein Baby-Sohn, sondern auch mal wieder das ganze technische Equipment gegen mich verschworen. Erst kommt meine Waschmaschine wieder mit dem alten Fusseltrick, mit dem selbst die neue Fusselbuerste aus dem $2-Shop ueberfordert ist. Das beruehmte Fusselsieb habe ich bis heute nicht an diesem gehaessigen Turbo-zum-Fenster-raus-Schleuder-Geraet gefunden! Nehme an, dieses hinterlistige Biest sammelt die Fusseln bei Weisswaesche und Handtuechern ein, versteckt sie heimlich irgendwo (am Sieb) und wartet auf meine dunkle Waesche, um sie mit Milliarden von mikro-organischen Fadenwuermchen zu uebersaehen. Muss mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen, um dieses streitsuechtige Ungetuem zu baendigen. Oder ich wandere aus. Irgenwo auf der Welt muss es doch ein Fleckchen geben, wo immer die Sonne scheint und die Leute nackt rumlaufen, so dass man keine Waschmaschine braucht!

Henrys Laune hat sich auch am Nachmittag nicht gebessert und ich nehme an, er hat beschlossen, einen dauergrantigen „Kann-Dich-nicht-leiden“ Tag einzulegen. Er hat nur gejammert, geschrien, wollte nichts essen. Als er dann endlich mal an der Flasche gesaugt hat, ist er nach drei Schlucken eingeschlafen, um nach 10 Minuten (endlich mal Ruhe – schoener Traum!) wieder aufzuwachen und weiter zu schreien. Haette ihn am liebsten in meinen neuen gruenen Plastik-Putzeimer gesetzt, ihm einen kleinen Schubs gegeben und ihn aufs offene Meer driften lassen – auf Nimmer-Wiedersehen! Und ich wollte immer fuenf Kinder haben…. (What was I thinking????).

Und was hatte ich mir alles vorgenommen…. Meinen kompletten Haushalt hatte ich im Traum des friedlichen Morgenschlaefchens so perfekt organisiert und erledigt. Haette mir in Deutschland (als gestresste Karriere-Frau mit Haushaltshilfe) nicht vorstellen koennen, dass ich jemals Kuechentuecher und Unterhosen buegele. War ja auch nur ein schoener Traum. Vielleicht kriege ich schon den Hausfrauenwahn oder eine sogenannte Kuechen-Kollik!

Die amselaehnlichen Tiefflieger, die so schoen ihre Brut in unserer Dachrinne aufgezogen hatten, muessen das Nest wohl untervermietet haben. Jetzt nistet dort ein anderes Vogelpaerchen -eine Nummer kleiner- und wirft uns ihr altes Baumaterial vor die Terrassentuere. Hatte gehofft, dass die Vogelkack-Attacken bis zur Eroeffnung der Grillsaison beendet sind. War wohl nix! Habe aber keine Lust, mir jedesmal deren Exkremente vom Steak zu kratzen, bis die kleinen Flugsaurier endlich wissen, wofuer ihnen die Fluegel gewachsen sind. Eine Galgenfrist haben sie noch (bis es 24 Grad im Schatten ist).

