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Ein neues kreatives Chapter startet…

25 Apr

1-DSCN8875Nachdem ich ein paar Jahre in einem Buero gearbeitet habe, um unsere Finanzlage zu retten und den Europa-Urlaub vom letzten Jahr zu finanzieren, habe ich nun schweren Herzens diesen Job aufgegeben, um mich wieder der Selbstaendigkeit und der Kreativitaet zu widmen. Eingesperrt in einem Buero und festgeklebt an einem Stuhl, fuehlte ich mich wie ein Fischlein  ohne Wasser. Nun habe ich also meine “Freiheit” wieder und sollte mich eigentlich darueber  freuen, aber ich setze mich selbst ein wenig unter Druck, ein neues Einkommen zu schaffen.

Vor zwei Jahren hatte ich schon einmal angefangen, aber natuerlich mit einem Vollzeit Job nicht genuegend Zeit fuer beides. Nun erwecke ich diese Inspirationen vom Dornroeschenschlaf. Die Idee ist, frische und kuenstliche  Blumengestecke an Unternehmen, Bueros, Show Homes, Restaurants usw. zu vermieten und die Gestecke regelmaessig auszutauschen. Dazu einen Geschenke Service mit hand-gemachten und sinnvollen Geschenken plus Decoration fuer events, Weihnachten und Inneneinrichtung. Natuerlich geht das alles nicht so schnell, wenn man einen kleinen Hang zum Perfektionismus hat.

Zuerst musste ich die Webseite, die ich vor zwei Jahren anfing,  auf den neuesten Stand bringen und vor allem wieder online schalten. Da ich ja alles selbst mache und kein Computerexperte bin, ist das nicht so einfach und man kann das alles nicht mal soeben zwischendurch machen. Ich kam von einem Problem zu naechsten.

Erst dauerte es eine Woche, meine alte Webadress zu re-aktivieren, dann brauchte der Provider 24 Stunden, die Seite zu veroeffentlichten. Und dann waren da noch die Texte (English ist immer noch kompliziert!) und die Potos. Die sollten natuerlich toll aussehen. Was brauchte ich also? Zuerst einmal schoene Blumengestecke als Muster. Dann investierte ich mein ausgezahltes Urlaubsgeld in die Schoenheiten aus China, raste zum Grosshaendler, kaufte eine Kiste voller super echt aussehender Seidenblumen, dann musste ich die entsprechenden Vasen finden und, und, und. Die Photos konnte ich wiederum erst machen, als es aufhoerte zu regnen, anschliessend mussten diese bearbeitet werden und so ging ein Tag nach dem anderen ins Land.

Mit den Photos endlich auf der Website konnte ich die neuen Flyers entwerfen und zur Druckerei schicken, was wiederum zwei Wochen dauerte, bis die endlich geliefert wurden. Die Idee war, dass ich mit den Flyern und ein paar Musterblumen persoenlich zu groesseren Firmen und Bueros gehe, mich vorstelle und meine Blumen anbiete. Klingt doch super, oder?

Wenn da nicht diese kleine „schuechterne“ Charaktereigenschaft waere…. Der Gedanke ans „Klinkenputzen“ versetzt mich schon in absoluten Stress und koennte eine Panikattacke ausloesen. Viel lieber wuerde ich mich in einer kleinen Hoehle (oder Garage) verstecken, dort Blumen basteln und einen professionellen Verkaeufer-Typ losschicken, der einem Eskimo einen Kuehlschrank andrehen kann. Ich haette auch kein Problem, einfach nur meine Sachen im Internet anzubieten. Aber so funktioniert das natuerlich nicht. Nein, jeder sagt mir, „Du musst da persoenlich hin, Du bist Dein bester Verkaefer, Du kennst Deinen Service am besten. Geh los und verkaufe Dein Image!“ (mit einem imaginaeren Tritt ins Hinterteil!)

Well, das widerstrebt so sehr meiner Natur. Ich bin absolut kein Verkaeufer-Typ!!!!!. Im Gegenteil. Ich gehe jedem geschulten Verkaeufer aus dem Weg. Deswegen funktioniert bei mir auch kein „Laufschema“, das in grossen Geschaeften in jahrelanger Kundenbeobachtung ausgearbeitet wurde. Wo der normale Kauefer am Eingang einer Boutique nach rechts schwenkt zu den Sonderangeboten, biege ich schnurstracks nach links ab, so weit weg von der Verkaeuferin wie moeglich, damit die gar nicht erst auf die Idee kommt, mir eine kurze Hose und ein traegerloses Oberteil schmackhaft zu machen – und schon gar nicht in den neuen Sommerfarben: neon-pink und neon gelb!.

Der Gedanke,  einfach und froehlich mit ein paar Blumen unterm Arm, einem Prospekt in der Hand und einem lustigen Lied auf den Lippen in ein Unternehmen zu marschieren und mich der Rezeptionistin mit Bulldogen-aehnlichen Charakterzuegen auszuliefern ist mir ein absolutes Graeuel! Da kann ich nachts nicht mehr schlafen.

Dann kam mir die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und den gleichen „fiktiven“ Unternehmerkunden  einen Geschenk-Service anzubieten. Geschenkkoerbe, Blumen und Delikatessen. Man will sich ja als erfolgreiches Unternehmen nicht Lumpen lassen, wenn es um „vernuenftige“ Weihnachtsgeschenke fuer lang ausgenutzte Mitarbeiter und neu aquirierte Grosskunden geht. Da darfs ja schon was kosten.

Tagelang habe ich die Konkurrenz im Internet ausspioniert und mir von meiner gut situierten Freundin ein paar teure Delikatessen und echten Champagner ausgeliehen. Diese Produkte sind ueblicherweise nicht in unserem Inflations-Warenkorb enthalten, und ich wollte auch nicht unsere komplette Finanzlage zum Schaukeln bringen, um ein paar Muster-Photos zu schiessen. Nachdem meine Freundin mir grosszuegigerweise, aber auch unter Eid, ihre Franzoesischen Pastetchen, die Italienische Salami, handgefertigte Schokolaedchen und delikat verpackte Trueffelpralinchen  ausgehaendigt hat, musste ich diese zuersteinmal geschickt getarnt vor meiner ausgehungerten Familie verstecken. Diese Burschen  haetten sich gleich darueber hergemacht, alle Dosen, Glaeser und Pakete aufgerissen und sich vermutlich anschliessend beschwert, dass es nicht schmeckt.

Aber bis zum Photoshoot kam es gar nicht, weil ich durch Zufall auf einer anderen Neuseelaendischen Webseite gesehen habe, dass man eine Alkohol-Lizens braucht, um auch nur eine einzige, winzige  Flasche Wein in einem Geschenkkorb zu verkaufen.  Was fuer ein Disaster!

Nach ausfuehrlichem Studium der Neuseelaendischen Gesetzgebung und den verwirrenden Regeln des Auckland Councils, wuerde diese Lizenz absolut meinen Investitonsrahmen sprengen. Das Verfahren dauert einige Wochen, der Antrag wird in der Zeitung veroeffentlicht, damit die Nachbarn und die Konkurrenz Einspruch einlegen koennen. Dann kommt noch jemand raus, um den Ort (der Tat) zu besichtigen. Man muss unter Eid schwoeren, dass man nix Alkoholisches an Minderjaehrige verkauft,  keine Parties und keine Orgien mit Alkoholausschank anzettelt und schon gar keinen Schnaps am Ostersonntag verkauft. Darauf steht die Todestrafe!

Hier musste Plan B her!

Also wieder zuerueck zu den Anfaengen und noch mehr Research im Internet. Und was soll ich sagen? Resultat: Ich habe festgestellt, dass man auch Geschenke ohne Alkohol verkaufen kann, aber natuerlich auch ohne Delikatessen. Das eine scheint mit dem anderen historisch verknuepft zu sein. Denn ein Fresskorb ohne „Saufen“ ist wie ein Wagen ohne Raeder.

Der Vorteil alkoholfreier Geschenke ist, dass ich dann auch nicht meine hochheilige Garage mit einer Selbstschussanlage verteidigen muss, zum einen gegen meine hungrigen Familienangehoerigen und zum anderen gegen minderjaehrige Alkoholiker.