Gegen Abend und nachdem gerade noch mein halbes Nachthemd am Buegeleisen kleben blieb, dachte ich mir, kochst Du eben mal ein paar Nudeln (beruhigt die Nerven und soll auch gluecklich machen….) und genehmigst Dir dabei ein Glaesschen Rotwein aus dem praktischen 3-Liter Container bis Dein lieber Mann nach Hause kommt. Dieser Patentfaesschen-Sonderverschluss ist einfach genial, vorausgesetzt, man weiss genau wie er funktioniert. Ich dachte jedenfalls, es zu wissen, weil ich Bernd immer aufmerksam beobachtet hatte, wenn er mir hoeflich und fachmaennisch ein Glaesschen zapfte. Heute wollte ich das mal ganz alleine machen (man will als Frau ja nicht immer abhaengig sein). Aber irgendwie hat sich dieser Kunststoffnippel beim Eindruecken an der vorgesehenen Stelle in der Kartonperforation verheddert, dann haben sich auch noch meine knubbeligen Fingern (auch nicht mehr so schmal wie frueher) irgendwie darin verkeilt und ploetzlich schoss der gute Beerensaft in hohem Bogen aus dem Karton. Leider konnte ich die Fontaehne nicht mehr stoppen und musste mit der ganzen Sprinkleranlage im Box-Format vom Tisch bis zum Spuelbecken rennen. Jetzt bleibt man bei jedem Schritt am Boden kleben, meine weisse Jeans hat pink-farbene Flecken und der Wein bahnt sich gerade den gleichen Weg in die schmale Ritze zwischen Trennwand und Herd, wo vor ein paar Tagen schon der Kaffee hinlief. Da komme ich im Leben nie mehr dran!

Zum Abschluss meines erfolgsgekroenten Hausfrauen-Tages wollte ich wenigstens noch Henrys Flaschendesinfektionsgeraet entleeren und die sterilisierten Sauger und Verschluesse in die spezielle keimfreie Dose befoerdern, als ich mit dem Kunstoffeinsatz am Rand haengen blieb und sich die ganzen Dinger im hohen Bogen und schoen gleichmaessig auf dem bakteriell-alkoholgetraenkten Fussboden verteilten. Bleiben jetzt bis morgen drank kleben! Kueche geschlossen!!!!!

Hoffentlich ist es keine langwierige psychosomatische Krankheit, sondern nur ein kurzer Ausbruch von Hausmuetterchen-Syndrom, der bald wieder vorbeigeht. Werde das Gefuehl nicht los, dass sich hier alles gegen mich verschworen hat oder vielleicht ist es ein Zeichen…

Als Bernd endlich von der Arbeit kam, hatte ich genau eine Maschine Waesche entfuselt und aufgehaengt, 3 Geschirrtuecher gebuegelt, sieben Blaetter Papier sorgfaeltig gelocht und abgeheftet, eine Schublade mit Krimas-Krams sortiert, ein halbes Nachthemd uebrig, und ich fuehlte mich total geraedert. Toller Tag! Wir waren weder einkaufen, noch am Meer, und ich werde den Gedanken nicht los, dass mein kleiner Schreihals und die Waschmaschine heimlich von der Anti-house-wife-Mafia gesponsort werden. Was haette ich heute alles erledigen oder unternehmen koennen, wenn mich „die Umstaende“ nicht ans Haus gefesselt haetten…

Es gibt Tage, da bleibt man am besten im Bett!

Wie schon erwaehnt, dann kam endlich mein lieber Mann von seinem ersten Arbeitstag nach Hause, unerwartet froehlich und guter Dinge. Er sagt, „die machen alles easy und langsam. Nur nicht ueberarbeiten und schoen cool bleiben heisst die Devise auf der Grossbaustelle“. Seinem neuen Vorarbeiter, einem Australier namens John Miller (in Deutsch: Johannes Mueller), gibt er waehrend der Rohrverlegung Deutsch-Unterricht. Der lacht sich dann kaputt ueber Vokabeln wie „Wasserpumpenzange“ und „Bolzenschneider“ und ist vermutlich sehr happy mit seinem neuen Kollegen.