Nein, ich mache nun etwas ganz anderes!  Ich drapiere dreistoeckige Torten und Cupcake Sets aus Handtuechern, bastele thematische Geschenkboxen mit  Einkaufsgutscheinen und konstruiere Farm-Fahrzeuge aus Baby-Windeln.

Na, was sagt man denn dazu? Das ist mein Plan B! Und dann war ich wieder eine Woche busy und musste all diese Babywindeln besorgen (unter den pruefenden Blicken der Supermarktkassen-Schwadron – Uerbergewicht oder schwanger?). Ich habe gestapelt, geklebt, gesteckt und gebunden, hier ein paar Schleifchen, da ein paar Stecknadeln, 20 meter Geschenkband, ein paar ausgeschnittene Blumen aus Tapetenmustern, 37 Spielzeugtiere, Tuell, Federn, Plastikfolie und eine neue Kiste mit kuenstlichen Blumen…

Und noch eine Woche spaeter habe ich meine Musterphotos fertig und kann diese auf meiner Webseite einarbeiten. Die Texte, die Groessen, die Preiskalkulation, die Verkaufsargumente, das alles wird vermutlich  noch eine weitere Woche dauern…. also noch kein „Klinkenputzen“ in Sicht. Und auch noch kein weisses Pferd in Sicht, auf dem ein professioneller Verkauefer-Prinz mit sexy Statur und italienischem Akzent vor reitet, um mich zu retten.

Nach einer weiteren schlaflosen Nacht, kam mir die Idee noch einen Blumenstrauss zu fertigen, um die Bulldogen vor Ort und gleich beim ersten Gespraech von der Schoenheit dieser echt wirkenden Blumenpracht zu ueberzeugen. Leider waren mir die Blumen ausgegangen und so musste ich gestern mal wieder zum Grosshaendler fahren. Und –wie immer- kauft man ein paar Bluemchen hier und da mehr, als man eigentlich braucht. Man weiss ja nie…

Heute sitze ich nun erneut am Computer und meine To-Do Liste wird immer laenger anstatt kuerzer (im Unterbewusstsein vielleicht nur, um den Augenblick der Konfrontation und der absoluten Panik ein wenig in die Zukunft zu verschieben?). In meiner letzten schlaflosen Nacht, die Dank der koeniglichen Katze, heute morgen um halb fuenf ein jaehes Ende fand (die Nacht – nicht die Katze!), hielt mich der Gedanke wach, was ziehe ich denn bloss an?

Wie muss man denn aussehen, wenn man erfolgreich verkaufen will? Mini-Rock und hohe Schuhe,  oder was Gebluemtes mit Rueschen und Spitzchen, passend zum Produkt? Neutral schwarz, um nicht von den Blumen abzulenken? Oder vielleicht mal neutrales Beige, um das Image ein wenig aufzuhellen, oder pink und purple – Ton in Ton mit meinem Musterstrauss? Du liebe Guete, ich glaube ich drehe durch!

Und dann ist da noch das Problem mit der Figur! Es gibt nichts Schoenes in meiner Groesse, schon gar nichts Schoenes in meiner Groesse, das bezahlbar ist. Und ich habe nichts im Schrank, was mir passt. So schnell kann ich nicht abnehmen. Ich glaube ich esse heute mal nix. Aber irgendwie habe ich Hunger. Vielleicht eine Saft-Kur. Ich habe gelesen, man kann easy 48 Tage nur von frisch gepresstem Saft leben (wenn man genug Zeit und Geld und Obst und Gemuese hat). Und natuerlich, wenn man sonst nichts zu tun hat. Weight Watchers vielleicht? Aber dann wird man da einmal in der Woche vor allen Augen gewogen und die Waage ist noch schrecklicher als die zu Hause und dann ist es einem peinlich und man will nirgendwo mehr hingehen. Jetzt koennte ich eine Tuete Chips essen…. Aber davon sind die Waden schon so dick geworden, dass die Winterstiefel vom letzten Jahr nicht mehr zu gehen. Wieso eigentlich? – verstehe ich ueberhaupt nicht. Die paar Kilo…. Aber wenn die Stiefel nicht passen, kann ich auch den Rock nicht anziehen. Rock und flache Schuhe geht ueberhaupt nicht zusammen. Das sieht so altbacken aus. Aber dann brauche ich auch noch eine neue Strumphose, falls die Stiefel jemals wieder zu gehen und der Rock nicht von den Motten gefressen wurde. Das wirft neue Probleme auf.