Als ich Bernd fragte, wie John aussieht, bekam ich folgende Beschreibung: „Nett!“ Typisch Mann! Was kann man sich als Frau darunter vorstellen? Habe also ein wenig weiter geforscht. „Gross, dunkelhaarig, sonenengebraeunt, etwas rauher Typ, Zaehne habe ich keine gesehen, aber riesige Fuesse mit Turnschuhen und a good sense of Humor“. (Vermutlich die gleiche Sense of Humor, wie mein lieber Mann). Also schloss ich daraus, Modell Naturbursche mit Shorts (Bernd nennt es „Turnhose“). „Vielleicht ist er beim Turnen ja gar nicht so schlecht, aber er ist keine Schoenheit!!!“ schob Bernd hinterher. Hatte ich auch ehrlich gesagt, nicht erwartet. Um sein neugieriges Hausweibchen zu befriedigen, spuckte mein lieber Mann noch weitere Beschreibungen aus. „Auf der Baustelle lief noch ein echter Maori rum, so ein Raggae-Typ mit hypermoderner gelber Rapper-Sonnenbrille, wo die Glaeser bis zu den Ohren gehen (vielleicht kann man damit nach hinten gucken ohne sich umzudrehen). Er trug durchloecherte Turnschuhe (koennte vielleicht eine Art Belueftung sein) und ein putzlappenartiges T-shirt (mit dem mein Bakterien-phobie gebeutelter Mann fuer kein Geld der Welt sein Auto geputzt haette). Und sein Kompagnon sah genau so aus, nur einen halben Meter groesser und viermal so schwer, in einer ausgeschleuderten (Zitat!) Jogginghose mit 25 Schlitzen und aufgeweichten Gummilatschen mit einem Pin durch die Zehen. Der hat den ganzen Tag durch das Niveliergeraet gespuckt (sorry) gekuckt. Der Polynesische Bauleiter trug ein knuddeliges, sonnen-gebleichtes Hawai-Hemd und eine verschimmelte Jeans (koennte auch Moos gewesen sein).“

Bitte – hierbei handelt es sich keinesfalls um abfaellige Bemerkungen, sondern um rein subjektive Beobachtungen am Arbeitsplatz! Mehr weiss ich auch noch nicht, aber wenigstens hatte mein Mann einen schoenen Tag und geht morgen wieder mit Begeisterung und seiner neuen Thermoskanne Rohre verlegen.

So viel von einem in Selbstmitleid aufgeloesten Moechte-gern-oder-lieber-nicht-mehr–Hausmuetterchen mit zwei Schlafmuetzen (zum Glueck hat das Geschrei ein Ende und mein lieber Mann ist auch muede von der Arbeit). Vollmond grinst mich durchs Wohnzimmerfenster an. Gute Nacht!

Fortsetzung folgt…

(c) Beate Minderjahn

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3.) Waschmaschinen!

11 Aug

Unser neues Leben am Ende der Welt – 8. November 1999

Am Wochenende haben wir ein Deutsches Ehepaar kennengelernt, das schon seit 15 Jahren in Neuseeland lebt und urspruenglich aus Berlin kommt.  Karl ist, wie mein lieber Mann Bernd, ebenfalls Plumber und Marianne, seine Frau  hat einen kleinen Geschenkartikelshop im Nachbarort.  Ein Plumber ist in Deutschland ein Installateur (Maennchen) oder Installateuse (Weibchen)  und dabei  handelt es sich um eine besondere Spezies, die sich in heimischen Gefilden ausbreitet und vermehrt.   Jedenfalls, haben sich die beiden Plumber auf Anhieb gut verstanden und Karl hat uns viele Tips und Einblicke in Neuseelaendische Sitten und Gebraeuche gegeben,  von denen er  selbst nach 15 Jahren manche nicht verstehen kann. Und mein lieber Mann hat nach 3 Wochen auch schon genug vom Pionier- und Abenteuerleben, von Haushalt, Kleinkind und Feuerholz suchen,  und er kann es nicht erwarten sich irgendwo zu bewerben und einen Job zu finden. Dann kann er sich nach kurzer Eingewoehnungs- und Spionierzeit selbstaendig machen.  Schliesslich ist er ja Master-Plumber und auf Badezimmerdesign spezialisiert.  