Seit Jahren habe ich vor,  mich mal persoenlich bei den namhaften   Strumpfhosenherstellungs-Direktoren zu beschweren. Es gibt keine bequemen Strumphosen fuer apfelfoermige Frauen unter 1.60m.  WIESO denn bloss???? Was haben die denn fuer Models, wenn es um Grosse XXL geht? Selbst XXXXXXXL schneidet den Bauch in halb und die Fuesse haengen 50cm ueber. Was soll denn das bedeuten? Man weiss ja schon selber, dass die Idealfigur ein vernebelter Traum aus der fruehesten Jugend darstellt, irgendwie fuer immer verschollen – aber muss man sich von einer nagelneuen Strumphose den Magen halbieren lassen und die Fuesse miteinander verknoten, nur um ein paar kuenstliche Blumen an den Mann zu bringen?

Und hat man endlich so ein synthetisches Ding in muehseeliger Kleinarbeit ueber jedes Roellchen gezerrt und gegezogen, dann kann man weder ein- noch ausatmen. Zur Kroenung beissen sich die wildgewordenen Zaehne des zu engen Stiefelreissverschlusses im Nylon fest. Das wiederum verursacht eine atomare Kettenreaktion von Laufmaschen, die kein Troepfchen Uhu oder Nagellack mehr stoppen kann! Vielleicht mache ich davon mal ein Video und schicke es als Hilfe-Ruf zu allen Strumpf-Unternehmen oder ich veroeffentliche es auf Youtube. Diese Wunderwerke der Kunststoffindustrie sind hoechstens fuer einen Bankueberfall geeignet. Oder um ein Auto abzuschleppen oder den Keilriemen zu ersetzen, aber definitiv nicht, um sich im Floral-Business zu etablieren.

Das ganze Theater ist mir zu stressig. Ich glaube ich bleibe bei der schwarzen Hose, den schwarzen Halbschuhen, dem noch schwaerzeren Top und vielleicht eine dunkle Jacke… Ausserdem habe ich noch ein paar Tage Zeit darueber nachzudenken.

Denn bevor ich ueberhaupt losgehen und meine Blumenpracht anbieten kann, muss ich noch die Geschenke auf meiner Webseite anpreisen, die Texte bearbeiten, eine neue Business Facebook Page zaubern, genaue Preise kalkulieren, einen Begruessungsspruch erfinden, alle moeglichen Einwaende und Argumente einer Bulldogge mit einem entprechenden Kontra-Argument im Keim ersticken, mein Auto waschen und polieren, die Garage aufraeumen, die Terrasse winterfest machen, Henry bei den Hausaufgaben helfen, sein Fahrrad reparieren, alle Rechnungen bezahlen, meiner Freundin die unverspeisten Delikatessen zurueckgeben, die Katze fuettern  und  all die anderen Punkte erledigen, die sich noch auf meiner To-do Liste befinden.

Lange Rede – kurzer Sinn. Ich muss jetzt mal hier weiter machen, sonst werde ich nie Verkaeufer des Jahres, Strumpfhosen-Modell, Bankraeuber, Computerexperte oder erfolgreich!

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18.) Alles easy…!