Jeden Morgen  wenn ich mit dem Kinderwagen zum Beach gehe, dauert es ungefaehr 20 Minuten, bis ich die Hauptstrasse ueberqueren kann.  Wenn diese sehr stark befahrene Strasse (die einzige, die nach Norden fuehrt) mich nicht vom Meer trennen wuerde, waere der Gang vom Haus bis zum Beach etwa 2 Minuten lang, so dauert es ca. 22 Minuten.  Hatte mir ueberlegt, ob ich mir einen Dinosaurier anschaffe. Der koennte hier auf meiner Strassenseite seinen langen Hals ausstrecken und ich koennte Henry im Kinderwagen auf die andere Strassenseite rutschen lassen, ohne ueberfahren zu werden. Abends koennte der Dino zusammen mit Bernds hochpoliertem Station Wagon (Nissan Kombi) in der Garage schlafen (wir muessten vielleicht ein paar Meter anbauen und das Dach erhoehen (wiederum zur allgemeinen Belustigung meiner Nachbarin hinter der Gardine). Im Garten haette der Dino genug Auslauf und wenn er Wasser lassen muss, wuerde die gesamte Gruen- und Gartenanlage von Orewa bewaessert. Der Ueberfluss wuerde ins Meer fliessen und in Indonesien wuerde die Kueste ueberschwemmt. Vielleicht fressen Dinosauerier ja auch Seetang.  Davon liegt naemlich nach der letzten stuermischen Nacht so viel am Beach, dass man damit locker einen Dinosaurier fuer 2 Wochen ernaehren kann.  Ich liebe den Geruch von Seetang, das erinnert mich and den Duft von Fischermaennern und das Buch „Salz auf unserer Haut“.

Gestern abend habe ich Henry aufs Bett gelegt und  seine Hose ausgezogen, um ihm die Windel zu erneuern. Irgendwie mochte er das,  und als ich mit der Linken seine Beine hochhielt und mit der Rechten die gelbe klebrige Kacke vom Popo wischte (natuerlich mit einem Lappen!), da lachte und quietschte er vergnuegt. Und erst als er so laut schmatzte stellte ich fest, dass er durch die Heb- und Teilaktion seiner Beinchen, sich selbst genau in den Mund gepinkelt und sozusagen Zielwasser getrunken hat. Er hat sich dann aber gewundert, wo die leckere Erfrischung herkommt. Na ja, soll ja sowieso heilende Wirkung haben und manche trinken es zum Fruehstueck, Henry eben erst zum Abendessen.  Mahlzeit!

Der Mond geht hier falsch herum auf, die alte Schulregel mit a und z kann man hier also nur umgekehrt anwenden. Auch das Wasser  laeuft in der Badewanne anders herum ab.  Hier ist ja vieles anderes, muss an der Erdanziehungskraft liegen…

Waschmaschine Teil II:

Laut Euro-Plumbers wife Marianne kommen die weissen Fusseln auf meiner dunklen Waesche aus dem Fusselsieb, das man von Zeit zu Zeit rausnehmen und saeubern muss. Also bin ich sofort vor meiner naechsten Waschaktion um die Maschine gekrochen und habe das Fusselsieb gesucht.  Nicht gefunden. Morgen werde ich die Maschine aus ihrer Verankerung  reissen, aus dem begehbaren Wandschrank heben und von allen Seiten untersuchen. Irgendwo muss das Ding doch sein. Ich glaube, die Neuseelaender haben eine spezielle Vorliebe fuer begehbare Einbauschraenke, in denen man alles verstecken kann, wie Waschmaschinen, Trockner,  Autoersatzteile, Schuhe, Kleider, Koffer, Kinderwagen, gerauecherte Salami und einen aufblasbaren Swimmingpool.

Waschmaschine Teil III:

Noch interessanter ist, dass ein grosser Styroporklumpen, der im Wandschrank liegt, das Geheimnis zur Loesung meines Waschproblems Nr. 3  ist. Beim Schleudern sprang immer oben der Deckel auf und die Maschine stellte sich dann automatisch ab. Die Logik konnte ich mir von Anfang an nicht erklaeren, aber man ist als Auswanderer ja offen fuer neue technische Errungenschaften, auch wenn man sie nicht versteht.  Dank Euro-Plumbers wife Mariannne (wir Pionierfrauen muessen zusammen halten in diesen rauhen Zeiten) weiss ich jetzt,   dass dieser speziell geformte Styroporklotz vor dem  Start auf den pin des Rohres, das den Weichspueler behinhaltet, gesteckt wird, dann wird der Waschmashinendeckel geschlossen und mit dieser ausgefeilten Technik  verhindert man praktisch, dass die Waesche sich selbst nach oben schleudert und wie von Geisterhand den Deckel oeffnet, woraufhin sich dann die Maschine aus Sicherheitsgruenden selbst abstellt.  Wenn man das System noch etwas weiter durchdacht haette, koennte sich die Waesche selbst rausschleudern, sich im benachtbarten Trockner plazieren, dessen Stromzufuhr sich dann von selbst anstellt und wenn alles trocken ist, schleudert sich die Waesche selbst in den Waeschekorb, der ferngesteuert die Waesche zum Buegelbrett faehrt.  Aber wie ich schon seit langem  festgestellt habe, sind nicht alle Haushaltsgeraete so im Detail durchdacht, dass sie wirklich eine Arbeitserleichterung fuer die  gemeine Hausfrau darstellen. Im Gegenteil. Je mehr Maschinen man besitzt, um wo mehr muss man arbeiten und organisieren, damit sie ihren urspruenglichen Zweck erfuellen.  Aber was verstehe ich als sensor-gesteuerte Waschmaschinen verwoehnte Karrierefrau aus einem gut organsierten Europaeischen Industriestaat schon von traditioneller auslaendischer Wasch-Technologie? Ich dachte, der Styroporklotz waere noch ein Stueck von der Originalverpackung (von vor 25 Jahren), welches  die sorgsame neuseelaendische Hausfrau und Hauseigentuemerin  verwahrt hat.

Fortsetzung folgt…

Beate Minderjahn

2.) Hauswirtschaft!

11 Aug

Unser neues Leben am Ende der Welt – 6. November 1999

Das Waschen mit der Waschmaschine entpuppt sich in Neuseeland auch eher als Abenteuer.  Man oeffnet den oberen Deckel der Maschine, wirft zuerst das Waschpulver und dann die Waesche von oben in die Trommel, dann schuettet man den Weichspueler in eine Plastikroehre  in der Mitte, macht den Deckel wieder zu und waehlt zwischen kalt, warm, heiss, Wasserstand niedrig, mittel oder hoch und Normal oder Wolle. Die Maschine donnert los und nach einer halben Stunde ist alles fertig.  Und so sieht auch die Waesche aus!  Meine erste Heisswaesche hat saemtliche Sweatshirts von Bernd pink gefaerbt (nicht gerade seine Lieblingsfarbe), meine erste Warmwaesche hat alle dunklen Kleidungsstuecke mit weissen Fusseln  ueberzogen (Nein- es war kein Papiertaschentuch in der Hosentasche!) und heute versuche ich es mal mit der oekologischen Kaltwaesche. Wenn das nicht funktioniert, kann ich immer noch die Waesche in der guten alten Pionierfrau-Methode  im Fluss waschen, in der Hoffnung, dass sich kein Hammerhai in Bernds Unterwaesche festbeisst und spaeter in seiner professionell beschrifteten deutschen Werkzeugkiste landet.