12 Dec

Unser neues Leben am Ende der Welt – Neuseeland  10. Dezember 1999

Heute morgen habe ich meine Massenproduktion an Engeln, muschelbesetzten Bilderrahmen und glitzernden Seeschlangen in einen Koffer gepackt und mit Henry zu Mariannes Shop nach Warkworth gebracht. Sie war begeistert und hat die Souvenirs gleich in ihrem Schaufenster drapiert. Jetzt muessen wir nur noch auf die Touristenbusse aus  Taiwan und Hong Kong warten…

Hier in Neuseeland scheint alles so easy, unkompliziert,  super  freundlich, hilfsbereit und scheinbar ohne Hektik zu sein! Wenn die Leute im Postamt bis zur Tuere Schlange stehen, nutzen sie die Gelegenheit fuer ein Schwaetzchen mit dem Vorder- oder Hintermann (oder –frau). Niemand scheint sich darueber aufzuregen. Geduldig wartet man bis man an der Reihe ist und die Dame von der Post freundlich fragt: “How was your day so far?“ Bin mir noch nicht sicher, ob sie wirklich wissen will, was man schon alles gemacht hat, bevor man zum Postamt gekommen ist oder ob es eine trainierte Freundlichkeitsfloskel ist, die einem suggerieren soll, dass jeder Kunde wichtig ist.

Das erinnert mich wiederum an meine Jugend und die Ausbildung zur Postbeamtin am Schalter fuer benachrichtigte Briefsendungen im Hauptpostamt Koeln. Da sassen wir hinter kugelsicherem Glas (aus gutem Grund!).  Die Kunden in den mehreren parallelen, bis zur Eingangstuere reichenden Schlangen bestanden hauptsaechlich aus Sozialhilfe- und Arbeitslosengeldempfaengern,  Adressaten von Gerichts-Zustellungsurkunden oder sonstigen unerfreulichen, amtlichen  Behoerdenschriftstuecken, die einer besonderen, persoenlichen Aushaendigung gegen Vorlage eines gueltigen Personalausweises bedurften. (Beamtendeutsch – hatte schon fast vergessen, wie sich das anhoert!) Ab und zu war ein Rentner dazwischen, der gerade beim Caritas Kaffeekraenzchen war, als der Brieftraeger vergeblich versuchte, ein anonymes Paeckchen von Beate Uhse zuzustellen. Wenn sich die Postkunden innerhalb der Schlangen erstmal gegenseitig aufgewiegelt und sich darueber geeinigt hatten , dass es eine Zumutung ist, seine  staatliche Unterstuetzung beim Postamt abholen zu  muessen, da man ueberhaupt keine Zeit dafuer hat, weil man definitiv „was besseres zu tun hat“….  –  und wenn sich dann einer von uns staatlich vereidigten  mit Bundesadler beurkundeten Postbeamten im mittleren Dienst erlaubte, nach 7 Stunden BBS (Beschimpfungs- und Beschwerden Schicht) sein Plastikschild „voruebergehend geschlossen“ rauszustellen, um eine wohlverdiente Tasse Kaffee zu trinken in der von der deutschen Postgewerkschaft heiss erkaempften 15 Minuten-Pause, ja dann war die Revolution kurz vor dem Ausbruch und der Sturm auf die Bastille unabwendbar. Und wir waren heilfroh, dass unsere Schalter  Panzerglas gesichert waren!  Und der jenige von uns, der mit seiner Thermoskanne im staubigen Hinterzimmer zwischen grauen Saecken voller Behoerdenpost und Tuermen aus gestapelten Paeckchen von anonymen Versendern sass, traeumte  von der idealen, heilen Welt, in der sich alle Leute gut verstehen, geduldig sind, sich gegenseitig freundlich und respektvoll behandeln und von einem Arbeitsplatz, wo man nicht waehrend seiner amtlichen Pflichterfuellung beschimpft und bedroht wird!

Und da ich von Natur aus ein humorvoller Mensch bin, habe ich mir eines Tages erlaubt, ein winziges Papierschild in meinen Schalter zu haengen (just for fun!), das einen skizierten Gorillakopf mit den Worten: „Wir lieben Sonderwuensche!“ zeigte. Auf diese Weise wurde ich schon im zweiten Ausbildungsjahr mit einem hochofiziellen Eintrag in die Personalakte belohnt, weil sich eine aeltere Dame bereits innerhalb der ersten Stunde meines Aushangs persoenlich beleidigt fuehlte und umgehend das Oberpostministerium informierte! Die Entscheidung, gleich nach „erfolgreichem Abschluss“ meiner humorlosen Ausbildung einen neuen Karrierepfad einzuschlagen, ist mir nicht schwer gefallen!

Und hier bin ich nun mittendrin in der kleinen, heilen Welt, von der ich 1979 hinter schusssicherem Glas im Koelner Postamt getraeumt hatte:   Postamt Orewa in Neuseeland – Henry im Kinderwagen, Schlange bis zur Tuere raus und friedvoll  nutze ich die Zeit, mir in gebrochenem Englisch eine Kurzfassung meines bisherigen Tagesablaufs zurechtzulegen, um die Dame am Postschalter nicht zu enttaeuschen, wenn sie mich fragt, „…and how was your day so far?“

Auch im Cafe um die Ecke wird der Italienische Capuccino, einer nach dem anderen,  liebevoll und geduldig zubereitet. Ohne Stress wird die  bis zur Bauschaum-Konsistenz turbo-aufgeschaeumte Milch mit einem winzigen Loeffelchen in der Tasse zu einem Turm drapiert.  Nach einer Weile ist es nicht mehr peinlich , wenn 27 Leute hinter einem an der Kasse warten. Nein, man gewoehnt sich daran und freut sich darueber, dass keiner schimpft, sonderm mit offenem Mund die Loeffelchen mitzaehlt, bis der weisse Turm auf der Kaffetasse an Antoni Gaudis architektonische Meisterwerke  in Madrid erinnern.  Und dann darf man sich auch noch aussuchen, ob  man Kakaopuder oder Zimt draufgestreut haben moechte. Zur Steigerung der ganzen Zeremonie wird das Pulver anhand einer Schablone als florales Ornament auf dem weissen Turm dekoriert. Es kostet schon etwas Ueberwindung, das ganze Art-Gebilde mit einem Schluck zu zerstoeren und die Fragmente mit der Serviette von Nasenspitze und Kinn zu entfernen.   Das ist Kaffee, den man einfach geniessen muss, auch wenn man ihn vor lauter Schaum und Dekoration in der Tasse kaum findet. Wenn man ihn dann endlich erreicht, ist er so stark, dass er den gesamten Herzrhytmus aus der Bahn wirft. Das legt sich wiederum nach  einer halben Stunde und sobald sich der Herzmuskel wieder entspannt hat, kann man extrem energie-beladen und wie ein batterie-betriebenes rosa Plueschkaninchen weiter seinen Shopping-Aktivitaeten nachgehen.

Mit dem Autofahren klappt es inzwischen auch ganz gut. Mir ist allerdings aufgefallen, dass ueberall die Strassenmarkierungen erneuert werden. Hoffentlich nicht wegen mir!!!

Ab und zu eier ich mal zu weit nach links ins Gruene oder mache einen kleinen Abstecher auf die Gegenfahrbahn. Aber hier ist ja nicht so viel Verkehr, da faellt es kaum auf. Das Ueberschreiten der Mittellinie zur Gegenfahrbahn ist mir persoenlich lieber als das Ausweichen ins Gruene, weil die Abgruende auf der linken Seite oft ins Nichts oder gegen Unendlich gehen und manchmal  schon einen Meter neben der Fahrbahn anfangen. Besonders, wenn ich von Orewa nach Warkworth fahre,  muss ich mich beim Lenken einfach ein bisschen mehr beherrschen.  Auf Supermarkt Parkplaetzen, wenn ich mich  im Geiste noch mal auf meine Einkaufsliste besinne, fahre ich auch schon mal auf der falschen Seite. Aber dann kommt mir immer ein hoeflicher „Geisterfahrer“ entgegen und winkt mich wieder auf die richtige Bahn. Hupen und Schimpfen ist nicht ueblich! Bei meiner gestrigen Tour nach Albany standen ploetzlich ein paar junge Leute links und rechts an der Fahrbahn und winkten mit Taschentuechern. Huch, dachte ich, sind die aber freundlich, jetzt winken sie uns schon zum Empfang.  Aber ein Stueck weiter umfuhren wir den Grund des Winkens. Hier waren sich auch zwei Fahrer nicht einig gewesen, wer von ihnen der Geisterfahrer ist.