Ich kann es nicht erwarten bis meine gute deutsche voll elektronisch gesteuerte Marken-Waschmaschine im Container ankommt. Ich hatte sie schon fuer 50,-DM (ja, die gute alte DM!) verkauft und dann im letzten Moment, als noch Platz im Container war, behalten (lass doch den Kaeufer denken, was ich fuer ein hinterlistiges, ausgekochtes, geldgieriges Biest bin  – ist mir egal, bin ja weit weg!) Diese Beschwerden muss sich jetzt meine Schwester anhoeren, da es ihre Freundin war, der ich die Maschine verkauft hatte.  Und meiner Schwester habe ich auch die Couchgarnitur wieder abgenommen, die ich ihr so ueberschwenglich geschenkt hatte, weil ich dachte, wir haben zu wenig Platz im Container.  Waschmaschine und Couchgarniture segeln wahrscheinlich gerade bei Windstaerke 12 um Cap Horn. Da faellt mir  dieses romantische Seefahrerlied wieder ein, dass mein Vater in den 70-er Jahren gerne Sonntagsmorgens um 6.00 Uhr vom  Plattenspieler droehnen liess, waehrend er sich in der Kueche Bratkartoffeln und geraeucherte Makrele zum Fruehstueck machte. „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord, in den Faessern da faulte das Wasser und taeglich ging einer ueber Bord….“

Immerhin habe ich in meinem Hausfrauen-Pionier-Dasein zur Zeit keine Probleme mit Spuelmaschine, Trockner und Buegeleisen.  Auch der Toaster, die Kaffeemaschine, das Kuechenradio, die Klospuelung und die elektrische Knochenzerkleinerungszentrifuge im Kuechenabfluss (nennt man hier: In-Sink-Erator),  die einen Hoellenlaerm macht,  funktioniert einwandfrei.  Da soll noch einer sagen wir waeren hier am A…., sorry Ende der Welt. Cola schmeckt wie Cola, Mc Donalds wie Mc Donalds und gestern bin ich mit dem neuen, „alten“ Auto zum ersten mal auf der linken Strassenseite gefahren. Und das ist auch ein Erlebnis! Habe dreimal den Buergersteig gerammt, ein Vekehrsschild und eine Katze umgefahren (sie hat ueberlebt und sitzt nun im Rollstuhl), ihr Schwanz haengt allerdings  noch an der Stosstange und meine Nachbarin hat ganz schnell die Muelltonne und ihre sieben Kinder von der Strasse geholt und in der Garage versteckt. Sonst hat alles wunderbar geklappt, auch wenn man staendig vom Schuldgefuehl eines Geisterfahrers beherrscht wird. Ich weiss nur nicht, warum Bernd und Henry nicht mehr mit mir fahren wollen. Versteh ich nicht….

Das Holz fuer unseren offenen Kamin gehe ich jetzt immer morgens mit Henry im Kinderwagen am Strand sammeln. Dort wird jede Nacht neues Treibholz angeschwemmt und ich stapele es mit den Muscheln und anderen Fundsachen unten im Kinderwagen und bringe es  unter dem pruefenden Blick meiner hinter der Gardine versteckten Nachbarin nach Hause. Habe noch nicht herausgefunden, wo man sonst das Feuerholz herholt. Vielleicht muss Bernd mal bei Nacht und Nebel in den Wald fahren und das Holz selber hacken…

Heute nachmittag war ich mit Henry und Kinderwagen in Orewa (dem winzigen Zentrum unserer neuen Heimat), und  in einem kleinen Cafe haben wir eine Pause eingelegt.  Die Neuseelaender sind ja wirklich klever und erfinderisch. Man kann sich gar nicht vorstellen, was die alles auf ein Sandwich legen. Mich wuerde es nicht wundern, wenn da neben Spaghetti  und  mit Kaese ueberbackenen  Bohnen, auch noch Hund, Katze, Maus, Igel, Pinguin, Opossum, alte Autoreifen, leere Druckerpatronen, gebrauchtes Klebeband und abgeschnittene Grashalme drauf liegen. Und die Bedienung im Cafe – immer freundlich, geduldig und hilfsbereit.  Allerdings schliessen die Cafes hier in Orewa um 15.30Uhr – sehr merkwuerdig!

Fortsetzung folgt…

Beate Minderjahn