Heute nachmittg war ich mit Henry noch bei der Kinderaerztin. Sie war sehr nett und Henry war ein Musterkind. Als sie sein kleines Organ, das ihn von einem Maedchen unterscheidet, untersuchte, hat er laut gelacht!?! Das hat er auch schon selbst als sehr interessantes Spielzeug entdeckt. Jedesmal, wenn ich ihm die Windel wechsele schnappt er sich das Objekt der Begierde mit der llinken Hand, zieht daran und versucht es in seinen Mund zu stecken. Gott sei dank ist die Flexibilitaet und Elastizitaet bestimmter Koerperteile begrenzt und es kommt nicht soweit. Auf diese Art und Weise habe ich aber auch festgestellt, dass Henry (jetzt 5 Monate alt und 7.8kg schwer) vermutlich Linkshaender ist.  Ich hatte keine Ahnung, dass man das schon so frueh sehen kann, aber meine mehr erfahrene Freundin, die vier Kinder hat, nannte mir einen guten Trick, um das rauszufinden. „Halte einfach seine linke Hand fest und sieh, ober er mit der Rechten danach greift????“ Der Test hoerte sich gut an, taugte aber nichts in der Praxis. Als ich eines morgens vor dem Anziehen Henrys linke Hand festhielt, hat er einfach nach rechts aufs Bett gepinkeltl! Soviel zu Theorie und Praxis und Links- oder Rechtshaendern. Wieso wird ein Kind Linkshaender, wenn beide Eltern Rechtshaender sind?  

Zum Abschluss unseres Tages haben wir Sushi gekauft, und es fasziniert mich immer wieder, wie die Japaner den Reis so klebrig machen. Ist auch erstaunlich, was die da so alles reinrollen:  Avocado, Lachs, Huehnchen (natuerlich keine ganzen!), Spargel, Krabben, Gemuese etc. – und das haelt bombenfest!  Dann muss man versuchen, das Roellchen einigermassen elegant mit zwei Holzstaebchen zuerst in die Soya Sauce zu tunken und dann geschickt „into the mouth“ zu jonglieren. Die Suhi Roellchen, die waehrend dieser akrobatischen Versuche unter den Tisch fallen, darf man mit den Fingern wieder aufheben.  Immer offen fuer Neues, habe ich eins der klebrigen Roellchen meisterhaft mit dem Holzwerkzeug in die mitgelieferte, noch gruenere Paste (etwas geizig in der Menge…) getunkt und elegant versucht, ein kleines Haeppchen abzubeissen. Hatte keine Ahnung, was das fuer ein gruenes Teufelszeug ist! Nach 10 Minuten Atemstillstand, Wasserausbruch aus Augen, Nase und anderen Koerperoeffnungen sowie Verbrennungen dritten Grades auf der Zunge und Aetzwunden an der Oberlippe, kam ich wieder zur Besinnung. Einmal zur Hoelle und zurueck! Ich bin mir sicher,  dass man mit dem Zeug auch Rostflecken am Auto entfernen oder Loecher in Eisentraeger brennen kann. Noch sicherer bin ich,  dass ich nie wieder Herpes an der Lippe haben werde. Und falls mein Mund jemals verheilt werde ich beim naechsten Sushi Einkauf dankend ablehnen, wenn mir mit einer freundlicher Geste aus dem Land des Laechelns WASABI angeboten wird!

 

Fortsetzung folgt…

Beate Minderjahn

 

Personal Note:  At least it is summer in New Zealand now, my son Henry graduated from Primary school on Friday, my Kids Christmas craft workshops will finish next week, I have organised my Holiday Art & Craft programme for January and after one more busy week I will soon have some time to prepare for Christmas with my family.  I am really looking forward to go to the beach with Henry,  going for long walks, starting my goal setting and planning for 2011 and just relaxing and enjoying the sunshine, BBQ and a glass of wine from time to time. 

Yesterday morning I went to the beach with my camera and I realised again, how lucky I am to live here: 

 

 

 

 

 

 

 

So, stay tuned and have a happy and wonderful day!”   Beate